Marktberichte

Starker Euro lässt Kurse rutschen Dax stoppt Fall knapp vor 10.000er-Marke

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Nach unten geht es mit dem Dax - die 10.000-Punkte-Marke hält jedoch.

(Foto: imago stock&people)

Enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA setzen eine Kettenreaktion in Gang, an deren Ende der Dax um fast drei Prozent abrutscht. Der schwache Dollar lässt den Euro steigen, was deutsche Exporttitel belastet. Öl und Gold sind hingegen wieder mehr wert.

Was für eine Schlappe zum Wochenschluss: Mehr als 280 Punkte verlor der Dax am letzten Handelstag der Woche. Der Schlusskurs war gleichbedeutend mit dem Tagestief und lag in Sichtweite zur 10.000er-Marke. Am Ende hielt diese zwar, der Index schloss jedoch mit einem dicken Minus von 2,7 Prozent auf 10.039 Punkten.

Dax
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Grund für die Verluste war der Euro, der wieder die 1,14-Dollar-Marke überwand und sein Tageshoch bei 1,14585 Dollar markierte. Ein starker Euro ist eher schädlich für die exportorientierten Unternehmen im Dax, die ihre Waren damit etwas teurer im Ausland anbieten müssen.

Mit der Euro-Stärke ging eine Dollar-Schwäche einher, ausgelöst von der Veröffentlichung neuer US-Daten: Zwar waren die Persönlichen Einkommen im März um 0,4 Prozent (Prognose plus 0,3 Prozent) gestiegen. Allerdings waren die Persönlichen Ausgaben mit plus 0,1 Prozent unter der Erwartung von 0,2 Prozent geblieben. Das spricht für keinen lebhaften Konsum. Zinserwartungen dürften durch die Daten nicht belebt werden, so Analyst Ulrich Wortberg von Helaba an.

Der schwache Dollar kam hingegen den Rohstoffen zugute, weil diese dadurch für Käufer aus dem Nicht-Dollarraum billiger werden. Der Goldpreis stieg mit 1295 Dollar auf den höchsten Stand des Jahres. Die Ölpreise zogen weiter an und stehen vor ihrer besten Entwicklung auf Monatssicht seit einem Jahr. Folgerichtig zeigten Rohstoffaktien eine sogenannte "Relative Stärke": Die Subindizes Rohstoffe und Öl & Gas lagen mit 0,3 und 1,4 Prozent im Minus, tendierten damit aber noch mit am besten im Markt.

Ein pessimistischer Ausblick der British-Airways-Mutter IAG belastete Luftfahrtwerte europaweit. Wegen einer rückläufigen Nachfrage nach Geschäftsreisen schraubte IAG seine Expansionspläne zurück. Die Aktien der Fluggesellschaft, zu der auch die spanische Iberia gehört, brachen daraufhin an der Londoner Börse um 4,6 Prozent ein. Air France-KLM gaben in Paris 3,0 Prozent nach und die beiden Billig-Flieger Ryanair und EasyJet rutschten um 2,2 und 2,5 Prozent ab. Im Dax erwischte es Lufthansa mit minus 5,6 Prozent am deutlichsten.

Etwas gestützt wird die Stimmung von guten Amazon-Zahlen, die nachbörslich in den USA veröffentlicht wurden. Im Blick steht auch weiterhin die Berichtssaison in Europa: Diese hat erneut prominente Namen zu bieten wie BASF, Linde, Astrazeneca, Sanofi, Novo Nordisk, Telefonica und Swiss Re. Die Zahlen von BASF und Linde kommen dabei gut an.

Frankfurt: Nur Linde und RWE legen zu

Der Dax schloss am Ende 2,7 Prozent tiefer auf 10.039 Punkten. Beim Nebenwerte-Index MDax zeigte sich ein Minus von 1,6 Prozent auf 20.101 Zähler. Für den TecDax ging es ebenfalls nach unten um 1,5 Prozent auf 1625 Punkte. Verluste auch beim Euro-Stoxx-50, der 2,9 Prozent auf 3034 Punkte abgab.

