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Das sagen ExpertenAcht Hitze-Mythen im Schnellcheck - was ist dran?

27.06.2026, 09:13 Uhr
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Eine eiskalte Dusche kann bei Hitze zu Kreislaufproblemen führen. (Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland ächzt unter einer Hitzewelle. Wie verhält man sich richtig bei Hitze und Dauersonne? Noch immer kursieren Hitze-Mythen - doch was weiß man eigentlich gesichert? Hier eine Übersicht über den Stand der Forschung.

1. "Eine eiskalte Dusche kühlt am besten runter."

Nein. Eiskalt wirkt nur kurz. Die Kälte verengt die Gefäße, drosselt die Wärmeabgabe über die Haut - der Körper reguliert dagegen. Eine eiskalte Dusche erfrischt bei Hitze nur kurz, danach tritt das Gegenteil ein. Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) rät auf seinem Infoportal: "Sehr wohltuend sind kühle oder lauwarme Duschen und Wannenbäder. Allzu kalt sollte das Wasser aber nicht sein, da es sonst zu Kreislaufproblemen kommen kann."

2. "Bei Hitze sollte man heißen Tee trinken - das kühlt besser."

Jein. Der Gedanke dahinter: Durch ein heißes Getränk wird ein Thermorezeptor im Bauchraum aktiviert, welcher die Schweißproduktion steigert - dieses Schwitzen kühlt schließlich. Bei einer Studie aus dem Jahr 2012 fand ein Forschungsteam jedoch heraus, dass die Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle spielt. Bei hoher Luftfeuchtigkeit in schwüler Umgebung kann die Luft den Schweiß nicht mehr so gut aufnehmen, ein kühles Getränk wirkt dann besser als heißer Tee.

3. "Ein Ventilator kühlt den Raum."

Nein. Ventilatoren senken die Raumtemperatur nicht - der Luftstrom beschleunigt nur die Schweißverdunstung, was einen kühlenden Effekt auf den Körper hat. Wie eine Studie von 2025 herausfand, kann der Ventilator ab einer Temperatur von 39 Grad Celsius und etwa 49 Prozent Luftfeuchtigkeit sogar zum Problem werden. Dann übersteige die Wärmeaufnahme durch den warmen Luftstrom den kühlenden Effekt durch die Schweißverdunstung: "Bei höheren Temperaturen sollten Ventilatoren ausgeschaltet werden, da sie die Hitzebelastung verschlimmern können", schreiben die Autoren.

4. "Je mehr man trinkt, desto besser - am besten auf Vorrat."

Nein. Auch Wasser kann der menschliche Körper nur bis zu einer bestimmten Obergrenze aufnehmen. Gesunde Nieren scheiden etwa 0,7 bis 1 Liter Wasser pro Stunde aus. Wer deutlich mehr trinkt, riskiert eine gefährliche Verdünnung des Natriumspiegels im Blut. Es kann im schlimmsten Fall zu einer Hyponatriämie kommen, einer sogenannten Wasservergiftung. Allerdings trinken die meisten Menschen eher zu wenig als zu viel Wasser.

5. "Mittags um 12 ist es am heißesten."

Nein. Wahr ist, dass die Sonne mittags am höchsten steht. Das ist durch die Sommerzeit aber erst um etwa 13 Uhr. Die höchsten Temperaturen werden allerdings erst im Laufe des Nachmittags, manchmal sogar erst am frühen Abend erreicht, schreibt Meteorologe Tobias Reinartz vom Deutschen Wetterdienst in einem Beitrag. Der Grund: Die Sonneneinstrahlung heizt die Luft über den Tag hinweg immer weiter auf. Erst gegen Abend lässt die Strahlung nach und die Lufttemperatur fällt wieder. Dennoch sei die "Mittagshitze" wegen des höchsten Sonnenstandes am Himmel nicht zu unterschätzen, schreibt der Experte: Denn mittags sei die Einstrahlung am stärksten, was für den Körper "unter Umständen durchaus gefährlich werden kann".

6. "Helle Kleidung kühlt, dunkle heizt auf."

Jein. So pauschal kann die Aussage nicht stehen gelassen werden. Bei einer Studie aus dem Jahr 1980 hatten israelische Forscher in der Negev-Wüste versucht herauszufinden, warum die dort lebenden Beduinen trotz Hitze lange, schwarze Gewänder tragen. Sie stellten fest, dass nicht die Farbe entscheidend ist, sondern der Schnitt: Je lockerer die Kleidung sitzt, desto besser kann die Luft unter ihr zirkulieren und Wärme abtransportieren. Bei einer deutlich jüngeren Studie mit Poloshirts von 2024 zeigte sich jedoch, dass die Farbe ohne den Lufteffekt sehr wohl einen Unterschied macht: Weiße Poloshirts bleiben an der Oberfläche am kühlsten, schwarze heizen sich am meisten auf. Das BIÖG rät: "Tragen Sie lieber helle als dunkle Kleidung, denn sie reflektiert das Sonnenlicht und hält Sie kühler. Noch wichtiger als die Farbe ist aber, dass die Kleidung locker sitzt, damit die Luft zirkulieren kann."

7. "Klimaanlagen machen krank."

Jein. Klimaanlagen sind nicht ohne Risiko: Kälte, trockene Luft, Zugluft und starke Temperaturwechsel können die Schleimhäute reizen und die Immunabwehr schwächen - und dadurch Infekte begünstigen, warnen Experten. Zudem können schlecht gewartete Klimaanlagen auch Keime verbreiten, warnt die AOK - bei modernen und gut gewarteten Anlagen sei das Risiko aber gering. Andererseits können Klimaanlagen gerade bei Hitzewellen die Wärmebelastung senken und gesundheitliche Beschwerden durch Hitze verhindern. 

8. "Im Schatten kann man keinen Sonnenbrand bekommen."

Nein. Zwar halten ein Sonnenschirm oder die Krone eines Baumes einen Teil der direkten UV-Strahlung im Sonnenlicht zurück, die für Sonnenbrände verantwortlich ist. Aber über Reflexion an Luftmolekülen, Wolken und dem Boden gelangt UV-Strahlung auch im Schatten auf die Haut. Eine Studie von 2017 hat das eindrucksvoll belegt: Rund 80 Teilnehmer hatten sich in Texas für dreieinhalb Stunden bei Sonne an einen See gelegt - die eine Hälfte unter einen Sonnenschirm, die andere Hälfte lag in offener Sonne, nur mit Sonnenschutzmittel eingecremt. Am Ende hatten mehr als drei Viertel der Teilnehmer unter den Sonnenschirmen einen Sonnenbrand. Bei denen mit Sonnenschutzmittel war es ein Viertel.

Quelle: ntv.de, kst

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