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Selbstmord aus Angst vor dem Tod USA sparen sich tiefer in die Krise

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Barack Obama.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Wie können die USA die Krise beenden? Indem die Regierung genau das Gegenteil von dem tut, was sie derzeit macht. Statt zu sparen, sollte sie Geld ausgeben. Das klingt angesichts des riesigen Schuldenbergs paradox, ist es aber nicht.

Die USA haben die Sparbombe gezündet. Da sich Republikaner und Demokraten in einem erbitterten Streit bisher nicht darauf einigen konnten, wie Haushaltsdefizit und Staatsschulden abgebaut werden, muss die Regierung nun Schritt für Schritt nach dem Rasenmäherprinzip Ausgaben kürzen. Die Auswirkungen werden nicht schlagartig spürbar. Präsident Barack Obama spricht von einem "Abwärtstaumel". Auch wenn die Bürger es nicht gleich merken würden, handele es sich um einen "schweren Schlag für die Wirtschaft".

Da hat er zweifellos recht. Sollten alle Streichungen umgesetzt werden, geht das überparteiliche Budget Office des Kongresses davon aus, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr 0,6 Prozentpunkte weniger stark wächst als bisher angenommen. Der Internationale Währungsfonds erwartet 0,5 Prozentpunkte weniger Wachstum. Bisher sagte der IWF ein Plus von 2 Prozent voraus.

Abwärtsspirale droht

Dabei braucht die US-Wirtschaft dringend nennenswertes Wachstum, da sie sich bislang nur schleppend von der tiefen Rezession erholt und die Arbeitslosigkeit weiterhin hoch ist. Doch angesichts eines Schuldenbergs von mehr als 16 Billionen Dollar sehen vor allem Republikaner keine Alternative: Es muss gespart werden. Und zwar massiv. Doch sie irren sich. Je härter die Regierung jetzt spart, umso größer werden die Probleme.

Im Kern droht in der gegenwärtigen konjunkturellen Schwächephase eine Abwärtsspirale: Wenn die Regierung Ausgaben kürzt, verringert sich das Wachstum und weitere Menschen verlieren ihren Job. Damit können die Amerikaner insgesamt weniger konsumieren – was die Konjunktur weiter bremst. Zugleich sinken die Steuereinnahmen, während die Ausgaben für Arbeitslosenhilfe steigen. Um das Defizit dennoch weiter zu reduzieren, müssen die Ausgaben weiter reduziert werden – ein Teufelskreis.

Ein Blick nach Spanien oder Griechenland zeigt, dass sich in weiten Teilen der Eurozone genau diese Entwicklung vollzieht. Auch in Großbritannien ist das der Fall.

Später sparen

In den USA argumentieren Befürworter eines sofortigen Sparkurses, dass es angesichts der immensen Höhe der Staatsschulden keine Alternative gibt. Sie haben durchaus recht, wenn sie darauf verweisen, dass die die USA ein Defizit- und ein Schuldenproblem haben.

Allerdings besteht keine Notwendigkeit, dieses Problem jetzt inmitten einer schwachen Konjunktur und hoher Arbeitslosigkeit zu lösen. Die USA haben dafür noch viel Zeit, sie können sich am Finanzmarkt zu äußerst günstigen Bedingungen finanzieren – Investoren drängen dem Land ihr Geld nahezu auf. Damit kann sich die Regierung die nötigen Mittel leihen, um für Wachstum zu sorgen. Wenn die USA auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückgekehrt sind, müssen sie allerdings damit beginnen, die Schulden abzubauen. Dann, aber erst dann, ist dafür der richtige Zeitpunkt gekommen.

Quelle: ntv.de