Zulegen konnten hingegen die Aktien von Linde. Umsatz und Gewinn des Industriegase-Herstellers gingen im ersten Quartal nicht so stark wie befürchtet zurück. Linde-Titel gewannen 1,1 Prozent. Der einzige weitere Gewinner im Dax war die Aktie von RWE, die 0,3 Prozent zulegte.

BASF verloren nach anfänglichen Gewinnen um 0,8 Prozent. Der Umsatzrückgang des Chemiekonzerns fiel geringer aus als gedacht. Außerdem lägen die Erträge dank einer höheren Marge über den Erwartungen, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF.

Lufthansa
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Die Aktien von Lufthansa hingegen kamen mächtig unter die Räder und landeten mit einem Minus von 5,6 Prozent am Dax-Ende. Ein pessimistischer Ausblick der British-Airways-Mutter IAG hatte Luftfahrtwerte europaweit belastet.

Im deutschen MDax gaben Hella um 2,1 Prozent nach auf 33,38 Euro. Hier belastete die Platzierung eines Pakets von 1,75 Millionen Aktien durch das Bankhaus Lampe zum Stückpreis von 33,25 Euro. Das Volumen betrug damit etwa 55 Millionen Euro und wird im Handel als eher klein bezeichnet.

Der Kurs des Schmierstoffherstellers Fuchs Petrolub verlor 4,5 Prozent, nachdem die Prognosen mit den Geschäftszahlen leicht verfehlt wurden. Im TecDax stiegen Rib Software nach Vorlage von Geschäftszahlen um 1,9 Prozent.

USA: Minus an der Wall Street

Dow Jones
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Schwache Konjunkturdaten haben den US-Börsen zum Wochenschluss Verluste eingebrockt. Die Amerikaner gaben im März nur 0,1 Prozent mehr aus als im Vormonat, was unter den Erwartungen lag. Zwar stiegen die Einkommen stärker als zuletzt, doch legten die Verbraucher mehr Geld beiseite, anstatt durch Konsum die Wirtschaft anzukurbeln. Zudem setzten Nachwehen der Notenbank-Entscheidungen in den USA und Japan den Aktienmärkten den zweiten Tag in Folge zu. Zu den Lichtblicken gehörten Amazon, deren Papiere nach einem unerwartet hohen Quartalsgewinn 9,6 Prozent zulegten.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 0,3 Prozent und schloss bei 17.774 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,5 Prozent auf 2065 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte 0,6 Prozent tiefer bei 4775 Stellen.

Bei Amazon zahlt sich der kostspielige Expansionskurs immer mehr aus. Der weltgrößte Online-Händler verdiente im ersten Quartal mit 513 Millionen Dollar fast doppelt so viel wie von Experten erwartet. Aktien von Linkedin stiegen um 2,0 Prozent. Ein Umsatzsprung zu Beginn des Jahres stimmt das Online-Karrierenetzwerk optimistisch.

Apple-Papiere gaben nach dem Ausstieg des Investors Carl Icahn weitere 1,2 Prozent nach. Insgesamt haben die Aktien in dieser Woche damit rund ein Zehntel an Wert verloren - was auch an den Geschäftszahlen lag, die nicht so gut wie erwartet ausgefallen waren.

Chevron tendierten unverändert. Wegen des immer noch niedrigen Ölpreises rutschte der Konzern in die roten Zahlen. ExxonMobil schlug sich dagegen besser und machte noch einen Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar. Das waren allerdings 63 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Exxon-Aktien legten 0,6 Prozent zu.

