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Forscher zu Seuche in China Coronavirus springt von Mensch zu Mensch

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Lungenseuche in China: Reisende am Flughafen von Schanghai tragen Mundschutz.

(Foto: REUTERS)

Eine neue Seuche versetzt China in Alarmbereitschaft. Nun stellt ein Forscher klar: Die Lungenkrankheit kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Experten befürchten, dass bereits 1700 Chinesen mit dem Coronavirus infiziert sein könnten. In Europa ist bisher kein Fall bekannt.

Die neuartige Lungenkrankheit in China breitet sich überraschend schnell aus: Die Behörden sprachen von landesweit über 200 Infizierten, nachdem zuvor nur von einigen Dutzend Patienten die Rede gewesen war. Nach Einschätzung des renommierten chinesischen Experten Zhong Nanshan überträgt sich der neue Erreger nicht nur von Tier zu Mensch, sondern auch von Mensch zu Mensch. Der Experte der staatlichen Gesundheitskommission schilderte dem Sender CCTV, zwei Patienten in Guangdong hätten sich bei erkrankten Angehörigen angesteckt, ohne vorher selbst Wuhan besucht zu haben. Zhong hatte unter anderem 2003 daran mitgewirkt, das ganze Ausmaß der Sars-Epidemie in China bekannt zu machen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berief derweil ihren Notfallausschuss ein. Die Experten sollen am Mittwoch darüber beraten, ob eine Gesundheitsnotlage ausgerufen werden soll. Diese unabhängigen Experten empfehlen auch Maßnahmen, die möglicherweise ergriffen werden sollten.

Insgesamt gaben die chinesischen Behörden fast 140 neue Fälle von Erkrankungen bekannt. Damit wurde laut dem staatlichen Fernsehsender CCTV inzwischen bei 218 Patienten in der Volksrepublik der neuartige Erreger diagnostiziert. Unter ihnen sind 170 Patienten in der zentralchinesischen Stadt Wuhan, wo die Lungenkrankheit im Dezember zum ersten Mal aufgetreten war. Dort starb ein dritter Patient.

In Peking wurde das neuartige Virus bei fünf Patienten und in Shanghai bei einem Patienten nachgewiesen, die südchinesische Provinz Guangdong meldete 15 Fälle. Zudem gibt es Nachweise bei Menschen in Thailand, Japan und Südkorea, die zuvor in Wuhan waren. In Europa wurden bisher keine von Reisenden eingeschleppten Fälle bekannt.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Wuhan war das Virus zuerst im Dezember auf einem dortigen Fisch- und Geflügelmarkt aufgetreten. Bisher hatten die Behörden aber stets darauf hingewiesen, dass es noch keinen Nachweis für eine Übertragung von Mensch zu Mensch gebe. Laut Zhong stehen 95 Prozent der Fälle mit Wuhan in Verbindung.

Staatschef Xi gibt Anweisungen: Zeitnah veröffentlichen

Das neue Virus gehört zur Familie der Coronaviren, zu der auch der tödliche Sars-Erreger gehört. An der Sars-Epidemie waren in den Jahren 2002 und 2003 knapp 350 Menschen in Festlandchina sowie knapp 300 weitere in Hongkong gestorben.

Zum ersten Mal schaltete sich auch Chinas Staatschef Xi Jinping in die Debatte ein. Der Präsident habe "wichtige Anweisungen gegeben, damit der Ausbreitung der Epidemie mit aller Kraft Einhalt geboten wird", verkündete CCTV. Das Retten von Menschenleben habe "oberste Priorität". Zugleich forderte Xi die Behörden auf, "Informationen zeitnah zu veröffentlichen und die internationale Zusammenarbeit zu vertiefen".

Die Hiobsbotschaft von der Ausbreitung des Virus kam wenige Tage vor dem chinesischen Neujahrsfest am kommenden Wochenende. Rund um das Fest sind jedes Jahr Millionen Chinesen per Zug, Bus oder Flugzeug im Land und in ganz Asien unterwegs, was potenziell das Risiko weiter steigert. Das Londoner Zentrum für die Analyse globaler Viruserkrankungen schätzt ohnehin, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten schon jetzt deutlich höher liegt als von Peking angegeben: Es teilte am Freitag mit, dass es von mehr als 1700 Infizierten ausgehe.

Kontrollen am Flughafen in Rom

Für Deutschland besteht nach Einschätzung der Bundesregierung derzeit keine akute Gefahr. Das Bundesgesundheitsministerium verwies auf eine Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, wonach das Risiko für Deutschland "sehr gering" sei. Der Ausbruch der Krankheit sei aber "Grund für besondere Beobachtungen und Analysen". Das Auswärtige Amt erklärte in seinen Reisehinweisen für China, das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan werde als "moderat" eingeschätzt. Es rief Reisende dazu auf, den Kontakt mit kranken Menschen und Tieren zu vermeiden, keine Märkte mit Tierprodukten aufzusuchen und "auf eine adäquate Handhygiene" zu achten. Bei Fieber und Anzeichen einer Atemwegsinfektion solle sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Italien führte derweil Kontrollen am Flughafen in Rom ein. Es seien Maßnahmen ergriffen worden, um in Rom-Fiumicino mögliche Verdachtsfälle an Bord von Flugzeugen aus der Stadt Wuhan zu überprüfen, teilte das Gesundheitsministerium in Rom mit. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus in die Europäische Union eingeschleppt werde, sei "gering, aber nicht auszuschließen". Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, die Kontrollen sähen vor, dass der Pilot der Maschine melden müsse, ob an Bord Passagiere mit entsprechenden Symptomen seien.

Eine Sprecherin des größten deutschen Flughafens in Frankfurt sagte, es gebe dort momentan keine besonderen Maßnahmen. Der Flughafen sei aber mit dem Gesundheitsamt und den anderen europäischen und internationalen Flughäfen in Kontakt, da einheitlich vorgegangen werden solle.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa