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Keine chronische Immunschwäche Affen können gut mit HI-Virus leben

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Rußmangaben gehören zur Familie der Meerkatzenverwandten.

(Foto: imago stock&people)

Manche Affenarten können gut mit dem ursprünglichen HI-Virus leben. Sie entwickeln, anders als der Mensch, nicht die Immunschwächekrankheit Aids. Warum das so ist, untersuchen Forscher und finden in den Genen einen wichtigen Anhaltspunkt.

Forscher sehen den Ursprung der gefährlichen Aids-Erreger in verschiedenen Affenarten, die in Afrika leben. Die sogenannten Simianen Immundefizien-Viren, kurz SIV, sind höchstwahrscheinlich Anfang des 20. Jahrhundert durch die Jagd der Tiere und den Umgang mit infiziertem Fleisch der Affen auf den Menschen übergegangen. Dennoch zeigen mit SIV-infizierte Affen trotz einer hohen Viruslast und langjährigen Infektionen keine Immunschwäche, wie HIV-infizierte Menschen.

Um zu erkennen, warum manche Affenarten, wie beispielsweise die in Westafrika lebenden Rußmangabe keine Immunschwäche zeigen, obwohl sie mit einem nahen HIV-Verwandten infiziert sind, sehen sich Forscher der Emory University in Druid Hills in Georgia und der Universität Ulm die Gene der Tiere genauer an. Sie entschlüsseln zunächst das gesamte Erbgut der Tiere und vergleichen es anschließend mit dem Erbgut anderer Primaten und dem des Menschen. "Wir haben große Unterschiede in einigen Proteinen des Immunsystems entdeckt, die den gutartigen Infektionsverlauf von SIV in Rußmangaben erklären könnten", berichtet David Palesch, der an der Studie mitarbeitet.

Geringe Aktivität im veränderten Gen-Bereich

Besonders aufgefallen sind den Forschern Veränderungen im Erbgut der Rußmangaben beim sogenannten TLR4-Rezeptor. Dieses zelluläre Eiweiß aktiviert normalerweise beim Eindringen von Bakterien das Immunsystems. Bakterien sind es schließlich auch, die die chronische Immunschwäche Aids beim Menschen auslösen. Die Forscher sahen, dass der veränderte Rezeptor bei Rußmangaben nur eine geringe Aktivität zeigt. Daraufhin wurden noch mehr Primaten untersucht. Auch bei den Grünen Meerkatzen und den Angola-Stummelaffen, die beide zu den natürlichen Wirten von SI-Viren zählen, fanden die Forscher die Veränderungen und damit die geringe Aktivität beim TLR4-Rezeptor. Bei nicht-natürlichen Wirten wie dem Menschen oder auch bei Rhesusaffen, die beide nach einer Infektion eine chronische Immunreaktion zeigen und an AIDS erkranken, ist sie hingegen nicht vorhanden. "Wir vermuten, dass die natürlichen Wirte von SIV im Laufe ihrer Evolution Veränderungen im TLR4-Gen entwickelt haben, die eine friedliche Koexistenz mit Immundefizienzviren ermöglichen - ganz ohne eine Immunschwäche zu entwickeln", erklärt Professor Frank Kirchhoff, Direktor des Ulmer Instituts für Molekulare Virologie.

Die Forscher hoffen, dass durch ihre Ergebnisse neue Wege gefunden werden können, um die chronische Aktivierung des Immunsystems durch HI-Viren zu verhindern und so Menschenleben zu retten und die Lebensqualität von HIV-Infizierten zu verbessern. Dafür allerdings sind weiterführende Untersuchungen nötig. Ihre Studienergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Nature".

Quelle: n-tv.de, jaz

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