Marktberichte

Verluste an der Wall Street Dax verliert massiv

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Der Dax zu Wochenbeginn: Ein schwarzer Börsentag für die Deutsche Bank.

(Foto: REUTERS)

Dunkelroter Wochenstart am deutschen Aktienmarkt: Im Leitindex geht es geschlossen abwärts. Die Aktien der Deutschen Bank verlieren mehr als sieben Prozent. Der Dax schließt nur knapp über seinem Tagestief.

Herbstlich-kühler Wochenstart an der Börse: Im Frankfurter Aktienhandel blicken Börsianer am ersten Handelstag der letzten Septemberwoche auf Minuszeichen an fast allen Fronten. Nach einem schwachen Auftakt weitet der deutsche Leitindex Dax seine Verluste im Verlauf immer weiter aus. Am Abend geht das Börsenbarometer mit einem Minus von 2,19 Prozent bei 10.393 Punkten aus dem Handel. Das Tagestief aus dem Verlauf liegt bei 10.385,63 Zählern. Kein einziger der 30 Dax-Titel kann sich zu Wochenbeginn in der Gewinnzone halten.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen schließt 1,00 Prozent im Minus bei 21.334 Punkten. Der Technologiewerte-Index TecDax beendet den Tag 1,20 Prozent im Minus bei 1780 Zählern. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx50 fällt um knapp 1,9 Prozent auf 2975 Punkte.

Ein freundliches Signal von der Konjunkturseite konnte die Stimmung an der Börse nur geringfügig stützen: Der eine Stunde nach dem Start in den regulären Börsenhandel veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex fiel besser aus als erwartet: Für September stieg der Ifo-Index auf einen neuen Stand von 109,5 Punkte. Im Vorfeld befragte Experten hatten einen geringeren Anstieg auf 106,2 Punkte prognostiziert. Analysten des ifo-Instituts sprechen einem "goldenen Herbst".

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Scharfe Verluste mussten vor allem Anleger der Deutschen Bank verkraften: Die Aktien des größten deutschen Kreditinstituts sacken als mit Abstand schwächster Dax-Wert um 7,5 Prozent ab auf einen Schlusskurs von 10,55 Euro.

Die Stimmung der Anleger rund um die Deutsche Bank beschrieben Händler teils als "katastrophal". Ein Grund für die Verunsicherung: Bundeskanzlerin Merkel soll Spekulation vom Wochenende zufolge Staatshilfen für die Deutsche Bank im Wahljahr 2017 kategorisch ausgeschlossen haben - was die Bank und auch die Bundesregierung zu Wochenbeginn vehement dementierten.

Der Eindruck vieler Investoren scheint dennoch erschüttert. "Die Führungsriege der Deutschen Bank hat es geschafft, in den letzten Jahren das Verhältnis zur Bundeskanzlerin merklich zu beschädigen", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research die Lage.

Deutsche Bank
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"Die Stimmung gilt als merklich unterkühlt und zudem weiß Angela Merkel genau, dass der Zeitgeist nicht danach ruft, sich schützend vor eine skandalgeschüttelte Bank zu stellen. Sollte es ganz hart kommen, kann sich die Regierung durchaus noch Hilfsmaßnahmen für die Deutsche Bank überlegen. Ob bis dahin der Kurs auf 10 oder 5 Euro sinkt ist der Kanzlerin sicher herzlich egal, wäre ein öffentliches Stützen des Instituts sicherlich im Jahr 2016 auch nicht förderlich für Wählerstimmen. Genau das weiß sie auch."

Deutsche Bank dementiert

Die Deutsche Bank erklärte dazu, sie komme ohne die Unterstützung des Staates und ohne eine Kapitalerhöhung aus. Sie sei "fest entschlossen, ihre Herausforderungen alleine zu lösen", teilte die Deutsche Bank mit. Die Haltung umfasst nicht nur das Geld des Steuerzahlers, sondern auch das der Investoren. "Die Frage nach einer Kapitalerhöhung stellt sich derzeit nicht, wir erfüllen alle regulatorischen Vorgaben", erklärte die Bank.

Das Geldhaus zeigte sich zudem zuversichtlich, die drohende Milliardenstrafe in den USA im Zusammenhang mit Hypothekenverfahren aus eigener Kraft zahlen zu können. "Vorstandschef John Cryan hat zu keinem Zeitpunkt die Bundeskanzlerin darum gebeten, dass die Regierung im Hypothekenverfahren mit dem amerikanischen Justizministerium interveniert", teilte die Bank mit.

