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Hormonell bedingtes Fremdgehen? Eisprung macht Männer nicht anziehender

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Frauen gehen auch während ihrer fruchtbaren Tage nicht öfter fremd.

(Foto: imago/Westend61)

Frauen bleiben für viele Männer ein Rätsel. Kein Wunder, unterliegt doch der weibliche Körper ständig hormonellen Veränderungen. Wie weit deren Auswirkungen gehen, finden Forscher jetzt heraus. Sie widerlegen eine jahrelang verbreitete Hypothese.

Seit Jahren erforschen Wissenschaftler, ob und wie sich das sexuelle Begehren bei Frauen während der fruchtbaren Tage verändert. Zudem wollen sie herausfinden, ob Frauen, die in Partnerschaften leben, in dieser Zeit andere Männer attraktiver und anziehender finden, als an ihren nichtfruchtbaren Tagen. Der Fachbegriff, den die evolutionäre Psychologie dafür geprägt hat, ist "ovulatory shift hypothesis".

Bisher geht man davon aus, dass Frauen im Allgemeinen Partner suchen, die zuverlässig und bereit sind, in Familie und Kinder zu investieren. In der Zeit rund um den Eisprung allerdings ändere sich dies. Frauen ziehe es in ihren fruchtbaren Phasen eher zu genetisch attraktiveren Partnern außerhalb der Beziehung, so die Ergebnisse kleinerer Untersuchungen. Um das zu überprüfen, führten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Göttingen eine neue, großangelegte Untersuchung durch.

Dafür ließen sie mehr als 1000 Frauen 35 Tage lang ein anonymes Online-Tagebuch ausfüllen. Die ausgewählten Studienteilnehmerinnen waren durchschnittlich 25,5 Jahre alt und alle in einer festen heterosexuellen Beziehung. Die Frauen sollten Angaben zu ihrer Partnerschaft, sexuellen Aktivitäten innerhalb und außerhalb dieser, dem Grad ihres sexuellen Verlangens nach dem Partner oder anderen Männern sowie ihrem Flirt-Verhalten machen. Zudem wurden sie nach ihrer Wahrnehmung der eigenen Attraktivität, der Auswahl ihrer Kleidung und den Daten der Menstruation gefragt. So konnte für jede Frau der Zeitraum um den Eisprung geschätzt werden.

Kein eindeutiger Zusammenhang feststellbar

Bei der Auswertung der Angaben zeigte sich, dass Frauen vor dem Eisprung tatsächlich ein erhöhtes sexuelles Verlangen haben. Dieses äußert sich jedoch dem Partner gegenüber genauso wie nach fremden Männern. Zudem gibt es keine Hinweise darauf, dass Frauen, die ihren Partner weniger sexuell anziehend finden, in der Zeit vor dem Eisprung häufiger mit anderen Männern flirten oder sogar Sex haben. Die selbstwahrgenommene Attraktivität erhöht sich in der fruchtbaren Phase. Im Gegensatz zu bisherigen Befunden konnten die Forscher weder im Kleidungsstil noch im Verhalten nennenswerte Veränderungen feststellen.

Bei rund 60 Prozent der Probandinnen, die hormonelle Verhütungsmittel einnahmen, die den Eisprung unterdrücken, konnten solche Veränderungen nicht festgestellt werden. Sowohl das sexuelle Verlangen nach dem eigenen Partner oder fremden Männern als auch die selbstwahrgenommene Attraktivität bleiben auf einem Niveau. "Wir konnten in den 26.000 Tagebucheinträgen keine Hinweise finden, die die 'ovulatory shift hypothesis' stützen. Wir sehen aber Anzeichen dafür, dass manche Frauen große und manche nur schwache Zyklusschwankungen in ihrem sexuellem Verlangen und ihrer Selbstwahrnehmung erleben. Diese individuellen Unterschiede wollen wir besser verstehen. Dadurch erhoffen wir uns auch, nachvollziehen zu können, warum Frauen, die hormonell verhüten und damit ihren Eisprung unterdrücken, unterschiedliche Nebenwirkungen erleben", fasst Ruben Arslan vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zusammen.

Zukünftige Untersuchungen sind geplant. Dafür könnten auch Tracking-Apps für Menstruationszyklen zum Einsatz kommen. Auf diese Weise könnten Daten von hunderttausenden Frauen über mehrere Jahre hinweg gesammelt werden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift Journal of Personality and Social Psychology.

Quelle: n-tv.de