Marktberichte

Mitnahmeeffekte an Wall Street Das Impf-Hoch an der Börse lässt nach

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Corona bleibt die Kompassnadel der US-Börse.

(Foto: REUTERS)

Die Meldung eines nahenden Impfmittels hat die Hoffnungen der Anleger in der Corona-Krise beflügelt. Am Tag zwei nach der Erfolgsmeldung von Biontech lässt die Aufregung ein wenig nach. Lockdown-Profiteure wie Online-Händler und Gold bleiben unter Druck.

Nach dem Kursfeuerwerk zum Wochenbeginn haben es Aktienanleger ruhiger angehen lassen und teilweise Gewinne mitgenommen. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss am Dienstag 0,9 Prozent höher auf 29.420 Punkten, nachdem er zum Wochenauftakt den größten Tagesgewinn seit einem knappen halben Jahr verbucht hatte.

S&P 500 Index, Ind.
S&P 500 Index, Ind. 3.778,39

Der technologielastige Nasdaq gab dagegen 1,4 Prozent auf 11.553 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,1 Prozent auf 3545 Punkte ein.

Lockdown-Profiteure unter Druck

Unter Verkaufsdruck standen erneut die Profiteure der Pandemie-bedingten Beschränkungen der vergangenen Monate. Die Aktien des Online-Händlers Amazon oder des Videokonferenzen-Anbieters Zoom büßten bis zu knapp neun Prozent ein.

Im Vergleich zum Jahreswechsel lagen die Papiere aber immer noch etwa 70 und 500 Prozent im Plus. Der aktuelle Kursabschwung könnte länger andauern, prognostizierte Art Hogan, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters National Securities. Die Annahme basiere "auf der Tatsache, dass wir Hinweise darauf haben, dass sich die Lage verbessert".

Am Montag hatten die Mainzer Firma Biontech und ihr US-Partners Pfizer mit ermutigenden Test-Ergebnissen Hoffnungen auf die rasche Zulassung ihres Coronavirus-Impfstoffs geschürt und an den Börsen weltweit ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Während einige Pfizer-Anleger Kasse machten, bauten Biontech ihre Gewinne aus und stiegen um mehr als sieben Prozent.

Weitere Pharma-Riesen im Plus

Eli Lilly
Eli Lilly 158,04

Parallel dazu zogen die Titel von Curevac um über zwölf Prozent an, nachdem die Tübinger Firma detaillierte Ergebnisse einer klinischen Studie für ihren Corona-Impfstoff vorgelegt hatte. Gefragt waren auch die Papiere des Pharmakonzerns Eli Lilly, die sich um fast drei Prozent verteuerten. Die US-Gesundheitsbehörde erteilte einem Mittel für die Behandlung von Corona-Patienten eine Notfall-Zulassung. Dies schmälere die Erfolgsaussichten des Medikamenten-Kandidaten von Regeneron, kommentierten die Analysten des Brokerhauses SVB Leerink. Die Aktien des Eli Lilly-Rivalen fielen um 1,5 Prozent.

Die Ergebnisse der Wirksamkeitstests seien zwar willkommene Nachrichten, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. "Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer." Auch die Analysten der ING Bank mahnten zur Besonnenheit. Die Zulassung des Wirkstoffs sei noch nicht in trockenen Tüchern. Außerdem werde es eine ganze Weile dauern, bis Verbraucher sich ausreichend sicher fühlen, um ihre Gewohnheiten wiederaufzunehmen.

Öl gewinnt, Gold erholt sich

Gold in USD
Gold in USD 1.837,40

Am Ölmarkt blieben die Optimisten dennoch in der Überzahl. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um zwei Prozent auf 41,09 Dollar je Barrel. "Ein brauchbarer Impfstoff ist ein Wendepunkt für Öl - einen Markt, dessen Nachfrage zur Hälfte durch den Transport von Menschen und Gütern bestimmt wird", konstatierten die Analysten der Bank JPMorgan.

Gleichzeitig erholte sich Gold etwas von seinem jüngsten Kursrutsch. "Offenbar haben Anleger realisiert, dass die Notenbanken weiter Geld drucken werden und die Virus-Krise noch nicht überwunden ist", sagte Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses ActivTrades. Das auch als Inflationsschutz dienende Edelmetall verteuerte sich um ein Prozent auf 1880 Dollar je Feinunze.

Am Aktienmarkt setzten die Titel von Boeing ihren Höhenflug fort und verteuerten sich um gut fünf Prozent. Einem Insider zufolge könnten die nach mehreren Abstürzen rund ein Jahr lang mit Flugverbot belegten Maschinen des Typs 737 MAX bereits kommende Woche wieder starten.

Quelle: ntv.de, shu/rts