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Wirkung "sehr beträchtlich" Brände in Sibirien schaden dem Weltklima

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In einigen Regionen Sibiriens gibt es alljährlich große Waldbrände.

(Foto: imago stock&people)

Millionen Hektar Land haben Brände in Sibirien schon verwüstet. Das hat nicht nur gesundheitliche Folgen für Anwohner und beeinträchtigt den Flugverkehr. Umweltschützern zufolge löst die Zerstörung großer Waldflächen zudem eine fatale Klimawandel-Spirale aus und trägt zur Eisschmelze in der Arktis bei.

Riesige Rauchschwaden und beißender Brandgeruch liegen derzeit über Sibirien. Waldbrände haben in den nordrussischen Weiten bereits mehrere Millionen Hektar Land zerstört. Nicht nur in den kleinen Orten rund um die Brandherde, sondern auch in Großstädten und sogar im Nachbarland Kasachstan leiden die Menschen unter den Folgen. Gesundheitliche Beschwerden und Beeinträchtigungen des Flugverkehrs sind jedoch nicht die einzigen Folgen der Großbrände. Umweltschützer warnen, dass die Zerstörung riesiger Waldflächen in Sibirien eine gefährliche Klimawandel-Spirale auslöse und direkt zur Eisschmelze in der Arktis beitrage.

In den entlegenen Gebieten Sibiriens gibt es alljährlich große Waldbrände. Vielfach greifen die Behörden nur ein, wenn Menschenleben in Gefahr sind. Dieses Jahr haben die Brände aber ein außergewöhnliches Ausmaß erreicht. Nach Behördenangaben vom Montag gingen bereits 3,2 Millionen Hektar Land in Flammen auf. Betroffen sind insbesondere die Gegenden von Jakutien, Krasnojarsk und Irkutsk.

"Anormale" Hitze für die Region

Die nationale Forstbehörde gibt an, dass die Feuer durch eine für diesen Landesteil "anormale" Hitze von um die 30 Grad und heftige Winde angefacht werden. Seit Wochen sind etwa hundert Orte in den Brandgebieten von Rauch eingehüllt, für sie wurde der Katastrophenzustand ausgerufen.

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Die Brücke über den Jenissei und Krasnojarsk verschwinden fast im Rauch. (Bild vom 25. Juli 2019)

(Foto: imago images / ITAR-TASS)

Und auch die großen Städte in den Regionen Tomsk, Altai, Jekaterinburg und Tscheljabinsk bekommen die Folgen der Waldbrände zu spüren. Auf einigen Flughäfen ist der Flugverkehr wegen der Rauchschwaden beeinträchtigt.

"Der Rauch ist schrecklich", sagte die Rentnerin Raïsa Browkina, die nach einer Ohnmacht auf offener Straße in westsibirischen Großstadt Nowosibirsk ins Krankenhaus eingeliefert wurde, dem Sender Pervy Kanal. "Ich bekommen keine Luft, ich habe Schwindelanfälle."

Am Sonntag erreichte der Rauch von zwei Waldbränden in Sibirien auch das Nachbarland Kasachstan. In der Hauptstadt Nur-Sultan und anderen Gegenden stieg die Feinstaubkonzentration über den Grenzwert, wie die kasachische Meteorologiebehörde laut örtlichen Medien mitteilte.

"Schon lange kein lokales Problem mehr"

Greenpeace Russland hebt hervor, dass die Waldbrände im Osten des Landes "schon lange kein lokales Problem mehr" seien. Vielmehr handele es sich um "eine Umweltkatastrophe auf nationaler Ebene". Die Umweltorganisation gibt an, dass dieses Jahr insgesamt bereits zwölf Millionen Hektar Land niedergebrannt seien. Durch die Brände selbst würden große Mengen an klimaschädlichem Kohlendioxid freigesetzt und außerdem könne niedergebrannter Wald auch kein CO2 mehr speichern.

Hinzu komme noch das "Problem der Rußpartikel, die auf Eis und Schnee fallen", warnt die Weltorganisation für Meteorologie in einer Stellungnahme gegenüber AFP. Der Ruß lasse das Eis schmelzen oder sorge durch die Verdunkelung der Schnee- und Eisflächen dafür, dass sie nicht mehr so viel Sonnenlicht reflektierten und somit weniger zur Kühlung der Erde beitrügen.

Rauchwolken haben bereits die Arktis erreicht

*Datenschutz

Auf Bildern der US-Weltraumbehörde Nasa, die über Twitter verbreitet wurden, ist zu erkennen, dass beeindruckende Rauchwolken bereits die Arktis erreicht haben. Grigori Kuxin von Greenpeace Russland sagt, dass Ruß und Asche die Eisschmelze in der Arktis und das Auftauen von Permafrostböden beschleunigten. Die Wirkung der Waldbrände in Sibirien auf das Klima sei somit "sehr beträchtlich".

Kuxin warnt vor einem gefährlichen Teufelskreis: "Je mehr die Brände das Klima beeinflussen, desto günstiger sind die Bedingungen für neue gefährliche Brände." Greenpeace Russland startete daher eine Petition, in der die russischen Behörden aufgerufen werden, mehr gegen die Waldbrände zu unternehmen.

Kuxin wendet sich entschieden dagegen, dass die örtlichen Behörden in entlegenen Gebieten Sibiriens nur dann gegen Brände vorgehen, wenn die zu erwartenden Brandschäden größer sind als die Kosten eines aufwändigen Feuerwehreinsatzes. "Man muss von Beginn an so viel löschen wie möglich", fordert der Umweltschützer. "Man muss planen und die Mittel aufstocken, aber bei uns wird weiter gespart."

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Quelle: n-tv.de, Maria Panina, AFP

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