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Streetscooter vor dem Aus Eine bittere Lehre für Startups

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Die Deutsche Post wird den Streetscooter nicht mehr bauen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das ehemalige Vorzeigeprojekt eines Elektromobilitäts-Pioniers steht vor dem Ende: Die Deutsche Post will die Produktion der Streetscooter einstellen. Das ist ein Armutszeugnis für den Standort Deutschland.

Im Juni jährt sich die Gründung von Streetscooter zum zehnten Mal, und es wird leider keinen Grund zum Feiern geben. Denn die Deutsche Post stellt die Produktion des Elektrotransporters für ihre Zusteller ein. Das ist ein ganz schlechtes Zeichen.

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Zur Erinnerung: 2014 kaufte die Deutsche Post das Unternehmen und produzierte damit die eigene Flotte von Elektroautos. Noch im vergangenen Jahr wurde ein neues Werk eröffnet, und die XXL-Versionen wurden in Kooperation mit Ford produziert. Seit der Erstzulassung 2015 wurden mehr als 13.000 Streetscooter zugelassen - die allermeisten davon sind für den Dax-Konzern unterwegs. Nach Expertenschätzung hat die Post seitdem etwa eine halbe Milliarde Euro in das Unternehmen gesteckt.

Und wozu das alles? Immer wieder hat Postchef Frank Appel betont, man wolle kein Autobauer sein, und die Post sei nicht der passende Eigentümer. Wenn selbst der Chef so redet, wie soll dann in einem ehemaligen Staatsbetrieb mit seinen teils bürokratischen Strukturen jemals eine Startup-Mentalität entstehen? Streetscooter hätte eine dynamische, kreative und risikofreudige Führung verdient gehabt - und die Möglichkeit, sich eigenständig am Kapitalmarkt mit den notwendigen Mitteln zu versorgen.

Doch das ist offensichtlich Wunschdenken. So wurde am Ende aus dem Zukunfts- und Vorzeigeprojekt nur der Haus- und Hofhersteller für die Deutsche Post. 9000 Fahrzeuge hat sich die Post quasi in der eigenen Werkstatt gebaut. Bei angenommen 500 Millionen Investitionen sind das lediglich 55.000 Euro pro Stück -  Abschreibungen, Investitionserleichterungen und Subventionen nicht eingerechnet. Kein Schnäppchen, aber auch nicht überteuert. Viel günstiger hätte man vor einigen Jahren solch ein Fahrzeug nicht bekommen.

Auch nicht eingerechnet ist der Imagegewinn für das Unternehmen. Die Flotte an Zustellfahrzeugen wurde relativ schnell auf Elektromobilität umgestellt. Ein Plus für die Deutsche Post, das sich nicht in Geld umrechnen lässt.

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Was bleibt, ist der Eindruck, dass es ein ungelenker, bürokratischer Großkonzern nicht schafft, in einem Zukunftsmarkt erfolgreich zu sein. Wieder einmal dürfte für viele Startups klar werden: Verkaufe nie an einen Großkonzern und schon gar nicht an einen ehemaligen Staatskonzern. Zu groß ist die Gefahr, dass das Unternehmen in einer Struktur ohne Startup-Mentalität aufgerieben wird.

Wieder mal ein Rückschlag für den Standort Deutschland und ein Warnsignal für Gründer: Verkauft nur, wenn ihr weiter über die Zukunft eures Unternehmens bestimmen könnt.

Quelle: ntv.de