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Mehr als ein Rauschmittel Cannabis: die Droge als Medikament

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Einige hundert Menschen demonstrierten im Mai 2015 in Bremen für die Legalisierung von Cannabis.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dass Cannabis auf die Psyche wirkt, ist bekannt: Es kann heiter machen und gelassen. Doch die Hanfpflanze hat noch viel mehr auf Lager. Viele Menschen mit schweren Erkrankungen könnten von ihr profitieren - wären da nicht hohe rechtliche und finanzielle Hürden.

In der Heilkunde hat Cannabis eine lange Tradition: Schon vor 6000 Jahren soll die Hanfpflanze in China zu Heilmitteln verarbeitet worden sein. In Deutschland sind Cannabisprodukte zur Herstellung von Arznei seit 2011 verkehrsfähig. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig:

Krebs- und Aids-Patienten wird Cannabis gegen Übelkeit und Appetitlosigkeit verschrieben. Indirekt hilft es also dabei, der schnellen Gewichtsabnahme und massiven Schwächung der Patienten etwas entgegenzusetzen. Bei Glaukompatienten kann Cannabis den Augeninnendruck reduzieren; Menschen mit Tourette-Syndrom haben unter Einfluss von Cannabis ihre Tics besser im Griff. Bei Multipler Sklerose trägt die Droge zur Muskelentspannung bei, denn die Hauptinhaltsstoffe von Cannabis – Delta-9-Tetrahydrocannabiol (THC) und Cannabidiol (CBC) – wirken krampflösend und unterdrücken Spasmen. Auch starke chronische Schmerzen lassen sich mit Cannabis lindern. Neben den körperlichen Effekten ist da noch die stimmungsaufhellende Wirkung der Droge, von der chronisch kranke Menschen profitieren.

Denn bekanntermaßen wirkt Cannabis auf die Psyche: Ein Joint kann Heiterkeit und Euphorie auslösen, Entspannung, Gelassenheit und Unbefangenheit können sich einstellen, das Zeitgefühl verändert sich vielleicht, die Sinneseindrücke werden intensiver. Bei unerfahrenen Konsumenten kann der Effekt allerdings auch in die andere Richtung ausschlagen. Dann entwickeln sich statt eines Hochgefühls eher Angst und Panik, begleitet von Herzrasen, Übelkeit und Schwindel.

Krankenkassen zahlen nur bei MS

Bei regelmäßigem Konsum kann Cannabis abhängig machen. Die Dosis lässt sich dann nicht reduzieren, ohne dass Nervosität, Ängstlichkeit oder Depressionen aufkommen. Regelmäßig konsumiert, beeinträchtigt Cannabis zudem die kognitive Leistungsfähigkeit. Aufmerksamkeit, Konzentrationsvermögen und Lernfähigkeit lassen nach. Ob die Droge bleibende Hirnschäden verursacht, ist noch ungeklärt.

Die negativen Begleiterscheinungen und die psychoaktive Wirkung sind es, die dazu führen, dass Cannabis erst dann verschrieben werden darf, wenn alle anderen Therapiemaßnahmen versagt haben. Cannabis fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Wer es als Medikament nutzen will, braucht eine Ausnahmeerlaubnis von der Bundesopiumstelle sowie ein Rezept. Und wer Letzteres in den Händen hält, muss die Kosten für die Behandlung dennoch fast immer selbst tragen.

In Deutschland ist nur ein Cannabis-Mittel als Arznei zugelassen: Es ist ein Mundspray, das bei Multipler Sklerose (MS) Anwendung findet. Für dieses Mittel kommen die Krankenkassen bei MS-Patienten auf. Bei allen anderen medizinischen Indikationen jedoch, wo Cannabis in Kapseln verabreicht wird, muss der Patient selbst zahlen. Da geht es um viel Geld: Je nach Dosis können für das Medikament monatlich bis zu 800 Euro fällig werden. Wer sich das nicht leisten kann, setzt womöglich eher auf den Eigenanbau von Hanf und aufs Rauchen. Das jedoch ist Gift für den Körper. Der Lunge schadet es erheblich.

Quelle: n-tv.de, asc

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