Marktberichte

US-Inflation zieht an Zinsspekulationen belasten Wall Street

85855629.jpg

Die Stimmung an der Wall Street? - Ist derzeit eher verhalten.

picture alliance / dpa

Mittlerweile halten es die Börsianer für sehr wahrscheinlich, dass die Fed im Dezember den Zins anhebt. Steigende Zinsen drücken üblicherweise auf die Aktienkurse. Und dieser Trend zeichnet sich bereits jetzt ab.

Zinsspekulationen haben am Donnerstag die US-Aktienmärkte belastet. Auslöser waren neue Inflationsdaten, die aus Sicht von Börsianern eine Zinsanhebung der US-Notenbank (Fed) im Dezember wahrscheinlicher machen. So zog die Inflation in den USA im August auf 1,9 Prozent an von 1,7 im Juli. "Ich glaube nicht, dass der Markt eine solch starke Inflation erwartet hat", sagte Victor Jones, Chefhändler beim Online-Broker TD Ameritrade. Die Frage sei nun, welche Signale die Fed bei ihrem Treffen kommende Woche aussenden werde. Steigende Zinsen drücken üblicherweise auf die Aktienkurse, weil sie die Finanzierungskosten der Unternehmen erhöhen und damit die Gewinne schmälern.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte 0,2 Prozent höher bei 22.206 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,1 Prozent auf 2496 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 0,5 Prozent auf 6429 Stellen. In Frankfurt ging der Dax 0,1 Prozent tiefer auf 12.540 Punkten aus dem Handel.

Der Dollar zog mit den höheren Verbraucherpreisen und den starken Arbeitsmarktdaten zunächst etwas an. Der Euro kostete im Tief nur noch 1,1838 nach einem Tageshoch über 1,19 Dollar. Doch der Dollar gab einen Teil der Gewinne wieder ab, so dass der Euro nun 1,1880 Dollar kostet. "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", sagt Ulrich Leuchtmann, Devisenanalyst der Commerzbank. Die Inflation sei zwar stärker gestiegen als erwartet, allerdings das erste Mal seit mehreren Monaten.

Das Pfund Sterling zieht nach der geldpolitischen Entscheidung der Bank of England kräftig auf 1,34 Dollar von zuvor 1,3200 an. Die Währung reagiert damit nach Einschätzung eines Händlers auf die hawkishen Aussagen der Währungshüter. Die Mehrheit der Mitglieder hält eine Straffung der Geldpolitik in den kommenden Monaten für angemessen. Die Zinsen müssten stärker steigen, als dies derzeit an den Märkten eingepreist sei.

Goldpreis bleibt unverändert

Gold und Anleihen gerieten mit den starken Konjunkturdaten unter Druck, aber wie beim Dollar sind diese Bewegungen nicht nachhaltig. Der Goldpreis tendierte im späten Handel 0,4 Prozent höher bei 1.328 Dollar je Feinunze, die Rendite der zehnjährigen Treasurys zeigte sich kaum verändert bei 2,19 Prozent.

Der Ölpreis legt nach seiner mehrtägigen Rally weiter zu. Am Vortag hatten die niedrigen US-Benzinbestände gestützt, die wegen der durch Hurrikan Harvey zerstörten Raffinerien kräftig gefallen sind. Der Preis für ein Fass der Sorte WTI überstieg zeitweise die Marke von 50 Dollar. Zum Settlement wurde ein Preis von 49,89 Dollar ermittelt, ein Plus von 1,2 Prozent. Das Barrel Brent stieg um 0,6 Prozent auf 55,47 Dollar.

Auf der Gewinnerseite war der Dow-Wert Boeing. Die Aktie des Flugzeugbauers lag 1,4 Prozent im Plus, nachdem die Analysten der Deutschen Bank ihr Kursziel hochgesetzt hatten. Der Flugzeughersteller hatte schon am Mittwoch angekündigt, dass er die Produktion des 787 Dreamliner erhöhen werde. Die Hoffnungen der Anleger richten sich nun überdies auf die Investorenveranstaltung des Unternehmens in der kommenden Woche, auf der Details zur geplanten Steigerung des Service-Umsatzes erwartet werden.

United Technologies gewannen 2,6 Prozent. Laut einem Bericht des Wall Street Journal dürfte die geplante Übernahme von Rockwell Collins auf hohe kartellrechtliche Hürden treffen. General Motors verbesserten sich nach einem positiven Analystenkommentar um 1,5 Prozent auf 38,78 Dollar Die Analysten von Morgan Stanley trauen der Aktie im günstigsten Fall einen Anstieg auf 50 Dollar zu, sofern das Management mit dem technischen Wandel Schritt halte und die notwendigen Umstrukturierungen zügig in Angriff nehme.

 Im Einzelhandelssektor fielen Tiffany um 4,8 Prozent. Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass der Staatsfonds des Emirats Katar, die Qatar Investment Authority, ein Paket von 4,4 Millionen Tiffany-Aktien im Wert von gut 414 Millionen Dollar verkauft hatte. Under Armour büßten 0,9 Prozent ein. Die Analysten von FBR hatten gewarnt, dass enttäuschende Geschäftszahlen und eine Ausblicksenkung des Wettbewerbers Nike am 26. September Signalwirkung für die Branche haben und auch die Aktie von Under Armour in die Tiefe ziehen könnten. Diese habe sich in den vergangenen Wochen deutlich besser gehalten als die Nike-Aktie, in der die schlechten Nachrichten vermutlich zum größten Teil eingepreist seien. Die Nike-Aktie legte um 0,4 Prozent zu. Der Einzelhandelssektor gab um 0,6 Prozent nach.

Quelle: n-tv.de, kpi/rts/DJ

Mehr zum Thema