Marktberichte

Impfstoff, Bilanzen, China-Krise US-Anleger wetten auf die Hoffnung

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Weiter aufwärts an der Wall Street, auch zur Wochenmitte.

(Foto: picture alliance / dpa)

Neue Spannungen zwischen den USA und China auf der einen Seite, ermutigende Testergebnisse für einen Corona-Impfstoff auf der anderen: Am Ende siegt die Hoffnung der Anleger und die Kurse an der Wall Street steigen auch zur Wochenmitte.

Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus haben der Wall Street am Mittwoch Auftrieb verliehen. "Es sieht danach aus, als ob es für den größten Albtraum der Weltwirtschaft eine Lösung gibt", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Positiv nahmen die Börsianer auch das Beige Book der US-Notenbank auf. In den USA hat sich laut der Federal Reserve die Geschäftsaktivität in den vergangenen Wochen belebt. Die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China dämpften die Kauflaune allerdings.

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Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,9 Prozent höher auf 26.870 Punkten. Der Nasdaq Composite rückte 0,6 Prozent auf 10.550 Punkte vor. Der breit gefasste S&P-500 legte 0,9 Prozent auf 3226 Punkte zu. Auch der Dax konnte Gewinne verbuchen.

Ermutigende Testergebnisse

Mut machten Investoren vielversprechende Tests eines Impfstoffs der US-Biotechfirma Moderna. Darüber hinaus steht der Pharmakonzern AstraZeneca einem TV-Bericht zufolge kurz vor Bekanntgabe positiver Nachrichten zu seinem Impfstoff. "Die Zahl der Unternehmen mit aussichtsreichen Kandidaten in der Produkt-Pipeline wird damit immer größer", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Es wächst die Hoffnung der Anleger, dass es am Ende etwas Wirksames im Kampf gegen das Coronavirus geben wird, so dass das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben zur Normalität zurückkehren kann."

Moderna-Aktien stiegen zeitweise um knapp 18 Prozent auf ein Rekordhoch von 88,37 Dollar. Am Ende stand ein Plus von 6,9 Prozent. Die Papiere von AstraZeneca verteuerten sich in London um gut fünf Prozent.

Hoffen auf die Konjunktur

In Erwartung einer raschen Normalisierung der Wirtschaft deckten sich Anleger mit konjunkturabhängigen Werten ein. Sie griffen vor allem bei Touristik- und Freizeitwerten zu, die in den vergangenen Monaten besonders stark unter den Pandemie-Beschränkungen gelitten hatten. Die Aktien der Fluggesellschaften American Airlines, Delta und United legten bis zu 16 Prozent zu. Die Papiere der Kreuzfahrt-Anbieter Carnival, Royal Caribbean und Norwegian gewannen bis zu 21 Prozent. Kasino-Betreiber wie MGM, Las Vegas Sands oder Wynn verbuchten Kursgewinne von bis zu 12,6 Prozent.

Erleichtert reagierten Investoren auf den trotz gestiegener Rückstellungen stabilen Gewinn von Goldman Sachs. Dank eines florierenden Wertpapier-Handels machte das Geldhaus im abgelaufenen Quartal einen Gewinn von 2,4 Milliarden Dollar. Überraschend positive Geschäftszahlen seien derzeit besonders wichtig, weil die Markterwartung so niedrig lägen, sagte Portfolio-Manager Stephen Lee vom Vermögensverwalter Logan. Goldman-Aktien gewannen 1,4 Prozent.

Spannungen zwischen USA und China

Kopfschmerzen bereiteten Börsianern allerdings die Spannungen zwischen den USA und China. "In letzter Zeit hat dieser Konflikt auf relativ kleiner Flamme geköchelt", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Eine neue Eskalationsspirale zwischen diesen beiden Supermächten erscheint aber jederzeit möglich." Um die Sicherheitsgesetze für Hongkong, Vorherrschafts-Ansprüche im Südchinesischen Meer, den Schutz der uigurischen Minderheit in China und andere Themen sind verbissen geführte Kontroversen ausgebrochen.

Quelle: ntv.de, bad/rts