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Glück ist mehr als Freude Auch Hass kann glücklich machen

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(Foto: imago/Steinach)

Aristoteles wusste es schon vor 2000 Jahren. Nun bestätigen Forscher seine These, dass jene Menschen am glücklichsten sind, die ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Die sich dann freuen und lachen, ärgern und hassen, wenn ihnen danach ist.

Was macht uns Menschen glücklich? Dieser Frage sind israelische Forscher in einer Studie nachgegangen und kommen zu einem überraschendem Ergebnis: Nicht nur Liebe, Leidenschaft und Freude können glücklich machen, auch Ärger, Ablehnung und sogar Hass.

Um herauszufinden, wann Menschen glücklich sind, befragten Forscher um Maya Tamir von der Hebräischen Universität Jerusalem über 2000 Studierende in Brasilien, den USA, Deutschland, Ghana, Israel, Polen, China und Singapur zu ihren Gefühlen, Wünschen und zu ihrer Lebenszufriedenheit.

Studie

The Secret to Happiness: Feeling Good or Feeling Right? Journal of Experimental Psychology, Maya Tamir, Shalom H. Schwartz, Shige Oishi, and Min Y. Kim Online First Publication, August 2017

Ergebnis: Was jemanden glücklich macht, variiert von Person zu Person und wird von den kulturellen Einflüssen beeinflusst. Doch es gibt auch eine globale Gemeinsamkeit: Wer genau das fühlt, was er sich in einem bestimmten Moment wünscht, ist eher mit seinem Leben zufrieden und zeigt weniger depressive Symptome. "Deckt sich der Wunsch nach einer bestimmten Emotion mit dem tatsächlich erlebten Gefühl, kann jede Emotion glücklich machen", fasst Tamir das Resultat zusammen. Hass, Feindseligkeit, Ärger und Geringschätzung sind demnach unter Umständen ebenso Glücksmotoren wie Empathie, Liebe, Vertrauen, Leidenschaft, Begeisterung und Zufriedenheit.

Übersteigerte Erwartungen machen unglücklich

"Alle Gefühle können in einigen Kontexten positiv sein und in anderen negativ, egal ob es sich dabei um angenehme oder weniger angenehme Gefühle handelt", so Tamir. So könne es zum Beispiel sein, dass sich jemand, der einen Artikel über Kindesmisshandlung liest und dabei keine Wut empfindet, denkt, er solle wütender über die Not des Kindes sein, erläutert die Psychologin. Andersherum könne eine Frau, die sich von ihrem Partner, der sie misshandelt, trennen möchte, glücklicher sein, wenn sie weniger Liebe empfinden würde.

Unter den Studienteilnehmern waren diejenigen, die sich Ärger und Hass wünschten, in der Minderheit. Dennoch machten sie in der Untersuchung rund zehn Prozent aus, weitere zehn Prozent wünschten sich weniger gute Gefühle wie Liebe oder Empathie. Die meisten Befragten wünschten sich allerdings mehr angenehme und weniger negative Gefühle in ihrem täglichen Leben.

"Natürlich wollen die meisten gute Gefühle wie Freude oder Liebe empfinden", so die Autoren der Studie. Aber das sei nicht förderlich. So hätten viele Menschen übersteigerte Erwartungen an ihre Gefühle. "Selbst wenn wir uns gut fühlen, wollen wir uns noch besser fühlen - aber das macht uns unglücklicher."

Quelle: ntv.de