Marktberichte

Inflationsängste gehen um Wall Street sorgt sich um Überhitzung

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Der Dow klettert zeitweise zu neuen Rekorden, doch am Ende ist es nur ein kleines Plus.

(Foto: AP)

Die Rohstoffmärkte ziehen kräftig an und das beflügelt an der Wall Street die Angst vor einer Inflation. So flüchten die Anleger in Scharen aus den erfolgsverwöhnten Tech-Aktien. Nur dem Dow gelingt es kurz, sein Freitagshoch noch einmal zu überbieten. Die Rally ist nicht vorbei.

Aus Furcht vor zu hohen Bewertungen wachstumsstarker Technologie-Aktien haben die Indizes an der New Yorker Nasdaq-Börse den Kürzeren gezogen. So sackte der Nasdaq 100 um 2,63 Prozent auf 13.223,7 Punkte ab. Bei plötzlich anziehenden Inflationserwartungen und steigenden Zinsen flüchteten Anleger aus jenen Aktien, die am besten gelaufen seien, begründete Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets die Welle der Gewinnmitnahmen im Technologiesektor. Deutlich besser schlug sich der Leitindex Dow Jones Industrial, der im Verlauf sein Rekordhoch vom Freitag überbot. Am Ende des Tages reichte es aber nur für ein Plus von 0,09 Prozent auf 31.521,6 Punkte. Der marktbreite S&P 500 verlor 0,77 Prozent auf 3876,5 Punkte.

"Investoren richten sich auf einen Anstieg der Inflation ein", sagte Sam Stovall, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses CFRA. Wachstumsstarke Werte profitierten von niedrigen Zinsen, daher machten steigende Finanzierungskosten diese Firmen unattraktiver. Die Verkäufe am Anleihemarkt trieben die Rendite der zehnjährigen T-Bonds zeitweise auf ein Zwölf-Monats-Hoch von 1,394 Prozent.

Steigende Rohstoffpreise schüren Ängste

Rohöl (WTI)
Rohöl (WTI) 60,56

"Die Inflation wird von zwei Faktoren getrieben", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Der erste sei die ultra-lockere Geldpolitik der Notenbanken und der zweite die steigenden Preise für Rohstoffe, vor allem Öl. Die US-Sorte WTI gewann gut drei Prozent auf 61,05 Dollar je Barrel (159 Liter) und war damit rund 70 Prozent teurer als Anfang November 2020. Spekulationen auf eine anziehende Nachfrage des weltgrößten Abnehmers China hievte den Preis für das Industriemetall Kupfer auf ein Neuneinhalb-Jahres-Hoch von 9269,50 Dollar je Tonne. Das auch als Inflationsschutz dienende Gold rückte 1,5 Prozent auf 1809 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) vor.

Bitcoin
Bitcoin 48.867,50

Einige Investoren griffen zudem zum "digitalen Gold" Bitcoin und verhalfen der älteste und wichtigste Cyber-Devise zu einem Rekordhoch von 58.445,23 Dollar. Einsetzende Gewinnmitnahmen drückten den Kurs bis zum Abend aber auf 52.084 Dollar. "Ein Ende der Rally bedeutet dies aber nicht", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Schnäppchenjäger könnten die Gunst der Stunde nutzen. Zunächst flogen allerdings parallel zum fallenden Bitcoin-Kurs Werte aus dem Kryptowährungssektor und Unternehmen, die sich mit der Bitcoin & Co zugrundeliegenden Blockchain-Technologie befassen, aus den Depots. So fielen die Papiere von Riot, Marathon, Overstock und Silvergate an der Wall Street um bis zu 16 Prozent.

"Roaring Kitty treibt Gamestop"

Die Papiere von Goodyear steuerten dagegen mit einem Plus von fast gut 26 Prozent auf den größten Tagesgewinn der Firmengeschichte zu. Der Reifen-Hersteller übernimmt für 2,8 Milliarden Dollar den margenstärkeren Konkurrenten Cooper Tire, Außerdem verdoppelt der US-Konzern damit seinen Marktanteil im wichtigen Wachstumsmarkt China.

GameStop Corporation
GameStop Corporation 89,00

Cooper-Titel verbuchten mit einem Plus von mehr als 30 Prozent den größte Kurssprung seit fast acht Jahren und erreichten ein Rekordhoch von 57,66 Dollar. Parallel dazu stiegen die Papiere von Gamestop um fast 20 Prozent. Einem Post auf der Internet-Plattform Reddit zufolge kaufte der YouTuber "Roaring Kitty", der eigentlich Keith Patrick Gill heißt, weitere 50.000 Anteilsscheine des US-Videospielehändlers gekauft. "Roaring Kitty" trommelt seit längerem für den Kauf von GameStop-Aktien und spielt eine wichtige Rolle bei den Kurs-Kapriolen der Titel im Januar.

Quelle: ntv.de, mau/rts