 NordLB-Analyst Michael Seufert sprach angesichts der Kursverluste von "Panikverkäufen" angesichts der Sorgen über eine mögliche Kapitalerhöhung, die zu einer substanziellen Verwässerung des Aktienbestandes führen würde. Investoren kalkulierten im Zuge von Schadensersatzforderungen und Regulierungsanforderungen in den USA die Kapitallücke neu.

Fundamental sei der Absturz des Kurses aber nicht gerechtfertigt, meinte Seufert. Er verweist auf das aktuell sehr niedrige Verhältnis von Kurs zu Buchwert. Seufert bestätigt die Aktie mit "Halten" und nennt ein Kursziel von 11 Euro.

Unter Druck standen auch die Aktien der Commerzbank: Die Coba-Titel gaben 4,0Prozent nach. Anleger trennen sich zudem von weiteren Schwergewichten aus dem Finanzsektor: Der Aktienkurs der Deutschen Börse sank um 2,7 Prozent. Der Versicherungskonzern Allianz lag zum Handelsschluss rund 3,1 Prozent im Minus. Munich Re gaben 2,2 Prozent ab.

Bei den übrigen Einzelwerten richten sich die Blicke unter anderem auf den Chemie- und den Luftfahrtsektor: Die Aktien von Lanxess ziehen angesichts der größten Übernahme in der Firmengeschichte steil an. Der Spezialchemiekonzern will für mehr als zwei Milliarden Dollar den US-Konkurrenten Chemtura übernehmen, der Flammschutz- und Schmierstoff-Additive herstellt. Im MDax hielten sich Lanxess-Aktien bis zum Abend noch gut 8 Prozent im Plus. Analysten der Baader-Bank sprachen mit Blick auf den Chemtura-Kauf von einem "großartigen Deal". Der Kauf sei eine "perfekte Ergänzung" zu Lanxess mit hohem Synergiepotenzial.

Die Aktien von Air Berlin schnellten nach Berichten über eine Verkleinerung der Flugzeug-Flotte um 5,2 Prozent in die Höhe. Laut "Süddeutscher Zeitung" könnte ein Teil der Strecken der mit finanziellen Problemen ringenden Fluglinie an die Lufthansa gehen, ein Teil des Ferienflugprogramms könnte mit Tui Flight verbunden werden. Air Berlin würde dann nur noch etwa halb so viele Flugzeuge betreiben wie derzeit. Für die im Dax notierten Titel der Lufthansa geht es im Gegenzug um 1,9 Prozent bergab.

Deutliche Kursverluste verzeichnen Marktbeobachter bei den Autobauern: Die Aktien von Volkswagen geben um 2,5 Prozent nach. Der wegen des Dieselskandals zurückgetretene frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn soll einem Bericht zufolge vor Bekanntwerden der Abgas-Affäre von Manipulationen gewusst und diese zunächst teilweise gedeckt haben.

Audi
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Bei der VW-Tochter Audi lenkt unterdessen eine Personalie neue Aufmerksamkeit auf den Umgang mit der Abgas-Affäre: Der Ingolstädter Premiumhersteller trennt sich von seinem Technikvorstand Stefan Knirsch. Der 50-Jährige, der seinen Posten erst im Januar angetreten hatte, "legt seine Funktion mit sofortiger Wirkung nieder und verlässt das Unternehmen im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat", teilte Audi mit. Gründe wurden nicht genannt.

Im Umfeld des VW-Konzerns wurde jedoch bestätigt, dass die US-Kanzlei Jones Day bei ihren Ermittlungen zum Dieselskandal im Auftrag des VW-Aufsichtsrats Informationen gefunden haben, die Knirsch massiv belasteten.
Er soll demnach bereits früher von den Manipulationen an den Dieselmotoren gewusst haben. Außerdem sollen auch Mitarbeiter Knirsch belastet haben. Knirsch war mit Unterbrechungen seit 1990 bei Audi und Porsche tätig, seit 2013 hatte er die Motorenentwicklung der VW-Tochter Audi geleitet. Knirsch war im Dezember als Nachfolger des Audi-Entwicklungsvorstands Ulrich Hackenberg berufen worden, der im Zuge der Dieselkrise abgelöst wurde.

