Wirtschaft
Nix war es mit einem neuen Allzeithoch für den Dax zum Wochenstart. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.
Nix war es mit einem neuen Allzeithoch für den Dax zum Wochenstart. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 03. April 2017

Wall Street mit Mini-Verlusten: Dax knickt nach Rekord-Versuch ein

Der Dax muss den Sprung auf ein neues Allzeithoch verschieben. Nach einem starken Start lässt die Euphorie immer mehr nach. Trotz positiver Konjunkturdaten rutscht der Dax schließlich ins Minus - und folgt damit den US-Börsen.

Nachdem die gute Stimmung in den europäischen Unternehmen zu Wochenbeginn die Anleger zunächst an die Aktienmärkte gelockt hatte, ließ die Euphorie am späten Nachmittag wieder nach. Während der Dax gleich zu Handelsbeginn bis auf etwa 15 Punkte an sein Rekordhoch von 12.390 Zählern aus dem April 2015 herangeprescht war, rutschte er mit den schwachen US-Börsen ins Minus und verlor am Ende 0,5 Prozent auf 12.257 Punkte.

Der MDax schloss am Ende nahezu unverändert auf 23.897 Punkten, nachdem er bereits zum Handelsstart ein Allzeithoch markiert hatte. Der TecDax büßte 0,6 Prozent ein und sank auf 2035 Punkte. Für den Euro-Stoxx-50 ging es 0,7 Prozent nach unten auf 3476 Punkte.

Für viele Marktteilnehmer ist es dennoch nur eine Frage der Zeit, wann der Dax auf ein neues Rekordhoch steigt. Für die Charttechniker würde dies ein neues Kaufsignal auslösen. Damit könnte die Party am deutschen Aktienmarkt noch ein wenig weiter laufen. "Die Märkte preisen eine anziehende Konjunktur in den USA und in Europa ein. Der exportorientierte Dax ist dafür prädestiniert", sagte ein Händler.

Konjunkturdaten im Fokus

Das Barometer für die Stimmung der Einkaufsmanager aus der deutschen Industrie stieg im März auf den höchsten Stand seit April 2011. In Schweden erreichte er sogar den besten Wert seit etwa sieben Jahren. Auch in Italien, Frankreich oder der Schweiz legten die Einkaufsmanager-Indizes zu.

Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader warnte allerdings vor übertriebenem Kursoptimismus am Aktienmarkt. "Es besteht das Risiko, dass einige Investoren bei Erreichen des Allzeithochs erst einmal Kasse machen. Außerdem fehlt es an den US-Börsen an Schwung, da man dort auf die Steuerreform von Donald Trump wartet. Die Geduld der Anleger dürfte bald zu Ende sein, sollte Trump nicht liefern."

Nach dem überparteilichen Widerstand gegen die Gesundheitsreform bezweifeln Börsianer, dass der neue US-Präsident sein Konjunkturprogramm wie geplant umsetzen kann. Ohne diesen Zusatzschub für die weltgrößte Volkswirtschaft schwänden auch die Aussichten auf rasche Zinserhöhungen der Notenbank Fed. Dies setzte die Finanzwerte unter Druck.

Dax: Deutsche Bank ist Schlusslicht

Spitzenreiter im Dax waren die Deutsche-Börse-Aktien mit einem Aufschlag von 1,0 Prozent. Thyssenkrupp und Linde stiegen um 1,0 bis 0,8 Prozent.

Schlusslicht im Dax waren Deutsche Bank mit einem Minus von 2,8 Prozent. "Nachrichtliche Gründe gibt es aber nicht", sagte ein Händler. Grund für das Minus bei der Deutschen Bank sei Arbitrage zwischen Aktie und Bezugsrecht. Der börsliche Handel der Rechte im regulierten Markt endet am Dienstagabend. "Bis dahin muss man sich auf Sonderbewegungen zwischen den beiden Titeln einstellen", so der Händler weiter. Am Erfolg der Kapitalerhöhung gebe es keine Zweifel. Dies zeige sich daran, dass es keinen separaten Verkaufsdruck auf die Bezugsrechte gegeben habe.

TecDax: Sartorius rutschen nach Rekordhoch ab

Die Aktien des Laborausrüsters Sartorius hatten im frühen Handel zunächst bei 82,93 Euro ein Rekordhoch markiert, anschließend haben jedoch Gewinnmitnahmen eingesetzt. "Der Kurs ist kurzfristig ausgereizt", sagte ein Händler.

Die Prognose, dass die bereinigte Ebitda-Marge etwas stärker als um die zuvor in Aussicht gestellten 50 Basispunkte steigen soll, enttäusche zwar nicht, berge aber auch keine neue Fantasie. Denn die meisten Analysten rechneten mit einer Ebitda-Marge von knapp 26 Prozent nach 25 Prozent im vergangenen Jahr. Am Ende gingen Sartorius mit minus 3,0 Prozent aus dem Handel.

USA: Leichte Kursverluste an der Wall Street

An der New Yorker Wall Street gaben die Indizes zum Wochenauftakt leicht nach. Die Anleger hielten sich vor Beginn der Bilanzsaison zurück. Der Markt wolle prüfen, ob die Gewinne der Firmen die hohen Kurse rechtfertigten, sagten Händler. Zuletzt hingen die führenden Börsenbarometer unter ihren Höchstständen fest, da US-Präsident Donald Trump Einzelheiten zu seinen Plänen zur Ankurbelung der Konjunktur noch schuldig blieb.

