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Studie nennt ZusammenhangWie Optimismus gegen Demenz schützen soll

08.04.2026, 19:20 Uhr
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Sport soll dabei helfen, eine positive Lebenseinstellung zu bekommen - und damit das Demenzrisiko zu verringern. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Wer positiv auf die Welt blickt, schützt offenbar auch seine geistige Gesundheit im Alter. Das legt eine neue Langzeitstudie nahe. Die Forscher betonen auch, dass Optimismus aktiv trainiert werden kann.

Allein in Deutschland sind knapp 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Weltweit etwa 57 Millionen. Bislang gibt es kaum Heilungschancen, Früherkennung und Therapie können aber erheblich zu einem langsameren Krankheitsverlauf beitragen. Deshalb geraten psychologische Faktoren immer stärker in den Fokus der Forschung.

Eine in der "American Geriatrics Society" veröffentlichte Langzeitstudie zeigt nun: Optimismus wirkt wie ein Schutzschild für das Gehirn. Ein internationales Forschungsteam um die finnische Medizinerin Säde Stenlund untersuchte dazu die zwischen 2006 und 2020 gesammelten Daten von 9071 älteren Erwachsenen aus den USA.

Dabei stellten die Forscher fest, dass schon eine leichte Steigerung des Optimismus das Demenzrisiko um 15 Prozent senkt. Bemerkenswert war: Der Effekt blieb auch bei der Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, ethnischer Zugehörigkeit sowie bereits bestehenden Krankheiten wie Herzleiden und Diabetes stabil. Sogar der Einfluss von Depressionen wurde herausgerechnet - den Forschern zufolge zeigt das, dass Optimismus mehr ist als nur die Abwesenheit von Niedergeschlagenheit.

Wie schützt die positive Einstellung?

Die Wissenschaftler vermuten dahinter ein Zusammenspiel aus direkten biologischen Faktoren und indirekten Verhaltensfaktoren: Optimisten weisen demnach häufig eine gesündere Immunantwort und höhere Werte an Antioxidantien im Blut auf. Diese könnten Entzündungsprozesse im Körper dämpfen, die an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sind.

Gleichzeitig hilft den Autoren zufolge eine optimistische Haltung dabei, Stress besser zu bewältigen. Das wiederum kann die kognitive Alterung verlangsamen. Die Daten zeigten aber auch, dass optimistischere Teilnehmer seltener rauchten, sich häufiger körperlich betätigten und oft über stärkere soziale Netzwerke verfügten.

Aber könnten Menschen nicht nur deshalb pessimistischer sein, weil sich bei ihnen bereits unbemerkt eine Demenz im Frühstadium entwickelt? Um die Frage nach der umgekehrten Kausalität zu entkräften, machten die Forscher eine zusätzliche Analyse: Sie schlossen alle Teilnehmer aus der Wertung aus, die bereits in den ersten zwei Jahren nach der Befragung erkrankten.

Das Ergebnis blieb nahezu unverändert – die Schutzwirkung des Optimismus bestand weiterhin. Da Optimismus das Erkrankungsrisiko somit auch über ein Jahrzehnt im Voraus vorhersagen konnte, ist es unwahrscheinlich, dass eine negative Stimmung lediglich ein frühes Symptom der Erkrankung war. Vielmehr deutet dies den Forschern zufolge darauf hin, dass eine positive Lebenseinstellung die kognitive Gesundheit tatsächlich fördert und nicht nur widerspiegelt.

Optimismus ist erlernbar

Eine weitere gute Nachricht: Optimismus ist erlernbar. Zwar sei die positive Lebenseinstellung zu etwa 25 Prozent erblich bedingt, so die Autoren. Zahlreiche Untersuchungen zeigten aber, dass sie gezielt durch Übungen und Interventionen gesteigert werden kann. Dazu zählen etwa das Führen von Dankbarkeitstagebüchern, gezieltes Lächeln, Sport und aktives Suchen nach positiven Aspekten in schwierigen Situationen.

Die Studienautoren betonen, dass Optimismus-Trainings ein wertvoller Baustein in der Demenzprävention sein könnten. "Die Einstufung von Optimismus als Schutzfaktor unterstreicht seinen Wert für ein gesundes Altern", heißt es in der Studie.

Quelle: ntv.de, gri

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