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Augenschutz trotzdem empfohlen Corona dringt wohl nicht über Augen ein

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Nur drei Prozent von 2000 Covid-19-Patienten hatten Zeichen einer Bindehautentzündung.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Gelangt das Coronavirus auch über die Augen in den menschlichen Körper? Das wäre nicht unplausibel, weil es auch dort Schleimhäute gibt, die angegriffen werden können. Doch Untersuchungen von Augenärzten können das nicht bestätigen. Vorsicht bleibt dennoch geboten.

Sars-CoV-2 ist hochgradig infektiös und wird hauptsächlich durch das Einatmen von Tröpfchen oder Aerosolen übertragen. Immer wieder wurde aber auch eine Infektion über das Auge diskutiert. Möglich erschien eine Ansteckung über die Schleimhäute, einschließlich der Bindehaut.

Auf der virtuellen Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) kamen Augenärzte nun jedoch zu dem Schluss, dass eine Sars-CoV-2-Infektion über die Augenoberfläche eher unwahrscheinlich ist. Das berichtet die "Ärztezeitung".

Demnach verwies Professor Clemens Lange vom Universitätsklinikum Freiburg auf Studien mit mehr als 2000 Covid-19-Patienten, von denen lediglich drei Prozent Zeichen einer Bindehautentzündung hatten. Dies spreche seiner Ansicht nach gegen einen relevanten Infektionsweg über die Bindehäute. Hinzu komme, dass die Augenentzündungen auch eine Folge der intensivmedizinischen Behandlung gewesen sein können.

Wenig relevant

Auch die Untersuchungen an verstorbenen Covid-19-Erkrankten hätten keine Hinweise auf vermehrt vorhandene Bindehautentzündungen geliefert. Bei den in Bonn, Basel und Tübingen untersuchten Toten wurde zudem keine erhöhte Viruslast in den Augen nachgewiesen.

Lange sagte auf dem Kongress: "Ich deute die aktuelle Studienlage so, dass die Bindehaut im Vergleich zu anderen Geweben wie der Lunge eine wenig relevante Eintrittsstelle und ein wenig relevanter Replikationsort für Sars-CoV-2 darstellt."

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Völlige Entwarnung wollten die Augenärzte aber nicht geben. So sei noch unklar, ob auf der Horn- und der Bindehaut molekulare Eintrittspforten für das Virus vorhanden sind. Grundsätzlich könne man nicht ausschließen, dass virusbelastete Aerosole den Tränenfilm von Gesunden erreichen und dann über die ableitenden Tränenwege in der Nasenschleimhaut und den Atemwegen ankommen, um dort eine Infektion auszulösen.

Auch Schmierinfektionen mit den Händen über die Augen scheinen möglich. Deshalb empfehlen die Augenärzte weiterhin bei engem Kontakt mit Covid-19-Patienten das Tragen von Schutzbrillen, welche die Augen umschließen.

Quelle: ntv.de, sba