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Hydroxychloroquin gegen Corona Autoren ziehen Studienergebnisse zurück

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Der Wirkstoff soll nicht nur keinen Nutzen bei Covid-19-Patienten haben, sondern möglichweise sogar das Sterberisiko erhöhen.

(Foto: AP)

Forschern zufolge hilft das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin nicht gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus - im Gegenteil. Nun distanzieren sich drei der vier Autoren von ihrer umstrittenen Studie. Auch sie haben ihre Zweifel an der Richtigkeit ihrer erhobenen Daten.

Nach massiver Kritik an einer Studie zur Wirksamkeit des Malaria-Mittels Hydroxychloroquin bei Coronavirus-Infektionen haben drei der vier Autoren ihren Rückzug aus der Studie erklärt. Als einziger Studienautor blieb der Wissenschaftler Sapan Desai, der die weitgehend unbekannte Firma Surgisphere betreibt, bei den Studienergebnissen. Zuvor hatte sich die medizinische Fachzeitschrift "Lancet" von der Studie distanziert und die Autoren zu einer Überprüfung ihrer Daten aufgefordert.

Der Studienleiter Mandeep Mehra von der Harvard-Universität sowie die Co-Autoren Frank Ruschitzka vom Universitätsklinikum Zürich und Amit Patel von der University of Utah teilten am Donnerstag mit, sie hätten sich für eine unabhängige Überprüfung der Daten eingesetzt - dies sei jedoch von der Firma Surgisphere, die die Daten geliefert hatte, abgelehnt worden. "Auf Grundlage dieser Entwicklung könnten wir nicht länger für die Richtigkeit der Primärdaten bürgen", begründeten die Autoren ihren Rückzug. Bei den Redakteuren von "Lancet" und den Lesern entschuldigten sich die Wissenschaftler.

Herkunft der ausgewerteten Daten unklar

"Lancet" hatte die Studie am 22. Mai veröffentlicht. Sie kam zu dem Ergebnis, dass Hydroxychloroquin sowie der verwandte Wirkstoff Chloroquin nicht nur keinen Nutzen bei Covid-19-Patienten hätten, sondern möglicherweise wegen schwerer Nebenwirkungen sogar das Sterberisiko erhöhten. Daraufhin hatten mehrere Länder die Behandlung von Covid-19-Erkrankten mit dem Malariamittel untersagt, die Weltgesundheitsorganisation WHO setzte klinische Tests mit dem Mittel unter Verweis auf die Studie vorübergehend aus. Inzwischen wurden die klinischen Studien wieder aufgenommen.

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Eine Woche nach der Veröffentlichung in "Lancet" äußerten sich Dutzende Forscher aus aller Welt in einem offenen Brief skeptisch über die Studie. Ihre eingehenden Prüfungen hätten "sowohl Besorgnis angesichts der Methodik als auch der Erhebung der Daten ausgelöst", erklärten sie. In dem offenen Brief wird eine lange Liste von aus Sicht der Unterzeichner problematischen Punkten angeführt. In der Folge distanzierte sich auch die Fachzeitschrift selbst und beauftragte die Autoren damit, ihre Daten zu überprüfen.

Für die Studie hatten die Forscher die Daten von 96.000 Patienten in Hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet. Die Daten stammten von Surgisphere, das nach eigenen Angaben auf die Analyse von Gesundheitsdaten spezialisiert ist. In ihrem offenen Brief kritisieren die Forscher unter anderem, dass andere Wissenschaftler keinen Zugang zu den Rohdaten erhielten. Auch werde nichts über die Länder und die Krankenhäuser gesagt, aus denen die Daten kommen.

Quelle: ntv.de, lri/AFP