Marktberichte

Wall Street bleibt optimistisch Dax-Bullen wollen die Jahresendrally

Die US-Zinswende kommt, aber langsam. Und genau das wollten die Anleger am deutschen Aktienmarkt hören, denn die Kurse klettern erneut deutlich. Charttechnisch ist nun erneut Luft nach oben. Auch die Grundstimmung an der Wall Street bleibt gut.

Der Kommentar von n-tv-Börsenexperte Frank Meyer beschreibt die Situation am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag perfekt: "Es geht wieder aufwärts." Wer auf fallende Kurse gesetzt habe, gerate nun langsam aber sicher in Zugzwang, unterstrich er. Voraussetzung dafür waren klärende Aussagen zur US-Zinswende. Die nötigen Informationen lieferten die veröffentlichten Protokolle der US-Notenbank Fed. Die will zwar im Dezember die Zinsen erhöhen, meint aber auch, dass in der Folge die Leitzinsen deutlich niedriger bleiben dürften als in vergangenen Zinserhöhungszyklen.

Es werde die erste Erhöhung seit der Finanzkrise sein und dementsprechend "symbolisch klein" ausfallen, kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Deshalb dürfte sie "dem Markt nicht weh tun, sondern ihm vielmehr Sicherheit verleihen."

Der Dax spring derart gepusht problemlos über die psychologisch wichtige 11.000er Marke. Sein Tageshoch markierte der Leitindex bei 11.151 Punkten. Aus dem Handel verabschiedete er sich mit einem Aufschlag von 1,1 Prozent und 11.085 Zählern. Der MDax zog 0,6 Prozent auf 21.270 Stellen an, der TecDax 0,4 Prozent auf 1827 Punkte.

Charttechnisch interessant

Der Leitindex befindet sich nun in einer charttechnisch spannenden Situation. Bei 11.069 Punkten liegt die 200-Tage-Linie, etwa in diesem Bereich verläuft auch der Abwärtstrend, der vom März-Rekord herunterläuft. Eine erfolgreiche nachhaltige Attacke könnte den Leitindex schnell an den Gap-Widerstand bei 11.154 bis 11.279 Punkten führen, wie Chartanalysten sagten. Darüber hinaus gelte die 11.800er Marke als mögliches Ziel für den nun vermutlich gestarteten zweiten Teil der Jahresendrally.

Nun blicken die Anleger bereits voraus: Denn der am Freitag anstehende Optionsverfall könnte für zusätzliche Aufwärtsdynamik am deutschen Markt sorgen. Bei 11.000 Punkten sind viele Call-Positionen offen. Die Verkäufer der Optionen, die nicht mit einem Anstieg über 11.000 hinaus gerechnet hatten, müssen diese Positionen nun anpassen. "Die Bären bekommen ein Problem", sagte ein Händler. Der Kursanstieg könnte erst einmal zum Selbstläufer werden.

Dax: ThyssenKrupp beschließt Dax-Berichtssaison

Unter den Einzelwerten gewannen die Papiere von Thyssenkrupp etwa 2,5 Prozent. Der Industrie- und Stahlkonzern hatte seine Jahresbilanz vorgelegt und einen Ausblick auf sein angelaufenes erstes Geschäftsquartal gegeben. Größere Überraschungen habe es keine gegeben, sagte etwa Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank, während mehrere Händler sich eher enttäuscht äußerten.

Die Titel der Deutschen Telekom verbesserten sich nur marginal um 0,1 Prozent. Dass Sprint, Konkurrent der US-Tochter T-Mobile US, in den USA einen neuen Preiskampf starten will, schien die Anleger ein wenig zu beeindrucken. Sprint will nur noch die Hälfte des bisherigen Preises für den bestehenden Datenplan bezahlen. "Das schlägt natürlich voll in das beginnende Weihnachtsgeschäft rein und kann für eine längerfristige Umorientierung der Kundenströme sorgen", so die Einschätzung eines Händlers. Hauseigene Sprint-Kunden sollen dabei mit einem kostenlosen Tablet und einem Jahr freier Daten bei Laune gehalten werden.

VW ist am Zug

Im Fokus standen darüber hinaus auch Volkswagen-Titel. Der Konzern muss bis Freitag Details an die kalifornische Umweltbehörde liefern, wie er den Rückruf der  rund 500.000 vom Abgasskandal betroffenen Diesel in den USA gestalten will. Andernfalls drohten "drakonische" Strafen. Die Anleger blieben zuversichtlich, der Aktienkurs kletterte um etwa 4 Prozent

Dass SAP-Konkurrent Salesforce seine Jahresumsatzprognose nach einem erfolgreichen Quartal anhob, sorgte auch für positive Stimmung unter den SAP-Anlegern. Die Anteilsscheine rückten um etwa 1 Prozent vor. Deutlicher nach oben ging es für Eon und Lufthansa. Eon gewannen mehr als 2 Prozent - Händler verwiesen auf eine positive Studie der Bank Main First. Konkurrent RWE erzielte einen Kursaufschlag von 1,7 Prozent. Lufthansa zogen sogar rund 3,5 Prozent an.

MDax: Zu süß?

Die Aktien von Südzucker legten im MDax eine Berg- und Talfahrt hin. Einerseits hatte der Zuckerhersteller seine Jahresprognose für 2015/16 angehoben und auch die Tochter Cropenergies hob ihre Prognose an. Andererseits bereitete dem Unternehmen der rückläufige Preis für Bioethanol in Europa Sorge. Die Papiere gaben mehr als 5 Prozent nach.

TecDax: Weichenstellung bei Dialog

Dialog Semiconductor drehten im Handelsverlauf ins Minus, schlossen rund 1,5 Prozent leichter. Und das am wichtigen Tag der außerordentlichen Hauptversammlung zur angestrebten Atmel-Übernahme. "Der Tenor am Markt geht mittlerweile dahin, dass es zu einer Zustimmung kommt", sagte ein Händler. Die Entscheidung sollte erst nach Börsenschluss fallen.

USA: "Kleiner" Kater nach der Fed-Feier

Ohne große Veränderung präsentierte sich der Wall-Street-Handel. Der Dow-Jones-Index verlor 4 Punkte auf 17.733. Der S&P-500 fiel um 0,1 Prozent auf 2.081 Punkte. Der Nasdaq-Composite gab 2 Punkte ab auf 5.074.

Händler verwiesen dennoch auf eine gute Grundstimmung wegen der US-Notenbank Fed. Diese dürfte zwar im Dezember die Zinsen erstmals seit fast zehn Jahren anheben, danach aber wohl nur zurückhaltend agieren. Die Mini-Zinsen gelten als einer der Haupttreiber der Aktienmärkte. Mit der relativen Gewissheit über die anstehende Erhöhung noch im laufenden Jahr dürften die anstehenden Konjunkturdaten wieder klassisch als Konjunkturindikator abgeklopft werden. Die Lage der US-Industrie in der Region Philadelphia hatte sich jüngst spürbar aufgehellt. Der überraschend früh veröffentlichte Philadelphia-Fed-Index verbesserte sich im November auf Monatssicht deutlich und schlug die Erwartungen klar. Die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten lieferten dagegen kaum Erhellendes.

Aussagen von Intel verbesserten die Stimmung auch am Gesamtmarkt. Der Technologiekonzern hat die Dividende erhöht. Die Intel-Aktie führte den Dow mit einem Plus von 3,4 Prozent an. Salesforce stiegen um 4,2 Prozent, nachdem der SAP-Konkurrent seine Prognose für das Gesamtjahr nach einem Umsatzsprung von 24 Prozent im dritten Quartal angehoben hat. KaloBios Pharmaceuticals sprangen um sagenhafte 398 Prozent nach oben. Der CEO von Turing Pharmaceuticals, Martin Shkreli, hat die Mehrheit an dem angeschlagenen Konzern übernommen. Börsengänge verliefen erfolgreich. Die neu gelistete Aktie des Datingseiten-Betreibers Match Group schloss um knapp 23 Prozent über dem Emissionspreis. Noch besser lief das IPO des Mobil-Bezahldienstleisters Square von Twitter-Chef Jack Dorsey. Die Aktie sprang um 45 Prozent gegenüber dem Ausgabekurs nach oben.

