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Brummifahrer, Verkäufer, Sekretärin Diese Jobs könnten Roboter übernehmen

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Roboter könnten in der Lage sein, auch Tätigkeiten auszuführen, die viel Fingerfertigkeit verlangen.

(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Die vierte industrielle Revolution steht vor der Tür: Computer werden leistungsfähiger, Roboter geschickter. Immer mehr Berufe werden durch Maschinen ersetzt. Welche in den kommenden Jahren am stärksten gefährdet sind, haben Forscher ermittelt.

Seit der Erfindung der Dampfmaschine haben Maschinen in vielen Bereichen menschliche Arbeitskraft überflüssig gemacht. Nachdem anfangs vor allem Muskelkraft und handwerkliches Geschick durch Maschinen ersetzt wurden, stehen wir nun vor einer womöglich noch viel größeren Revolution: Künstliche Intelligenz, lernende Maschinen und Fortschritte in der Robotertechnik könnten in Bereiche des Arbeitslebens eindringen, in denen Menschen bisher unersetzlich schienen. Eine Studie des Weltwirtschaftsforums prognostiziert, dass in den Industrieländern Roboter bis zum Jahr 2020 rund fünf Millionen Jobs vernichten. Aber welche werden das sein?

Wissenschaftler von der University of Oxford haben bereits 2013 eine Methode entwickelt, mit der sie errechnen, wie anfällig ein Beruf dafür ist, durch einen Roboter oder künstliche Intelligenz ersetzt zu werden. Die beiden Forscher Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne kommen zu dem erschreckenden Ergebnis, dass in den kommenden ein bis zwei Jahrzehnten rund 47 Prozent der Jobs in den USA durch Roboter und Automatisierung gefährdet sein könnten. In Großbritannien sollen immerhin noch 35 Prozent betroffen sein.

Um zu diesem Ergebnis zu kommen, haben sich Frey und Osborne zunächst angeschaut, welche unterschiedlichen Anforderungen Berufe an Menschen stellen. Beispielsweise, inwiefern der Job handwerkliche Fähigkeiten, Fingerfertigkeit oder sonstigen Körpereinsatz erfordert. Oder ob für den Beruf soziale Intelligenz wie Einfühlungsvermögen, Überzeugungskraft oder das Leisten von Hilfestellung für andere Menschen vonnöten ist. Zudem spielt auch Kreativität eine Rolle, wie sie bei künstlerischen Berufen zum Tragen kommt oder solchen, in denen komplexe und schwierige Probleme gelöst werden müssen. Schließlich errechneten die Wissenschaftler - auf Grundlage schon erkennbarer technischer Entwicklungstrends -, wie wahrscheinlich es ist, dass eine dieser Anforderungen von einem Roboter oder Computer ersetzt werden kann.

Steht Dienstleistungsbranche vor Entlassungswelle?

Die Erkenntnis: Als Erstes wird es nach Ansicht der Forscher Berufskraftfahrer, Büro- und Verwaltungshilfskräfte sowie bestimmte Arbeitskräfte in der Industrie erwischen. Der Grund: Viele dieser Tätigkeiten sind heute zwar nicht so simpel strukturiert, dass immer derselbe Vorgang abgearbeitet werden muss. Aber sie weisen gewisse Muster auf, die künftig von lernfähigen Computern erkannt werden können. Deutlich wird das an den Roboter-Autos von Google, die bereits komplexe Verkehrssituationen erkennen und mit ihnen umgehen können. Diese Technik mache mittelfristig alle Fahrer-Berufe überflüssig, heißt es in der Studie. Auch Büro- und Verwaltungshilfskräfte würden durch komplexe Algorithmen verdrängt, die Tätigkeiten, wie das Annehmen und Verwalten von Informationen ebenso gut ausführen könnten.

In den Fabriken würde der bereits seit Jahrzehnten anhaltende Trend zur Automatisierung der Produktion fortschreiten - und ebenfalls weitere Jobs kosten. Vor allem dadurch, dass Roboter künftig verbesserte Sinne und eine höhere Geschicklichkeit aufweisen werden. In der Bauindustrie dürften in Fabriken vorgefertigte Bauteile die Konstruktion von Gebäuden immer weiter automatisieren und den Bedarf an menschlichen Bauarbeitern, Dachdeckern und anderen Handwerkern reduzieren.

Allerdings sind laut der Forschungsarbeit auch viele Jobs im Bereich Dienstleistungen von der kommenden Automatisierungswelle betroffen. Dass die meisten Reinigungskräfte künftig durch Roboter ersetzt werden, ist noch relativ nachvollziehbar - schließlich existieren bereits immer smartere Maschinen wie beispielsweise staubsaugende Roboter.

Erstaunlicher ist hingegen, dass ein großer Teil jener Jobs überflüssig wird, die in den vergangenen Jahrzehnten im Dienstleistungsbereich entstanden sind. So drohe etwa Kassierern im Supermarkt der nahe Jobverlust, glauben die Forscher. Bereits heute gibt es Selbstbedienungskassen bei einigen Einzelhändlern. Aber ebenso dürften Tätigkeiten am Empfang von Hotels, an Bankschaltern, beim Autoverleiher und sogar in Schnellrestaurants und anderen Gaststätten künftig von Robotern ausgeführt werden. Auch Telefonisten in Call Centern müssen sich demnächst möglicherweise neue Berufe suchen, wenn künstliche Intelligenz ihre Jobs am Hörer einnimmt. Die Gefährdung dieser Berufe begründen die Forscher so: Sie alle erfordern zwar eine Interaktion mit Menschen, aber kein hohes Maß an sozialer Intelligenz. Nur Letzteres wäre von Maschinen nach heutigem Stand der Technik nicht zu ersetzen.

Ein Roboter kann keinen Arzt ersetzen

Ebenfalls schwer zu ersetzen sind auch in Zukunft viele Jobs im Management von Unternehmen. Auch Programmierer müssen sich wohl auch künftig nicht um ihre Arbeitsstelle sorgen, ebenso wenig Künstler, Medienschaffende, Lehrer, Ärzte und Pflegepersonal. Tätigkeiten also, die entweder ein hohes Maß an Problemlösungsfähigkeit, Kreativität oder soziale Intelligenz erfordern - oder alles zusammen. Ein Roboter könnte etwa keinen Filmregisseur ersetzen oder einen Chirurgen, der einen komplizierten Eingriff vornehmen muss. Auch das Fördern von Kindern oder Seelsorge können Roboter nicht übernehmen.

Übrigens: Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Job von Robotern und künstlicher Intelligenz bedroht ist, kann bei den Kollegen der BBC ermittelt werden: Auf Grundlage der Analyse von Frey und Osborne steht dort ein Tool zur Verfügung, das darüber Auskunft gibt.

Quelle: n-tv.de

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