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Senatorin geht auf Distanz Breite Kritik an Corona-Papier aus Hamburg

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In einem Tweet der Uni Hamburg ist ebenfalls von einer Studie die Rede.

(Foto: @Twitter Screenshot)

Mit seinen Thesen über den Corona-Ursprung tritt ein Hamburger Uni-Professor eine Debatte um wissenschaftliche Standards los. Nicht nur die Studentenvertretung zeigt sich empört, auch die Wissenschaftsbehörde der Hansestadt sieht die Arbeit kritisch.

Hamburgs Wissenschaftsbehörde ist bei dem umstrittenen Papier des Nanowissenschaftlers Roland Wiesendanger von der Universität Hamburg zum Ursprung des Coronavirus vorsichtig auf Distanz gegangen. "Wissenschaftsfreiheit ist ein unverrückbares Gut. Gleichwohl gilt für alle Formen wissenschaftlicher Forschung, dass bei unklarer oder unsicherer Datenlage Zurückhaltung in der Bewertung angebracht ist", sagte ein Sprecher von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank.

Der Nanowissenschaftler Wiesendanger kommt in einem Papier zum Ergebnis, dass sowohl die Zahl als auch die Qualität der Indizien für einen Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan als Ursache der Pandemie sprechen. Seine Quellen sind dabei unter anderem Youtube-Videos - womit er eine Welle der Empörung im Netz ausgelöst hat. Dem ZDF sagte er auf Nachfrage, sein Papier sei nicht als Studie für den wissenschaftlichen Diskurs gedacht, sondern für "die Öffentlichkeit".

Die Uni Hamburg selbst erklärte, das Papier sei als "Denkanstoß" gedacht, deklarierte es aber in seiner Pressemitteilung selbst als "Studie". Dem widersprach auch die Studentenvertretung der Uni selbst. Das Papier von Wiesendanger entspreche "nicht den wissenschaftlichen Standards, die wir von einer Universität erwarten", hieß es in einem Tweet des Asta Uni Hamburg. Stattdessen spiele es "nur Verschwörungstheoretiker*innen in die Hände und schürt anti-asiatischen Rassismus".

Die Hamburger Professorin für Digitalen Journalismus, Juliane Lischka, kritisierte die Publikation ebenfalls auf Twitter. Sie weise klare Desinformations-Merkmale auf, schrieb Lischka. "Keine Verantwortlichen haben reagiert." Es werde ein "trauriges Fallbeispiel in meinem Desinformations-Seminar".

Uni will keine Zensur ausüben

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Der Sprecher Fegebanks verwies zudem darauf, dass ein Team der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "erst vor wenigen Tagen einen umfangreichen Bericht zum Ausbruchsgeschehen in Wuhan vorgelegt" habe und darin zu anderen möglichen Szenarien gekommen sei. Wann der endgültige WHO-Bericht zu den Untersuchungen einer internationalen Expertengruppe über den Virus-Ursprung in China vorgelegt wird, steht nach wie vor nicht fest.

Die Universität wollte die Untersuchung nicht kommentieren. "Die Hochschulleitung und die Pressestelle der Universität Hamburg üben keine Zensur zu Forschungsgegenständen und -ergebnissen ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus", sagte eine Sprecherin. Dem ZDF hatte Wiesendanger gesagt, die Veröffentlichung sei gemeinsam mit Uni-Präsident Dieter Lenzen geplant gewesen.

Quelle: ntv.de, jug/dpa