Marktberichte

Auf Corona-Absturz folgte Rally An der Wall Street endet ein Super-Quartal

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Trotz Corona-Krise macht sich Hoffnung an der Wall Street breit.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Pandemie hat die US-Börse noch immer im Griff. Trotzdem stehen die Zeichen bei den Anlegern derzeit auf Entspannung. Das aktuelle Quartal meldet sich am letzten Tag mit einem Fanal und euphorisiert die Wall Street.

Am Dienstag ist an der Wall Street ein Quartal der Superlative zu Ende gegangen. Es war das stärkste Vierteljahr seit 1998 mit Aufschlägen von 17 Prozent im Dow-Jones-Index und von sogar 30 Prozent im Nasdaq-Composite. Die Rally folgte dem Absturz, der durch die Corona-Pandemie verursacht worden war. Dieses Thema wird die Märkte weiter dominieren. Angst vor einer weiteren Ausbreitung der Pandemie und Hoffnung auf eine rasche Erholung - abgestützt durch Stimuli - schicken die Anleger in ein Wechselbad.

Nach einem verhaltenen Start kamen heute erneut Käufer herein. Der Dow blieb hinter den anderen Indizes zurück, weil deutliche Abschläge beim Index-Schwergewicht Boeing dämpften. Dem Flugzeugbauer machen Auftragsstornierungen zu schaffen.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,9 Prozent auf 25.813 Punkte. Der S&P-500 stieg um 1,5 Prozent, für den Nasdaq-Composite ging es um 1,9 Prozent nach oben. Dabei gab es insgesamt 1961 (Montag: 2175) Kursgewinner und 1040 (832) -verlierer. Unverändert schlossen 52 (46) Titel.

Konjunktursignale bleiben zwiespältig

Die massiven Stimulierungsmaßnahmen von Fed und Staat hätten die Erholung in einem bisher nie gesehenen Tempo angetrieben, sagte Chefinvestmentstrategin Liz Ann Sonders von Charles Schwab & Co. "Es gibt aber eine wahrnehmbare Diskrepanz zwischen dem Marktgeschehen und der wirtschaftlichen Erholung. Die zweite Hälfte dürfte ziemlich wechselhaft ausfallen", vermutet Sonders. Immerhin gab es überraschend gute Konjunkturdaten aus Asien. So sind in China die Aktivitäten in der Industrie deutlicher als erwartet auf ein Dreimonatshoch gestiegen. Zudem rückte der Einkaufsmanagerindex für den verarbeitenden Sektor weiter in den expansiven Bereich vor und auch die Lage im Dienstleistungssektor hat sich verbessert.

Derweil blieben die Konjunktursignale aus den USA zwiespältig. Der Einkaufsmanager-Index Chicago für den Monat Juni wartete mit einer Enttäuschung auf. Mit 36,6 lag er klar unter den erwarteten 45. Dagegen kamen die Daten zum Verbrauchervertrauen - ebenfalls für Juni - über den Prognosen herein. Die Verbraucher spielen eine besonders wichtige Rolle für die US-Wirtschaft, da ein Großteil des Bruttoinlandsprodukts vom Privatkonsum abhängt.

Boeing von Order-Stornierung belastet

Boeing gaben 5,8 Prozent nach. Belastet wurde die Aktie von Stornierungen von Norwegian Air. Die Fluggesellschaft hat 92 Maschinen des Problemfliegers 737 Max abbestellt. Die Meldung kam vor dem Hintergrund eines ersten Testflugs für eine Neuzertifizierung der Boeing 737 Max, 15 Monate nach Inkrafttreten eines weltweiten Flugverbots aufgrund von zwei Abstürzen.

Micron rückten 4,8 Prozent vor. Der Halbleiterkonzern hat im dritten Geschäftsquartal dank steigender Nachfrage die Erwartungen der Analysten sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn übertroffen. Zudem gab der Chiphersteller einen überraschend positiven Ausblick für das abschließende Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 ab.

Die Papiere von Lululemon Athletica verteuerten sich um sechs Prozent. Der Sportartikeleinzelhändler hat die Übernahme von Mirror, einem Betreiber einer interaktiven Plattform für sportliche Aktivitäten zu Hause, angekündigt. Die Transaktion kostet Lululemon 500 Millionen Dollar. Der US-Fahrdienstvermittler Uber plant offenbar sein Geschäft um Essenlieferungen mit einem Milliardenkauf zu verstärken. Informierten Personen zufolge könnte Uber den Essenslieferdienst Postmates für rund 2,6 Milliarden US-Dollar übernehmen. Uber verbesserten sich um 4,9 Prozent.

Ölpreise leichter - Gold legt zu

Am Devisenmarkt tendierte der Dollar seitwärts. Der Euro notierte im späten Geschäft wenig verändert bei 1,1235 Dollar. Die Ölpreise gaben mit Sorgen über einen Angebotsüberhang etwas nach. Die US-Sorte WTI verlor 0,9 Prozent auf 39,36 Dollar je Barrel, Brent gab 1,4 Prozent nach auf 41,14 Dollar. Der Goldpreis nahm am Nachmittag Fahrt auf. Die stützenden Themen sind die alten: Unsicherheit, ultraniedrige Zinsen und das Fluten der Märkte mit billigem Geld lassen das Edelmetall glänzen. Der Preis für die Feinunze stieg um 0,6 Prozent auf 1781 Dollar. Das Settlement des Gold-Futures lag sogar erstmals seit 2011 über 1800 Dollar. Im abgelaufenen Quartal hat Gold rund 13 Prozent gutgemacht. Der andere sichere Hafen Anleihen war nicht gefragt. Für die Rendite zehnjähriger US-Anleihen ging es bei sinkenden Notierungen um 2,9 Basispunkte nach oben auf 0,65 Prozent.

Quelle: ntv.de, ibu/DJ