USA: Wall Street mit Kursverlusten

Dow Jones
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An der Wall Street wächst mit dem Auftakt der heißen Phase im US-Wahlkampf die Unruhe. Wenige Stunden vor dem ersten TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump gingen auch US-Anleger auf Nummer sicher und strichen Gewinne ein. Einige Investoren nahmen Kurs auf "sichere Häfen" und kauften Anleihen. "Wenn Clinton im TV-Duell schwächelt, könnte dies für eine nächste Verkaufswelle von Aktien sorgen", sagte Jens Klatt, Marktanalyst des Brokerhauses JFD. "Clinton gilt als Wall-Street-Liebling, Trump eher nicht."

Der für die Republikaner antretende Milliardär Trump sollte in der Nacht gegen seine demokratische Rivalin Clinton antreten, die ehemalige US-Außenministerin. Trump sei eine große Unbekannte, betonten Experten des Vermögensverwalters Amundi. Es sei völlig unklar, wie er seine geplanten Reformen umsetzen oder finanzieren wolle. "Ganz anders Clinton, deren Positionen klar und vertraut sind, da sie sie seit Jahren praktiziert."

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 0,9 Prozent und schloss bei 18.095 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 fiel ebenfalls um 0,9 Prozent auf 2146 Zähler. Der Nasdaq Composite gab um 0,9 Prozent auf 5257 Punkte nach.

In New York standen bei den Einzelwerten die Papiere von Chemtura im Mittelpunkt. Sie sprangen um 15,8 Prozent in die Höhe. Der deutsche Spezialchemiekonzern Lanxess  will den US-Rivalen für rund 2,4 Milliarden Euro übernehmen. Pfizer gaben 1,8 Prozent nach. Der Pharmakonzern hat Erwägungen zu einer Konzernaufspaltung zu den Akten gelegt.

Yahoo ließen 1,4 Prozent Federn. Der massive Datendiebstahl bei dem Unternehmen könnte zum Thema für die US-Börsenaufsicht werden. US-Senator Mark Warner forderte eine Untersuchung des Vorfalls. Der angeschlagene Internet-Pionier hatte Ende vergangener Woche eingeräumt, dass Hacker sich vor zwei Jahren Zugang zu den Daten von 500 Millionen Benutzerkonten verschafft hatten.

Die auch in den USA notierten Aktien der Deutschen Bank brachen um 7,3 Prozent ein. "Eine Kapitalerhöhung erscheint unausweichlich", urteilte Mediobanca-Analyst Adam Terelak. Auch ohne die drohenden milliardenschweren US-Strafzahlungen könne sie ihre Ziele für den Ausbau des Kapitalpuffers nur schwer erreichen. Die Ausgabe neuer Aktien ist für die Deutsche Bank nach Aussagen eines Sprechers derzeit aber kein Thema. Das sei nicht verwunderlich, schließlich sei die Höhe der Strafen noch unklar, betonte ein Börsianer.

Asien: Ungewisse Ölpreisentwicklung bremst

Nikkei
Nikkei 20.972,71

Die zum Wochenschluss deutlich gefallenen Ölpreise im Verbund mit schwachen US-Vorgaben haben die Stimmung an den Börsen in Ostasien und Australien zu Wochenbeginn schwer belastet. Händler sprachen von einem nervösen Handel wegen des anlaufenden "Energieforums" in Algier. Auch die anstehende erste Fernsehdebatte der beiden Kontrahenten Hillary Clinton und Donald Trump um das Amt des US-Präsidenten habe die Investitionsbereitschaft am Aktienmarkt gebremst, hieß es.

Der Nikkei-225 verlor 1,3 Prozent auf 16.545 Punkte - auch gebremst vom zur Stärke neigenden Yen. Der Dollar fiel auf 100,56 Yen nach Wechselkursen über der Marke von 101 zum Wochenschluss.

Bei den japanischen Einzelwerten standen vor allem die Finanzwerte unter Druck, nachdem der japanischen Notenbankpräsident Kuroda neue geldpolitische Lockerungen angedeutet hatte. Dai-ichi Life Insurance sanken um 4,9 Prozent und Sumitomo Mitsui Trust Holdings um 3,1 Prozent. In der gesamten Region wurden Ölwerte wegen des Preisverfalls bei Erdöl veräußert: In Tokio gaben Inpex 2,3 Prozent und in Hongkong Sinopec 2,6 Prozent ab.

In Schanghai zeigte sich der Leitindex Shanghai-Composite 1,7 Prozent schwächer, während in Australien der S&P/ASX-200 trotz sinkender Rohstoffpreise unverändert schloss. Allerdings stabilisierte sich der Rohstoffmarkt am Morgen.

