Marktberichte

Kaum Bewegung bei Dow und Dax Anleger warten auf den nächsten Höhenflug

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Dass die Fusion mit Sprint platzt, bekommt T-Mobile in den USA nicht besonders.

(Foto: dpa)

Der Tag an der Börse verläuft insgesamt unspektakulär - Dow Jones und Dax bewegen sich nur wenig. Dennoch gibt es einige Ausreißer, insbesondere eine geplatzte Fusion in den USA lässt die Kurse purzeln.

Übernahmen und Fusionen waren zu Wochenbeginn das zentrale Thema an der Wall Street. Zwar ist das geplante Zusammengehen von T-Mobile US und Sprint geplatzt, doch steht mit dem Broadcom-Gebot für Qualcomm eine neue Mega-Übernahme vor der Tür. Von Euphorie war am breiten Markt aber nichts zu spüren, auch wenn die wichtigen Indizes neue Rekorde verzeichneten. Die Agenda der US-Daten war leer, und es wurden auch keine wichtigen Unternehmenszahlen bekannt gegeben.

Dax
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Der Dax bewegte sich zum Wochenstart kaum, da Konjunkturdaten kaum Schwung in den Handel brachten. Die Märkte bewegen sich seitwärts mit großen Spannen zwischen Gewinnern und Verlieren. So notiert der Dax zum Handelsschluss nahezu unverändert bei 13.468 Punkten. Wobei der Spitzenwert RWE 1,5 Prozent gewinnt, während das Schlusslicht ProsiebenSat1 2,9 Prozent und die Deutsche Telekom 2,6 Prozent verliert. Der MDax verliert 0,1 Prozent auf 26.931 Punkte. Der TecDax hingegen kann knapp 0,6 Prozent zulegen und schließt bei 2.591 Punkten.

In den USA können Anleger mit dem bisherigen Verlauf der Bilanzsaison zufrieden sein. Speziell die Technologiebranche habe ein "herausragendes" drittes Quartal erlebt, stellte die Bank of America-Merrill Lynch (BoA-ML) fest. Nach Angaben der Bank haben von den im S&P-500 gelisteten Branchenunternehmen, die bisher Zahlen vorgelegt haben, 71 Prozent mit Umsatz und Ergebnis die Erwartungen des Marktes übertroffen. Laut BoA-ML war dies das beste Quartal für die Branche, seit die Bank im Jahr 2000 damit begann, die entsprechenden Daten auszuwerten.

Dow legt nur minimal zu

Der Dow-Jones-Index legte um 9 Punkte zu auf 23.548 Punkte. Sein neues Rekordhoch aus dem frühen Handel lag nur wenige Punkte über dem vorigen vom Freitag. Der S&P-500 schloss 0,1 Prozent höher. Der Nasdaq-Composite stieg um 0,3 Prozent. Angeführt wurde der Markt von Aktien des Energiesektors, die im Windschatten kräftig steigender Ölpreise im Schnitt 2,2 Prozent zulegten. Umgesetzt wurden 851 (Freitag: 811) Millionen Aktien. Dabei standen den 1.735 Kursgewinnern 1.235 -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 104 Titel.

Seit dem Wochenende ist der geplante Zusammenschluss von T-Mobile US und Sprint vom Tisch. Die Deutsche Telekom und der japanische Mischkonzern Softbank haben Verhandlungen über eine Fusion ihrer Mobilfunktöchter beendet, weil sie sich nicht auf Rahmenbedingungen einigen konnten.

Die Nummer drei und die Nummer vier der US-Mobilfunkkonzerne hätten auf Augenhöhe mit den beiden Platzhirschen AT&T und Verizon agieren und diesen deutlich mehr Druck machen können. In den vergangenen Tagen hatten Informanten allerdings bereits gesagt, dass die Fusion vor dem Scheitern steht.

T-Mobile US
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Nur einen Tag nach dem Abbruch der Verhandlungen mit T-Mobile US hat Sprint eine strategische Partnerschaft mit Altice USA angekündigt, dem fünftgrößten US-Kabelnetzbetreiber. Dennoch brach die Aktie von Sprint um 11,5 Prozent ein. Die Papiere von T-Mobile US gaben um 5,7 Prozent nach. Altice USA stiegen an der Nyse um 5,8 Prozent. Im Dow waren Verizon mit einem Minus von 4 Prozent größter Verlierer. Verizon hätte von einem Zusammenschluss von T-Mobile und Sprint profitiert, sagte Analystin Jennifer Fritzsche von Wells Fargo. Sie vermutete, dass die Fusion mit einer langen Integrationsphase (und möglicherweise auch mit Verwerfungen) einhergegangen wäre, die Verizon sehr zupassgekommen wäre.

Broadcom will Qualcomm übernehmen

Der Chiphersteller Broadcom macht ernst mit der Übernahme des Konkurrenten Qualcomm, nachdem am Freitag entsprechende Spekulationen die Kurse an der Wall Street schon angetrieben hatten. Nun hat Broadcom ein Übernahmeangebot in bar und Aktien für Qualcomm unterbreitet. Das Transaktionsvolumen läge bei 130 Milliarden Dollar inklusive Schulden. Broadcom bietet 70 Dollar je Qualcomm-Aktie, davon 60 Dollar in bar und 10 Dollar in Aktien. Das entspricht einer Prämie von 28 Prozent auf den Qualcomm-Schlusskurs vom Freitag. Der Vorschlag gelte, wenn die laufende Übernahme von NXP durch Qualcomm zum Preis von 110 Dollar je Aktie abgeschlossen oder die Transaktion abgeblasen wird. Die Aktie von Qualcomm legte um 1,2 Prozent zu, nachdem es am Freitag im Zuge der aufgekommenen Spekulationen bereits um knapp 13 Prozent nach oben gegangen war. Broadcom stiegen um 1,4 Prozent, zum Wochenausklang hatten sie ein Plus von gut 5 Prozent verbucht.

