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Bloß nicht durchdrehen! Corona trifft die Psyche aller

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Corona-Pandemie: Mehr Angst, mehr depressive Symptome bestätigen Forscher.

(Foto: imago images/Rolf Kremming)

Die Corona-Pandemie und die dazugehörigen Maßnahmen verunsichern viele. Manche macht sie besorgt, andere wütend. Wie sich die besonderen Verhältnisse auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung Deutschlands auswirkt, erklären Forscher.

Nicht nur eine Infektion mit Sars-CoV-2 hat gesundheitliche Auswirkungen. Auch die Maßnahmen, die zum Schutz der Bevölkerung ergriffen wurden, zeigen deutliche Veränderungen der Gesundheit. Das sind die ersten Ergebnisse, die ein Forscherteam um Professorin Annette Peters im Rahmen der sogenannten NAKO-Gesundheitsstudie herausgefunden hat.

Für die aktuelle Befragung konnten die Wissenschaftler einen Teil der Probanden der NAKO-Gesundheitsstudie gewinnen. In dieser groß angelegten Untersuchung wurden zwischen 2014 und 2019 insgesamt 205.219 Personen nach dem Zufallsprinzip im Alter zwischen 20 und 69 Jahren für eine medizinische Basisuntersuchung ausgewählt. Die Untersuchungen wurden bisher in 18 verschiedenen Studienzentren durchgeführt. Sie sollen klären, wie weit verbreitet chronische Erkrankungen wie beispielsweise Krebs, Diabetes oder Rheuma sind, um Prävention, Früherkennung und Behandlung solcher Erkrankungen zu verbessern, erklärt die NAKO in einer Mitteilung.

114.000 gaben Antworten

An der Sonderbefragung während des ersten Lockdowns im Land nahmen knapp 160.000 Menschen teil. Die Forscher konnten bis Ende Mai auf die Antworten von knapp 114.000 Befragten zurückgreifen und die Daten auswerten. Die Studienteilnehmenden wurden gefragt, ob bei ihnen ein Corona-Test durchgeführt worden war und welche Covid-19-Symptome sie hatten. Unter den Befragten, die aus 16 Studienregionen kommen, hatten 344 einen positiven Coronatest. Das war ein Anteil von 0,3 Prozent. Insgesamt hatten sich bis Mai 2020 4,6 Prozent der Befragten testen lassen.

Darüber hinaus wurden die subjektiv empfundenen Veränderungen des psychischen und allgemeinen Gesundheitszustands während der verschärften Pandemie-Maßnahmen zu Beginn des Jahres abgefragt. Die Daten wurden dann mit denen verglichen, die ein bis fünf Jahre vor der Pandemie erhoben worden waren. Die Forscher sahen, dass Angst- und Depressionssymptome bei den Teilnehmenden unter 60 Jahren zugenommen hatten, besonders bei jungen Frauen. Der Anteil derjenigen, die moderate bis klinisch relevante depressive Symptome angaben, stieg von 6,4 auf 8,8 Prozent. Der selbst empfundene Stress nahm in allen Altersklassen sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu. Vor allem die Gruppe der 30- bis 49-Jährigen machte solche Angaben.

Tests bringen Verschlechterungen

Bei den Probanden, die einen Corona-Test machen ließen, hatte sich nach eigenen Angaben sowohl die psychische als auch die allgemeine Gesundheit im Vergleich zu Nichtgetesteten verschlechtert. 32 Prozent dieser Gruppe gaben überraschenderweise an, in der Zeit der Pandemie in einem besseren Gesundheitszustand zu sein im Vergleich zum Zeitpunkt der Basisuntersuchung.

Insgesamt deuten die Ergebnisse den Autoren zufolge auf gesundheitliche Effekte in der Bevölkerung hin, die deutlich über die direkten gesundheitlichen Auswirkungen von Covid-19 hinausgehen. Die Ergebnisse wurden im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht.

Quelle: ntv.de, jaz