Devisen: Euro kurz über 1,07

Der Euro erholte sich etwas von seiner Talfahrt der vergangenen Handelstage. Die Gemeinschaftswährung stieg bis auf Notierungen um 1,0735 Dollar, nachdem sie am Vortag noch bis auf 1,0617 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit April gefallen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,0687 festgelegt nach 1,0666 Dollar am Mittwoch. Der Dollar kostete damit 0,9357 Euro.

Gründe für die Euro-Erholung waren ein spürbar schwächerer Dollar nach der Veröffentlichung des Protokolls zur jüngsten Fed-Zinssitzun - und: Die EZB steuert auf eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik zu. Aus dem am frühen Nachmittag veröffentlichten Protokoll der letzten Zinssitzung des EZB-Rates geht hervor, dass die EZB ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent auf Dauer verfehlen könnte. Wegen der schleppenden konjunkturellen Erholung sehen einige EZB-Ratsmitglieder das Risiko einer Deflation, also die Gefahr dauerhaft und auf breiter Front fallender Verbraucherpreise. Dies könnte eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik erforderlich machen.

Asien: Gewinne auf breiter Front

Die japanische Zentralbank verzichtete trotz Rezession und schwächelnder Exporte auf neue Konjunkturhilfen. Der Kauf von Anleihen und anderen Wertpapieren werde im Volumen von 80 Billionen Yen (etwa 607 Milliarden Euro) pro Jahr fortgesetzt und der Leitzins bei null Prozent belassen, teilte sie mit. Grund dafür war die erwartete Belebung der nach den USA und China drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. "Die Exporte bewegen sich zwar derzeit seitwärts, dürften sich aber moderat erholen", sagte Notenbankchef Haruhiko Kuroda.

Der Nikkei-Index legte 1,1 Prozent auf 19.860 Stellen zu. Auch in China kletterten die Kurse. Der Shanghai Composite verbesserte sich um 1,4 Prozent auf 3617 Zähler. Der Hongkonger Hangseng zog ebenfalls mehr als 1 Prozent an. Und auch Sydney meldete Aufschläge: Der S&P/ASX 200 verbesserte sich um 1 ,1 Prozent.

Rohstoffe: Luft bei Öl schon wieder raus

Die Talfahrt der Ölpreise hielt indes an. Händler sahen keine nachhaltige Erholung am Ölmarkt. Nach den Zwischenerholungen habe sich der Preisverfall stets fortgesetzt. Ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 0,5 Prozent auf 40,54 US-Dollar. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent lag allerdings leicht im Plus. Der Preis für ein Barrel bewegte sich um 44,26 Dollar.

Die Internationale Energie-Agentur sieht die Ölnachfrage im laufenden Jahr dank der gesunkenen Preise auf ein Fünfjahreshoch klettern, im kommenden Jahr werde das Wachstum aber deutlich verhaltener ausfallen. Der Anstieg dürfte nicht hoch genug sein, um beim Ölpreis eine Trendwende einzuläuten.

Eine ähnliche Entwicklung wie beim Öl ließ sich auch am Goldmarkt beobachten. Nach einem Fünfeinhalbjahrestief erholte sich der Goldpreis etwas, kam aber von seinen Tageshochs wieder zurück. Eine Feinunze kostete mit 1080 Dollar wieder etwas mehr als noch zur Wochenmitte. Dollarstärke und die Aussicht auf bald steigende US-Zinsen setzten dem Edelmetall übergeordnet zu. Die Zwischenerholung sei daher ausschließlich auf das Konto von Leerverkäufern gegangen, hieß es im Handel.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa

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