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Gegen Zytokinsturm Antidepressivum mildert Covid-19-Verlauf

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Zu Beginn der Studie waren die Patienten in häuslicher Quarantäne, viele konnten dort auch bleiben.

(Foto: imago images/Westend61)

Normalerweise wird das Medikament Fluvoxamin unter anderem zur Behandlung von Angst- und Zwangsstörungen eingesetzt. US-Forscher gaben es jedoch nun Covid-19-Erkrankten, um eine Verschlimmerung des Zustandes abzuwenden. Die Ergebnisse sind ermutigend.

Ein sogenannter Zytokinsturm gehört zu den erheblichen Komplikationen einer Covid-19-Erkrankung. Dabei entgleist die Reaktion des Immunsystems und führt zu schweren entzündlichen Reaktionen in der Lunge oder in anderen Organen. In einer Studie hat sich nun ein Antidepressivum als vorbeugend gegen diese überbordende Zytokinproduktion als wirksam erwiesen.

Für ihre Untersuchung erfasste ein Team um Eric Lenze von der Washington University School of Medicine vom 10. April bis zum 5. August Patienten im Großraum St. Louis, im US-Bundesstaat Missouri. An der Studie nahmen 152 Patienten mit bestätigter Corona-Infektion teil, die zwar schon unter leichten Symptomen von Covid-19 litten, bei denen die Sauerstoffsättigung mit einem Wert von 96 bis 98 Prozent aber noch nicht abgefallen war.

Die Teilnehmer erhielten bis zu dreimal täglich entweder 100 Milligramm des Antidepressivums Fluvoxamin oder ein Placebo. Das Ziel war, einen Zytokinsturm im Keim zu ersticken. Dafür erschien Fluvoxamin, das als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer häufig zur Behandlung von Zwangsstörungen (OCD), sozialer Angststörung und Depression eingesetzt wird, als geeignet. Denn es verstärkt in den Zellen die Wirkung des Sigma-1-Rezeptors. Er ist an der Regulation der zellulären Stressantwort beteiligt. Dieser bisher wenig erforschte Abwehrmechanismus von Zellen gilt als Auslöser eines Zytokinsturms. In einer Studie, die im vergangenen Jahr an Mäusen durchgeführt worden war, hatte Fluvoxamin die Stressantwort gestoppt und die Mäuse so vor einer tödlichen Sepsis geschützt.

Schwere Erkrankung verhindern

Bei der neuen Untersuchung, die im US-Ärzteblatt veröffentlicht wurde, wollten die Forschenden herausfinden, ob sich dieses Ergebnis auf Menschen übertragen lässt. Da sich die Teilnehmer in häuslicher Quarantäne befanden, wurde die neue Studie "kontaktlos" durchgeführt. Die Krankheitsentwicklung wurde über elektronische Krankenakten, E-Mails und Telefonkontakte verfolgt. Die Medikamente, Puls- und Blutdruckmessgeräte sowie Fieberthermometer wurden den Teilnehmern per Boten zugeschickt.

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Nach 15 Tagen zeigte keiner der 80 Patienten, die das Medikament erhalten hatten, eine ernsthafte klinische Verschlechterung. In der gleichen Zeit wurden sechs der 72 Placebo-Patienten (8,3 Prozent) schwer krank, vier mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

"Die Patienten, die Fluvoxamin einnahmen, entwickelten keine ernsthaften Atembeschwerden oder mussten wegen Problemen mit der Lungenfunktion ins Krankenhaus eingeliefert werden", sagte der Erstautor der Studie, Lenze in einer Mitteilung der Washington University School of Medicine. Er wies darauf hin, dass sich viele Forschende mit Medikamenten beschäftigen, die den am schwersten erkrankten Patienten helfen sollen. "Aber es ist auch wichtig, Therapien zu finden, die verhindern, dass Patienten so krank werden, dass sie zusätzlichen Sauerstoff benötigen oder ins Krankenhaus müssen. Unsere Studie legt nahe, dass Fluvoxamin diese Nische füllen helfen kann." Die Ergebnisse sollen jetzt in einer landesweiten größeren Studie überprüft werden.

Quelle: ntv.de, sba