Marktberichte

Banken, Zinsen und Spanien Dax mutig erwartet

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(Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem Tag der deutschen Einheit verströmt der Frankfurter Aktienmarkt vorsichtige Zuversicht: Beobachter rechnen mit einem leichten Aufwärtstrend zum Handelsstart. Im MDax zieht Gerresheimer Aufmerksamkeit auf sich. Die Futures ziehen an. Charttechniker sehen Anlass zu größeren Hoffnungen.

Der Dax wird nach Einschätzung von Banken und Brokern zum Handelsstart leichte Kursgewinne verbuchen. Am Vortag hatte der Leitindex 0,2 Prozent höher bei 7322 Punkten geschlossen.

Die Dax-Futures unternahmen zu Handelsbeginn Beobachtern zufolge einen neuen Angriffsversuch auf den Bereich um 7350 Punkten. Der Dezember-Kontrakt des Dax-Futures stieg gegen 8.20 Uhr um 30 Zähler auf 7352,5 Punkte. Das Tageshoch liegt bislang bei 7358 und das Tagestief bei 7346,5 Punkten. Umgesetzt wurden rund 1800 Kontrakte. Sollte ein nachhaltiger Ausbruch über den Widerstandsbereich von 7350 gelingen, ergäbe sich in der Logik der Charttechniker Potenzial für einen Vorstoß bis auf 7400 Zähler. Damit rücke auch das bisherige Jahreshoch bei 7483 Punkten wieder in Reichweite, hieß es.

Im Mittelpunkt des Börsengeschehens wird am Donnerstag jedoch wohl die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana stehen. Allerdings erwarten Analysten weder eine Änderung des derzeitigen Leitzinses von 0,75 Prozent noch andere wichtige Entscheidungen. Um 14.30 Uhr wird EZB-Präsident Mario Draghi wie üblich der Presse Rede und Antwort stehen.

Bei den Einzelwerten dürften nach der Bekanntgabe der Stresstestergebnisse die großen Namen der Branche im Vordergrund stehen.

Daneben bleibt die Lage Spaniens im Fokus der Investoren: Auch wenn sich die Regierung in Madrid noch sträubt, einen in Brüssel zu stellen, so ist dies nach Überzeugung vieler Marktteilnehmer letztlich nur noch eine Frage der Zeit. "Die Frage ist, wer bewegt sich zuerst, Spanien oder die EZB", brachte es ein Händler auf den Punkt.

Auf der einen Seite will Spanien so wenig Auflagen wie nur möglich im Gegenzug für die finanziellen Hilfen in Kauf nehmen. Auf der anderen Seite darf die EZB nicht den Eindruck aufkommen lassen, dass es Unterstützung umsonst gibt, weil damit der Druck auf Anstrengungen zu Einsparungen nachlassen würde. Letztlich dürften die Finanzmärkte darüber entscheiden, wann Spanien unter den Rettungsschirm schlüpft.

Vor diesem Hintergrund kommt der am Vormittag anstehenden Auktion länger laufender spanischer Anleihen erhöhte Aufmerksamkeit zu. Angeboten werden Papiere mit zwei, drei und fünf Jahren Laufzeit im Volumen von bis zu vier Milliarden Euro. Vor allem die Aufnahmebereitschaft der 2017 fälligen Titel ist für die Investoren von Interesse, da sie nicht unter das Anleihenkaufprogramm der EZB fallen.

Am deutschen Aktienmarkt sorgt unterdessen weiter die Deutsche Telekom mit der geplanten Fusion der Tochter mit MetroPCS für Gesprächsstoff. Telekom-Chef Obermann hat sich in einem Interview nicht darauf festlegen lassen, ob T-Mobile USA auf lange Sicht bei dem Dax-Konzern bleibt. Der vereinbarte Zusammenschluss mit MetroPCS würde T-Mobile zu einer börsennotierten Gesellschaft machen, was der Telekom mehr Möglichkeiten geben könnte, ihr Engagement zu reduzieren. Unterdessen haben die Analysten der Deutschen Bank auf die neuen Pläne mit einer Hochstufung der T-Aktie auf "Buy" reagiert. Vorbörslich gewinnt die Telekom-Aktie rund 1 Prozent.

Der kurzfristige Kursrutsch beim Ölpreis könnte nach Einschätzung von Händlern den Luftfahrtsektor stützen. Nach Angaben der US-Energiebehörden ist die Produktion des Schwarzen Goldes auf den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren gestiegen. Zugleich lasten aber die anhaltenden Konjunktursorgen in Europa und in Asien auf dem Ölpreis. "Für die Airlines sind nachgebende Preise natürlich erst einmal eine gute Nachricht", sagte ein Händler. Zumindest solange, bis die Schwäche der Weltwirtschaft sich nicht in einem Rückgang der Buchungen und des Frachtaufkommens bemerkbar mache. Am Morgen zogen allerdings sowohl die Notierungen für US-Öl als auch für Rohöl aus der Nordsee .

Abgesehen davon mussten sich Analysten mit Zahlen aus der zweiten Reihe befassen: Die Aktien des Verpackungsherstellers Gerresheimer sind nach der Vorlage von Quartalsergebnissen unter Druck geraten. Die Papiere lagen am Morgen bei Lang & Schwarz 2,4 Prozent im Minus. Das Unternehmen hatte bei Umsatz, Konzernergebnis und operativem Ergebnis für das dritte Quartal die Analystenerwartungen verfehlt. "Die Zahlen lagen unter den Prognosen. Da hilft es auch nicht mehr viel, dass Gerresheimer seine Prognose für 2012 bestätigt hat", sagte ein Händler.

Am Vorabend hatten sich die US-Börsen nach Handelsschluss in Europa nur noch wenig bewegt. Der Dow Jones schloss 0,1 Prozent höher, der S&P 500 gewann 0,4 Prozent und der Nasdaq-Composite 0,5 Prozent.

Ein Schlag ins Kontor der Börsianer an der Wall Street war am Mittwoch die enttäuschende Gewinnprognose von . Daraufhin brachen die Aktien des US-Computerkonzerns um 13 Prozent ein. Mit größeren Auswirkungen auf den deutschen Aktienhandel rechneten Beobachter nach dem HP-Ausblick nicht. "Die Gewinnwarnung hat in den USA niemanden wirklich interessiert und wird es auch hier vermutlich nicht tun", meinte ein Händler. Die Probleme des Unternehmens seien wohlbekannt, was auch an der Aktienentwicklung im laufenden Jahr deutlich werde.

Die Aktie hat seit Jahresbeginn knapp 50 Prozent an Wert verloren. HP leidet nicht nur unter der Schwäche des PC-Marktes sondern der schwierigen Integration von EDS. Der Dienstleister wurde 2008 für 14 Mrd. Dollar übernommen. HP musste darauf bereits Abschreibungen vornehmen.

Die Vorgaben aus Asien fielen freundlich aus. In Tokio ging es deutlich nach oben. Der Nikkei-Index gewann gut ein Prozent. Impulse aus dem chinesischen Aktienhandel blieben weitgehend aus. Die Börse in Schanghai bleibt wegen der Feierlichkeiten zum chinesischen Nationalfeiertag am Donnerstag und am Freitag geschlossen.

Quelle: ntv.de, DJ/rts