Auch der US-Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Donnerstag und Freitag warf seine Schatten voraus und hielt die Investoren in der Deckung. Trump hatte zuletzt von einem schwierigen Treffen wegen Differenzen in Handelsfragen gesprochen.

Außerdem würden europäische Aktien derzeit von vielen Anlegern den US-Titeln vorgezogen, sagten Börsianer. Weltweite Fonds verkauften US-Aktien, um das freigewordene Kapital in relativ günstig bewertete europäische Titel zu stecken, sagte CMC-Markets-Analyst Jochen Stanzl. Denn die politische Lage helle sich in Europa etwas auf und das Gewinnwachstum stimme.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab um 0,1 Prozent nach und schloss bei 20.650 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,2 Prozent auf 2359 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,3 Prozent auf 5895 Punkte.

Bei den Einzelwerten ragten Tesla mit einem Aufschlag von 6,9 Prozent heraus. Der Elektroauto-Pionier nimmt mit Quartalsrekorden bei Produktion und Auslieferung seiner Luxus-Fahrzeuge Kurs auf den für 2017 geplanten Einstieg in den Massenmarkt.

Lange Gesichter dagegen bei Ford: Die Aktien verloren 1,9 Prozent. Der US-Absatz des Autobauers war im März um sieben Prozent gefallen. Beim Rivalen General Motors ging es sogar um 3,2 Prozent bergab, obwohl der US-Absatz um zwei Prozent zulegte. Fiat-Chrysler-Papiere brachen um 4,7 Prozent nach einem deutlichen Absatzrückgang ein.

Devisen: Leichte Gegenbewegung beim Eurokurs

Der Euro hat sich unter dem Strich nur wenig bewegt. Am späten Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,0674 US-Dollar und damit etwas mehr als am Freitag. Im Tagesverlauf pendelte der Euro zwischen moderaten Gewinnen und Verlusten. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0661 Dollar fest.

Unter Druck standen zum Wochenstart das britische Pfund und der südafrikanische Rand. In Großbritannien enttäuschte die Industriestimmung, sie trübte sich das dritte Mal in Folge ein. Der südafrikanische Rand wurde durch Marktgerüchte über eine bevorstehende Abstufung durch eine große Ratingagentur belastet. Hintergrund ist die Entlassung des international angesehenen Finanzministers Pravin Gordhan durch Präsident Jacob Zuma in der vergangenen Woche.

Rohstoffe: Ölpreise im Abwärtstrend

Die Ölpreise gaben zu US-Handelsschluss nach. Ein Barrel Brent zur Lieferung im Juni kostete 53,13 US-Dollar. Das waren 40 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI zur Auslieferung im Mai fiel um 33 Cent auf 50,74 Dollar.

Die Zahl der Ölbohrlöcher in den USA belasteten die Preise zum Wochenauftakt. Wie die Ausrüsterfirma Baker Hughes am Freitagabend mitgeteilt hatte, stieg die Zahl der genutzten Bohrlöcher in der vergangenen Woche um zehn auf 662. Dies ist der höchste Stand seit September 2015. Trotz der steigenden Ölproduktion in den USA zeigte sich der Generalsekretär der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), Mohammed Barkindo, nicht besorgt über ein zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt. Barkindo sagte am Sonntag, dass er vielmehr "vorsichtig optimistisch" sei, dass am Ölmarkt Angebot und Nachfrage ein Gleichgewicht finden würden.

Asien: Japans Wirtschaft treibt Börsen an

Die Aktienmärkte in Fernost sind mit leichten Kursgewinnen in die neue Woche gestartet. Die Anleger blickten vor allem auf die Tankan-Umfrage der japanischen Notenbank, die auf einen Stimmungsaufschwung in der heimischen Industrie hindeutet. Die japanische Wirtschaft belebt sich, wofür vor allem das Exportgeschäft verantwortlich ist. Allerdings trieb die Investoren gerade mit Blick auf die Ausfuhren auch die Sorge um die künftige Handelspolitik der USA um.

Der Nikkei-Index schloss 0,4 Prozent im Plus auf 18.983 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans kletterte 0,3 Prozent nach oben. Die Börse in Hongkong legte 0,4 Prozent zu. Die Aktienmärkte in Shanghai und Taiwan blieben wegen eines Feiertags geschlossen.

Im Mittelpunkt des Handels an der Tokioter Börse standen die Aktien des japanischen Industriekonzerns Toshiba. Sie schlossen fast sechs Prozent schwächer. Insidern zufolge könnte sich die Veröffentlichung der Jahresbilanz 2016 ein weiteres Mal verzögern, weil Wirtschaftsprüfer noch Fragen haben. Ein Konzernsprecher sagte allerdings, Toshiba bereite sich auf die Veröffentlichung wie geplant am 11. April vor. Toshiba muss seine Kraftwerks-Tochter Westinghouse in die Insolvenz schicken und seine hochprofitable Halbleitersparte verkaufen.

Quelle: n-tv.de