Kolumnen

Kostbarer Ring, kurze Ehe US-Amerikaner heiraten teuer

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(Foto: picture alliance / dpa)

Rund 30.000 Dollar lassen sich US-Amerikaner im Schnitt ihre Hochzeit kosten. Für die Konjunktur mögen das gute Nachrichten sein. Doch Eheglück lässt sich nicht erkaufen.

Wonnemonat Mai … war da nicht was? Im Mai wird geheiratet, mehr als in jedem anderen Monat. Ich bin auch schon wieder zu zwei Hochzeiten eingeladen. Das heißt: An zwei schönen Frühlingswochenenden ist das Ausschlafen gestrichen, stattdessen ziehe ich mir morgens Anzug und Krawatte an, dann geht's zum ganztägigen Feiern zwischen Kirche und Catering-Hall.

In den USA sind Hochzeiten meist größer und teurer als in Deutschland - weshalb sie wohl ganz gut als Konjunkturbarometer taugen. Die Analysten von NerdWallet haben in Zusammenarbeit mit dem Hochzeitsmagazin The Knot ermittelt, dass die durchschnittliche Hochzeit in den USA in diesem Jahr 16 Prozent mehr kostet als vor vier Jahren. Dabei schwanken die Kosten je nach Bundesstaat enorm: Am teuersten heiraten natürlich die New Yorker, wo die Eheschließung samt rauschender Feier mit durchschnittlich 76.328 Dollar zu Buche schlägt. Auf den Plätzen folgen die benachbarten Bonzen-Gegenden in den Hamptons, in Westchester und in den feinen Vororten New Jerseys.

Im US-Mittel kostet eine Hochzeit knapp über 30.000 Dollar - den Schnitt drückt vor allem Utah: Im Mormonenstaat liegen die Kosten bei bescheidenen 15.257 Dollar. Der Grund: Paare heiraten oft alleine im Tempel, speisen dann in einem lokalen Gemeindehaus, oft bringen Gäste auch Essen mit. Ein Buffet statt teurem Catering, das spart natürlich, und dem Brautpaar bleibt am Ende noch Geld für die Anzahlung am ersten Eigenheim. In New York ist das nahezu ausgeschlossen.

2500 Dollar für den Fotografen

Wer deutsche Hochzeiten gewöhnt ist, dürfte mit Unverständnis auf die Kosten für amerikanische Paare blicken: Die zahlen – wieder im landesweiten Durchschnitt – allein 14.000 Dollar für Saalmiete und Essen, dazu 3500 Dollar für den Empfang vorweg und 2500 Dollar für einen Fotografen. Der Blumenschmuck kostet im Schnitt 2100 Dollar, dazu kommen 1400 Dollar für das Brautkleid, 1200 Dollar für das sogenannte "Rehearsal Dinner", das Probe-Essen am Vorabend, und etwa 700 Dollar für Einladungen und kleine Geschenke für die Gäste.

Einigermaßen nachvollziehbar sind vielleicht noch die durchschnittlich 5885 Dollar für einen Ring - der hat ja einen bleibenden Wert, während die übrigen Posten binnen Stunden nur noch Erinnerung sind. Allerdings sollten Heiratswillige auch bei der Investition in "Bling" nicht übertreiben. Denn eine aktuelle Studie von Wirtschaftsstudenten der Emory University in Atlanta hat ergeben: Je teurer der Ring, desto kürzer die Ehe. Der Studie zugrunde liegt eine Umfrage unter 3000 verheirateten Paaren in ganz Amerika. Die Studenten haben eine einleuchtende Erklärung: Wer allzu viel für den Ring - oder die ganze Hochzeit - ausgibt, der heiratet vielleicht aus den falschen Gründen. Statistisch falle auf, dass bei den meisten geschiedenen Ehen für Männer die Schönheit ihrer Frau der erste Hochzeitsgrund war, für Frauen der Wohlstand ihres Mannes - beides sind nicht unbedingt die besten Fundamente für ein langes Glück.

Quelle: n-tv.de