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Riskantes Manöver zwischen Saturn und seinem innersten Ring: Cassini kommt dem Planeten näher und näher, bis sie kontrolliert abstürzt.
Riskantes Manöver zwischen Saturn und seinem innersten Ring: Cassini kommt dem Planeten näher und näher, bis sie kontrolliert abstürzt.(Foto: NASA/JPL-Caltech/dpa)
Mittwoch, 26. April 2017

Dem Saturn so nah wie nie: Cassini-Sonde startet ins große Finale

Vor 20 Jahren ist die Nasa-Sonde Cassini ins All gestartet, jetzt steht das große Finale bevor: Sie taucht zwischen dem Saturn und seinen Ringen hindurch - eine Region, in die bislang kein irdisches Gerät vorgedrungen ist.

Es ist der gefährlichste Teil der Mission, der jetzt auf dem Plan steht: 13 Jahre nach ihrer Ankunft am Saturn soll die Raumsonde Cassini zwischen dem Planeten und seinem innersten Ring hindurchfliegen - und das gleich 22 Mal. "Noch nie ist ein Raumschiff durch diese einzigartige Region geflogen", sagt Nasa-Manager Thomas Zurbuchen. "Was wir von Cassinis wagemutigen abschließenden Umkreisungen lernen werden, wird unser Verständnis davon verbessern, wie gigantische Planeten und Planetensysteme überall sich formieren und entstehen. Das ist wirklich Entdeckung in Aktion bis zum Schluss."

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Bis zum Schluss - denn mit diesem Höhepunkt der Mission geht es auf Cassinis Ende zu. Am 15. September soll die Sonde kontrolliert auf den Saturn hinabstürzen. Nach 20 Jahren im All geht ihr Treibstoff zur Neige. Für die Nasa ist das der richtige Zeitpunkt, um noch eben das riskante Annäherungs-Manöver zu wagen. Nur rund 2400 Kilometer groß ist die Lücke zwischen dem Saturn und seinem innersten Ring. Und das Magnetfeld des Planeten ist stark. Noch dazu strömen dort große Mengen Staub und anderer Teilchen von den Ringen zum Planeten. Das alles kann der Sonde gefährlich werden.

"Wir erwarten zwar anhand unserer Modelle, dass es in der Lücke kaum größere Partikel gibt, die die Sonde beschädigen könnte", erklärt Zurbuchen. "Aber aus Vorsicht werden wir bei der ersten Passage Cassinis große Antenne als Schutzschild nutzen. Dabei werden wir bestimmen, ob es sicher ist, die sensiblen wissenschaftlichen Instrumente bei den nächsten Passagen dieser Umgebung auszusetzen."

Schon jetzt ein Erfolg

Der Kontakt zu Cassini ist daher bei der ersten Passage durch die Lücke am heutigen Mittwoch unterbrochen. Erst einen Tag später, am 27. April, wird Cassinis Hauptantenne wieder zur Erde ausgerichtet und die Daten und Aufnahmen gelangen zu uns. Die Wissenschaftler hoffen auf wertvolle Informationen zum Magnetfeld, den Polarlichtern und der Atmosphäre des Saturn. Außerdem erwarten sie Nahaufnahmen von seiner Gashülle und den inneren Ringen. "Cassini wird einige ihrer herausragendsten Entdeckungen am Ende ihres langen Lebens machen", sagte Nasa-Wissenschaftlerin Linda Spilker.

Doch schon vorher haben die Forscher durch die Cassini-Mission, an der neben der Nasa auch die Esa, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie Institute der Max-Planck-Gesellschaft beteiligt sind, viel über den Saturn, seine Ringe und seine Monde gelernt: Die Sonde entdeckte einen neuen Ring sowie Stürme auf dem Planeten, machte Fotos von Eisvulkanen auf dem Saturn-Mond Enceladus und lieferte Hinweise auf einen großen See am Nordpol des Mondes Titan, bestehend aus flüssigem Methan und anderen Kohlenwasserstoffen. An diesem Mond war Cassini am 22. April noch einmal sehr nah vorbei geflogen. Seine Anziehungskraft brachte die Sonde auf den richtigen Kurs zwischen Saturn und seinen Ringen.

Bis zum Schluss, bis zum kontrollierten Absturz, soll Cassini Daten zur Erde senden. "Cassinis großes Finale ist so viel mehr als ein finales Abtauchen", sagte Spilker. "Es ist ein aufregendes letztes Kapitel unserer Sonde und so reich an Wissenschaft, dass es die offensichtliche Wahl zum Abschluss der Mission war." Als Erfolg jedoch gilt Cassinis Saturn-Reise bereits jetzt.

Quelle: n-tv.de