Marktberichte

Corona-Furcht an der Wall Street Ölpreise brechen an US-Märkten ein

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Die Furcht an den Märkten geht um: Wie schlimm wird das Coronavirus die Wirtschaft noch treffen?

(Foto: imago images/UPI Photo)

Auch an den US-Börsen geht die Furcht vor einer Corona-Rezession um. Auch gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt können daran nichts ändern. Die großen Indizes rutschen erneut deutlich ins Minus. Der Ölpreis stürzt mehr als zehn Prozent in die Tiefe - dazu trägt auch die Uneinigkeit der Opec bei.

Die Talfahrt an der Wall Street setzt sich zum Wochenausklang nahezu ungebremst fort. Die Sorgen über die anhaltende Ausbreitung des Coronavirus gehen immer stärker in Rezessionsängste über - befeuert durch eine steigende Anzahl warnender Unternehmen. Zudem verkünden immer mehr US-Bundesstaaten Notfallmaßnahmen gegen die Seuche. Gerade vor dem Wochenende bauen Anleger Risikopositionen ab und verkaufen daher Aktien. Selbst ein überraschend positiver US-Arbeitsmarktbericht liefert keine Unterstützungen für die Börsen - ein eher seltenes Phänomen.

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"Der US-Arbeitsmarktbericht fiel ordentlich aus, aber er kann die Verwerfungen am Aktienmarkt nicht zügeln. Investoren sind nicht einmal im Entferntesten an risikoreicheren Anlagen interessiert", urteilt Chefmarktanalyst Naeem Aslam von AvaTrade. Im Februar wurden deutlich mehr Stellen geschaffen als Analysten für möglich gehalten hatten. Zudem wurde der Januarwert leicht nach oben revidiert. Auf größeres Interesse würden erst Daten stoßen, die die Auswirkungen des Virus widerspiegelten, heißt es.

Der Dow-Jones-Index verlor 1,0 Prozent auf 25.865 Punkte nach einem Tagestief bei 25.227 Zählern, S&P-500 und Nasdaq-Composite fielen um 1,7 bzw. 1,9 Prozent. Im Gegenzug bleiben sichere Häfen wie Yen, Gold und vor allem Rentenpapiere gesucht.

Brent auf Zweieinhalb-Jahres-Tief

Auch am Ölmarkt dominieren die Rezessions- und Nachfragesorgen. Der Preisverfall beschleunigt sich massiv. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent rutscht auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Neben den Nachfragesorgen belastet auch die Angebotsseite. Denn das Erdölkartell Opec hat sich nicht mit Russland auf eine geplante signifikante Fördersenkung einigen können. Die Gespräche der Gruppe Opec+ wurden ergebnislos abgebrochen. US-Leichtöl der Sorte WTI brach um 10,1 Prozent auf 41,28 Dollar ein, Brent um 9,4 Prozent auf 45,27 Dollar. Der Preis für Brent verbuchte den heftigsten Tagesabsturz seit über zehn Jahren.

Rohöl (Brent)
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Am Devisenmarkt verliert der ICE-Dollarindex 0,9 Prozent - auf Wochensicht steht ein Abschlag von 2,4 Prozent zubuche. Die Schwäche der US-Währung begründen Händler mit der festen Erwartung weiterer US-Zinssenkungen. Auch die wegbrechenden US-Marktzinsen drücken den Greenback vor dem Hintergrund des sich ausbreitenden Coronavirus. Der Euro klettert erstmals seit Sommer vergangenen Jahres wieder über die Marke von 1,13 Dollar. Hier sehen Händler aber auch das Auflösen von Euro-Carry-Trades im Zuge des Abbaus von Risikopositionen als Grund für den festen Euro.

Der "sichere Hafen" Gold legt zwischenzeitlich weiter zu, kommt aber von den Tagehochs zurück. Das Edelmetall ist aber weiterhin - abgesehen vom Jahreshoch vor einer Woche - so teuer wie zuletzt vor sieben Jahren. Die Feinunze verteuerte sich um 0,1 Prozent auf 1674 Dollar.

Bank-Aktien besonders unter Druck

Mit den abstürzenden Marktzinsen zählten Bankenwerte wie schon am Vortag zu den schwächsten - der Branchenindex büßte weitere 4,7 Prozent ein. Im Dow bildeten JP Morgan mit minus 5,2 Prozent das Schlusslicht. Mit dem Ölpreisverfall verloren Energietitel gar 5,6 Prozent im Schnitt - Exxon Mobil sanken um 4,8 Prozent.

Auch bei den Unternehmen wurden die Auswirkungen der Coronavirusepidemie immer deutlicher sichtbar. So hatte Starbucks ihre Umsatzprognose für China, den zweitgrößten Markt, um mindestens 400 Millionen US-Dollar für das laufende Quartal gesenkt. Der Konzern will zudem von der geplanten Eröffnung neuer Läden in dem Land absehen. Die Aktie verliert 1,1 Prozent.

Aktien des Halbleiterherstellers AMD stiegen dagegen um 1 Prozent. Der Konzern hatte vor dem Hintergrund der grassierenden Ängste vor negativen Folgen der Coronavirusepidemie seinen Ausblick für das erste Quartal bestätigt und mitgeteilt, mit nur moderaten Auswirkungen auf das Geschäft zu rechnen.

Für H&R Block ging es um 5,9 Prozent nach unten. Das Steuerberatungsunternehmen setzte im dritten Quartal des Geschäftsjahrs zwar mehr um, weitete aber zugleich den Verlust aus.

Quelle: ntv.de, kst/DJ