Qualcomm
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Zudem soll Marvell Technology laut informierten Personen für Cavium bieten. Der Zusammenschluss würde einen Chiphersteller mit einem Marktvolumen von rund 14 Milliarden Dollar schaffen. Die Marvell-Aktie legte um 9,1 Prozent zu, die Cavium-Aktie schoss um 12 Prozent nach oben.

Auch in der Unterhaltungsbranche kursierten Übernahmespekulationen. Laut einer informierten Person hat 21st Century Fox kürzlich über den Verkauf großer Teile des Unternehmens an Walt Disney verhandelt. Disney hätte dadurch die eigene Dominanz im Hollywood ausbauen wollen, während Fox sich auf Sport und Nachrichten hätte konzentrieren können. Laut dem Informanten sind die Gespräche derzeit aber nicht mehr aktuell. Trotzdem rückte die Aktie von 21st Century Fox um 9,9 Prozent vor, Disney gewannen 2 Prozent.

Advanced Micro Devices (AMD) profitierten mit einem Anstieg um 7,3 Prozent von der Kooperation mit Intel, die das Unternehmen am Montag offiziell bestätigt hat. Die beiden Unternehmen wollen ihre Kräfte bündeln und gemeinsam Nvidia Paroli bieten. Intel stiegen um 0,8 Prozent. Nvidia schlossen 0,5 Prozent höher.

Verhaftungen in Saudi-Arabien treiben Ölpreise

Daneben waren die Blicke mit den Entwicklungen in Saudi-Arabien auf den Ölmarkt gerichtet. Hier bauten die Preise ihre am Freitag erzielten Aufschläge kräftig aus. Kronprinz Muhammad Bin Salman hat seine Macht gefestigt, indem er zahlreiche Gegner wegen Korruptionsvorwürfen verhaften ließ. "Der Kronprinz gilt als Anhänger weiterer Förderkürzungen", so ein Händler. Dies untermauert die bestehenden Hoffnungen auf eine Ausweitung der Fördermengenbegrenzung. Ein Barrel der US-Sorte WTI verteuerte sich um 3,1 Prozent auf 57,35 Dollar. Brent legte um 3,5 Prozent auf 64,27 Dollar zu.

Der Goldpreis erholte sich zu Wochenbeginn, nachdem er am Freitag noch in die Nähe eines Dreimonatstiefs gefallen war. Politische Risiken rückten wieder in den Vordergrund, nachdem US-Präsident Trump während seines Besuchs in Japan das Land dazu gedrängt hatte, mehr US-Waffen zu kaufen, um nordkoreanische Raketenangriffe abwehren zu können. Am Wochenende war überdies bekannt geworden, dass jemenitische Rebellen eine Rakete in Richtung der saudi-arabischen Hauptstadt Riad abgefeuert hatten, die allerdings abgeschossen wurde, ehe sie ihr Ziel erreichte. Und nicht zuletzt trieben der drohende Zahlungsausfall Venezuelas und die Katalonien-Krise die Anleger in das vermeintlich sichere Gold.

Marktteilnehmer nannten aber auch die Ölpreis-Rally als Kurstreiber am Goldmarkt. Denn diese habe Erwartungen geweckt, dass die Inflation steigen werde. Davon könnte Gold, das häufig als Inflationsschutz gekauft wird, profitieren. Der Preis für die Feinunze stieg um 0,9 Prozent auf 1.282 Dollar.

Der Anleihemarkt verbuchte ebenfalls etwas Zulauf. Die Rendite zehnjähriger Papiere reduzierte sich um einen Basispunkt auf 2,32 Prozent. Außer den diversen politischen Risiken habe auch die Nominierung von Jerome Powell als Nachfolger von Fed-Chefin Janet Yellen die Investoren an den Anleihemarkt zurückkommen lassen. Er gelte als der Kandidat, dem eine aggressive Straffung der Geldpolitik am wenigsten zugetraut werde. Zinserhöhungen sind negativ für den Anleihemarkt. Die Notierungen der umlaufenden Schuldtitel sinken in der Regel mit der Aussicht auf neue, höher verzinste Anleihen.

Der Euro tendierte um die Marke von 1,16 Dollar seitwärts. Nach Einschätzung der Devisenexperten der Societe Generale könnte die Gemeinschaftswährung im Laufe der Woche noch auf 1,15 Dollar zurückfallen. Hintergrund seien dollarpositive Faktoren wie die Aussicht auf eine US-Steuerreform. Der Impuls sei stärker einzuschätzen als gleichzeitige europositive Impulse wie das Treffen der Euro-Finanzminister am Montag mit der Diskussion um den europäischen Bankensektor. Im späten US-Handel ging der Euro mit etwa 1,1610 Dollar um.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ/mbo