"Über die vergangenen zwölf Monate zeigten die Ölpreise einen starken Einfluss und eine klare Korrelation zum Aktienmarkt", sagte IG-Marktanalyst Angus Nicholson. Er verwies aber auch auf die schwachen Vorlagen aus den USA und Europa. "Die Märkte haben längst noch nicht die Möglichkeit eines Wahlsieges von Donald Trump in den USA eingepreist", so der Experte weiter. Es herrsche große Verunsicherung über dessen mögliche Politik. Daher sei der Ausgang der TV-Debatte immens wichtig.

In Seoul gaben Hyundai Motor 1,1 Prozent ab und erholten sich damit von zwischenzeitlich deutlich höheren Abgaben. Drei wichtige Werke des südkoreanischen Automobilherstellers werden bestreikt. Es ist der erste gewerkschaftlich organisierte Ausstand seit einem Jahrzehnt. Analysten konnten dem Streik aber durchaus auch positive Aspekte abringen. Analyst Chang Moon-Su von Eugene Investment & Securities sah darin die Gelegenheit, die zuletzt gestiegenen Lagerbestände abzubauen.

Devisen: Euro wenig verändert

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,12

Der Euro startet mit leichten Aufschlägen in die neue Woche. Am Abend wird die Gemeinschaftswährung bei 1,1254 US-Dollar gehandelt und damit 0,2 Prozent fester als vor dem Wochenende. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag auf 1,1214 Dollar festgesetzt.

Die japanische Währung Yen legt am Vormittag trotz deutlicher Worte von Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda zu. Dieser hatte gesagt, "jedes mögliche Instrument" einzusetzen, um das Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen. Die Notenbank werde "schonungslos Innovationen einsetzen" und niemals zögern, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Währungshüter Kuroda betonte, dass es aus seiner Sicht keine Grenzen der Geldpolitik gibt. Die Reaktion am Devisenmarkt zeige, wie wenig Einfluss die Notenbank noch auf das Marktgeschehen besitze, hieß es im Devisenhandel kritisch. "Es gibt verschiedene Interpretationen über das Zinsziel, und die Einschätzung ist keineswegs fest verankert", sagte Marktstratege Yoshihiro Okumura von Chibagin Asset Management.

Rohstoffe: Ölpreise steigen am Abend

Die Ölpreise zeigten zunächst unentschlossene Pendelbewegungen, am späten Abend zeigen die Pfeile aber nach oben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete zu US-Handelsschluss 47,04 US-Dollar. Das sind 1,15 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 1,18 Dollar auf 45,66 Dollar.

Im weiteren Handelsverlauf steht das Opec-Treffen in Algier im Mittelpunkt des Interesses. "Wir müssen einsehen, dass wir mit einem Preis pro Barrel Öl unter 50 US-Dollar mittel- und langfristig die Versorgung des Markts nicht sicherstellen können", sagte Algeriens Energieminister Noureddine Boutarfa vor der Konferenz im algerischen Radio. Es sei eine Frage der Verantwortung, sich auf eine Begrenzung der Fördermenge zu einigen, um einen weiteren Preisschock auf dem Ölmarkt zu verhindern.

Am Rande des Energieforums wird sich die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) am Mittwoch zu einem informellen Treffen zusammenfinden, um über eine Deckelung der Rohölförderung zu beraten. Allerdings herrschte große Skepsis unter den Marktakteuren über ein Gelingen des Vorhabens.

Berichte zeugten von andauernder Uneinigkeit zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran. Demnach konnten sich die beiden Länder nicht einigen, welche Öldaten einer Vereinbarung zugrunde gelegt werden sollen: Jene, die die Opec-Mitglieder selbst melden oder Daten von unabhängigen Institutionen. Saudische Vertreter äußerten daher massive Zweifel, dass eine Einigung auch mit Nicht-Mitgliedern der Opec wie Russland zustande komme.

Vor dem Hintergrund der fallenden Aktienmärkte in Europa, Asien und den USA sind die "sicheren Häfen" Gold und Anleihen gesucht. Der Goldpreis notierte am Abend bei 1337 Dollar - das war der Stand vom Freitag. Die US-Anleihen bauten ihre Gewinne vom Freitag leicht aus. Für die Rendite zehnjähriger Papiere ging es um 2 Basispunkte auf 1,60 Prozent nach unten.

Quelle: n-tv.de, mmo/jog/DJ/dpa/rts

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