Insgesamt erwarten Analysten eine durchwachsene Berichtssaison. Nach Reuters-Daten gehen sie davon aus, dass die Gewinne der 500 im S&P-500 gelisteten Firmen im ersten Quartal im Schnitt um 5,7 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen wird. Von den 311 Konzernen, die ihre Zahlen schon veröffentlicht haben, lagen beim Umsatz 57 Prozent über den Erwartungen. Im langjährigen Schnitt sind es 60 Prozent.

Asien: Yen-Rally lastet auf Asien-Börsen

Shanghai Composite
Shanghai Composite 3.354,04

Negative Vorgaben aus den USA und ein starker Anstieg der japanischen Währung Yen haben die asiatischen Aktienmärkte belastet. Die japanische Landeswährung stieg auf den höchsten Stand seit 18 Monaten. Investoren reagierten damit auf die jüngste Entscheidung der japanischen Notenbank, die am Donnerstag trotz der hartnäckigen Konjunkturflaute ihre Geldschleusen nicht noch weiter geöffnet hatte. Einige Anleger gehen nun sogar davon aus, dass sie auch künftig auf weitere Konjunkturstützen verzichtet.

Ein Dollar kostete 107,25 Yen, noch am Donnerstag wurde der Yen vor der Entscheidung der Notenbank mit 111,67 zum Dollar gehandelt. Das Tempo der Aufwertung schürte Spekulationen, dass die japanische Regierung eingreifen könnte. Ein starker Yen macht den exportorientierten Firmen des Landes schwer zu schaffen. Die Börse in Tokio selbst war wegen eines Feiertags geschlossen. In den vier Tagen bis Donnerstag hatte der Leitindex Nikkei fünf Prozent an Wert verloren.

An den anderen asiatischen Aktienmärkten ging es nach unten. Die Börse in Shanghai notierte 0,2 Prozent schwächer, in Südkorea verlor der Leitindex 0,35 Prozent. Der MSCI-Index für die asiatischen Märkte ohne Japan gab 0,43 Prozent nach.

Rohstoffe: Ölpreise fallen wieder, Gold steigt

Mit den Ölpreisen ging es am Abend wieder leicht abwärts. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verlor zu US-Handelsschluss 0,9 Prozent auf 47,34 Dollar je Barrel. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 0,2 Prozent auf 45,93 US-Dollar.

Wegen fehlender Signale der US-Notenbank Fed für eine weitere Zinserhöhung im Juni fiel der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, um 0,8 Prozent auf ein Acht-Monats-Tief von 93,00 Punkten. Die Analysten der Invetmentbank Jefferies prognostizieren zudem, dass aus dem aktuellen Überangebot bis zum zweiten Halbjahr ein Engpass wird. Ihre Kollegen der Deutschen Bank sagten dagegen eine Ausweitung der Fördermengen - vor allem in Iran, Irak und den Vereinigten Arabischen Emirate - voraus.

Der Goldpreis stand am späten Abend bei 1294 Dollar je Feinunze, das sind 60 Dollar mehr als zu Wochenbeginn.

Devisen: Euro steigt über 1,14 Dollar

Der Euro knüpfte an die Kursgewinne der vergangenen Handelstage an und überquerte die Marke von 1,14 US-Dollar. Am späten Nachmittag erreichte die Gemeinschaftswährung ein Tageshoch bei 1,14585 Dollar. Zu US-Handelsschluss notierte der Euro bei 1,1451 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei der Festlegung der täglichen Referenzkurse einen Wechselkurs von 1,1403 US-Dollar für den Euro errechnet.

"Der Markt hat mit einer Zinserhöhung in den USA im Juni abgeschlossen", erklärte Devisenexperte Lutz Karpowitz die aktuelle Schwäche des Dollar und die Kursgewinne beim Euro. Die jüngsten Hinweise der US-Notenbank Fed auf eine mögliche Erhöhung bei der nächsten Zinssitzung des geldpolitischen Ausschusses seien einfach zu schwach gewesen.

Quelle: ntv.de, kst/ppo/DJ/rts/dpa