Wissen

Aufwendige Studie Eine Booster-Kombination enttäuscht

95cc44dcadfd8e2adcc9ea420505f604.jpg

Die Studie berücksichtigt nicht nur mRNA-Impfstoffe (hier im Bild).

(Foto: dpa)

Dass Kreuzimpfungen zu guten Immunantworten führen, ist durch Studien bereits belegt. Forschende testeten jetzt sieben verschiedene Covid-Impfstoffe an doppelt Geimpften. Ihr Fazit: Alle Booster wirken, aber unterschiedlich stark. Eine Variante sieht besonders schlecht aus.

Ein Team britischer Forscherinnen und Forscher um Victoria Cornelius und Saul Faust hat in einer aufwendigen klinischen Phase-2-Studie sieben verschiedene Covid-Impfstoffe in ihrer Booster-Wirkung getestet. Neben den vier in Europa und Großbritannien bereits zugelassenen Impfstoffen von Astrazeneca, Biontech/Pfizer, Janssen (Johnson & Johnson) sowie Moderna kamen auch die Impfstoffkandidaten von Novavax, Valneva und CureVac zum Einsatz. Dabei wurde in zwei Gruppen von Versuchspersonen jeweils die volle und die halbe Dosis verwendet. Die Probandinnen und Probanden waren zuvor entweder zweifach mit Astrazeneca oder Biontech/Pfizer geimpft. Der im Fachjournal "The Lancet" veröffentlichten Studie zufolge wirkten alle Booster, die Unterschiede in Bezug auf Antikörper- und T-Zell-Antworten im Blut waren aber relativ groß.

Insgesamt nahmen 2878 erwachsene Versuchspersonen an der Studie teil, das festgelegte Mindestalter lag bei 30 Jahren. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden war über 70 Jahre alt. Die Beteiligten erhielten zehn bis zwölf Wochen nach ihrer zweiten Impfdosis eine Booster-Impfung. Die Versuchspersonen wurden in je 13 Versuchs- und Kontrollgruppen aufgeteilt, in denen sie dann jeweils entweder die verschiedenen Booster-Impfstoffe in voller oder halber Dosierung oder ein Placebo bekamen.

Grundsätzlich sei durch alle Booster-Impfungen die im Labor feststellbare Immunantwort gesteigert worden, schreiben die Forschenden - mit einer Ausnahme. Eine Booster-Dosis mit Valneva zeigte in allen Gruppen nur eine schwache Wirkung. Für den Totimpfstoff wird demnächst mit einer Zulassung gerechnet.

Voller Schutz nach vier Wochen

Die Steigerung der Antikörperantworten gegenüber der Zweitimpfung reichte vom Faktor 1,3 bei einer halben Dosis Valneva nach zwei Dosen Biontech bis zum 32,3-fachen, dem Ergebnis nach einer vollen Dosis Moderna nach zwei Dosen Astrazeneca. Etwa 28 Tage nach der Booster-Impfung gab es in den verschiedenen Altersgruppen keinen Unterschied mehr hinsichtlich der Immunreaktion. Die Wissenschaftler interpretieren das als den Zeitraum, ab dem der volle Schutz durch die Booster-Impfung hergestellt ist.

In der Gruppe derjenigen, die zwei Dosen Astrazeneca als Grundimmunisierung erhalten hatten, konnten die Immunwerte mit einer vollen Dosis Biontech/Pfizer (Faktor 24,48) oder Moderna (Faktor 32,3) am stärksten gesteigert werden. Diejenigen, die mit Biontech grundimmunisiert waren, hatten dabei deutlich höhere Grundimmunitätswerte als die erste Gruppe. Bei ihnen wirkten eine weitere Dosis Biontech (Faktor 8,11) und Moderna (Faktor 11,49) am besten. Die Wirkung von Novavax wiederum war mit der von Astrazeneca und Janssen vergleichbar, in diesen Fällen konnten die Antikörper um das Fünf- bis maximal Achtfache gesteigert werden.

Generell sei die Menge der Impfreaktionen nach dem Boostern "akzeptabel" gewesen, schreiben die Autoren. Vor allem jüngere Versuchspersonen hätten mit Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen reagiert. Am häufigsten kam es zu Schmerzen an der Einstichstelle. Am stärksten fielen die Reaktionen aus, wenn eine Booster-Impfung von Moderna nach einer Grundimpfung von Astrazeneca gegeben wurde und wenn auf eine Grundimpfung mit Biontech/Pfizer eine Auffrischung mit den Vektorimpfstoffen Janssen oder Astrazeneca folgte.

Mehr Ergebnisse im neuen Jahr

Die Wissenschaftler untersuchten auch, inwiefern die Booster-Impfungen gegen verschiedene Virusvarianten wirkten. Erwartungsgemäß war die Neutralisationsfähigkeit von Antikörpern gegen die Delta-Variante geringer als gegen den Wildtyp des Virus. Trotzdem zeigten alle Booster-Impfungen Wirkungen gegen alle Varianten. Omikron wurde dabei jedoch nicht berücksichtigt.

Die Autorinnen und Autoren weisen allerdings darauf hin, dass es sich bei den Daten lediglich um Laborwerte handelt. Es sei zwar wahrscheinlich, dass hohe Antikörper- und T-Zell-Werte auch im Alltag eine gute Immunität gegen Coronaviren bedeuten. Wie beides aber exakt zusammenhänge, sei noch nicht abschließend beantwortet.

Studienleiter Saul Faust von der Universität Southampton kündigte an: "Weitere Studien unserer Gruppe werden drei Monate und ein Jahr nach der Auffrischungsimpfung Daten liefern, die Aufschluss über die Auswirkungen auf den Langzeitschutz und das immunologische Gedächtnis geben werden. Wir untersuchen auch zwei der Impfstoffe bei Personen, die eine spätere dritte Dosis nach sieben bis acht Monaten erhalten haben." Diese Ergebnisse würden aber erst im neuen Jahr erwartet.

Quelle: ntv.de, sba

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen