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200 Mal stärker als MorphiumEpibatidin - Was ist das für ein Gift, das Nawalny tötete?

16.02.2026, 16:27 Uhr
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Frosch der Art Dreistreifen-Baumsteiger - die Tiere lagern das hochgiftige Alkaloid Epibatidin in ihrer Haut ein. (Foto: IMAGO/Dreamstime)

Der russische Regimegegner Nawalny wird nach Ansicht von fünf europäischen Staaten vergiftet. Dafür soll die Substanz Epibatidin genutzt worden sein. Was ist über das hochwirksame Gift bekannt?

Deutschland und vier weitere europäische Länder halten es für sehr wahrscheinlich, dass der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny 2024 mit einem tödlichen Toxin vergiftet wurde. Analysen von Proben aus Nawalnys Körper hätten "eindeutig" das Vorhandensein der hochgiftigen Substanz Epibatidin nachgewiesen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Vereinigten Königreichs, Schwedens, Frankreichs, Deutschlands und den Niederlanden.

Was ist Epibatidin? Es wurde in den 1970er Jahren erstmals in der Haut des ecuadorianischen Giftfrosches Dreistreifen-Baumsteiger (Epipedobates tricolor) gewonnen und kommt auch bei anderen Fröschen der Gattung Epipedobates vor. Forscher glauben, dass die Frösche den Stoff nicht selbst herstellen, sondern über ihre Insekten-Ernährung aufnehmen und dann in ihrer Haut einlagern. Von indigenen Stämmen wird es für Jagdpfeile verwendet.

Gift lähmt das Atmungssystem

In Russland kommt das Gift in der Natur nicht vor, allerdings kann es auch im Labor hergestellt werden. Epibatidin und verwandte Substanzen sind Gegenstand von Forschungen zu neuartigen Schmerzmitteln. Denn Epibatidin wird eine 100- bis 200-mal höhere schmerzstillende Wirkung als Morphium nachgesagt.

Epibatidin wirkt auf den menschlichen Organismus, indem es die Nervenaktivität hemmt, erklärt Alastair Hay, emeritierter Professor für Umwelttoxikologie an der Universität Leeds, gegenüber dem "Guardian". Es blockiere die Nikotinrezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem: "Die Blockierung dieser Rezeptoren führt zu einer Lähmung der Muskeln und des Atmungssystems", so Hay. Eine vergiftete Person sterbe durch Ersticken. Zu den Symptomen zählen Krampfanfälle, Bluthochdruck und Muskelparalyse, schreiben die US‑amerikanischen National Institutes of Health (NIH) in einem Beitrag. Das Vorhandensein des Giftstoffs im Blut einer Person deute auf eine absichtliche Verabreichung hin, sagt Hay.

"Mit hoher Wahrscheinlichkeit Vergiftung"

Davon gehen auch die fünf europäischen Staaten aus: "Angesichts der Toxizität von Epibatidin und der bekannt gewordenen Symptome war die Ursache seines Todes (...) mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Vergiftung", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Nawalny sei in Haft verstorben, Russland hätte also die Mittel, ein Motiv und die Möglichkeit gehabt, ihm das Gift zu verabreichen.

Der tödliche Einsatz von Epibatidin würde "gegen das Übereinkommen über biologische Waffen und Toxinwaffen (BWÜ) von 1972 und das Chemiewaffenübereinkommen (CWÜ) von 1993" verstoßen, kritisiert Hay. "Wenn Russland Epibatidin verwendet hat, um Herrn Nawalny zu vergiften, hat es gegen zwei Verträge verstoßen, zu deren Einhaltung es sich verpflichtet hat."

Bereits im Jahr 2020 sorgte eine mutmaßliche Vergiftung Nawalnys mit Nervengift Nowitschok weltweit für Aufsehen. Auch damals sahen die fünf europäischen Staaten Russland als verantworlich. Dem vorangegangen war der Einsatz von Nowitschok durch Russland im Jahr 2018 im englischen Salisbury, was den tragischen Tod der Britin Dawn Sturgess zur Folge hatte.

Quelle: ntv.de, kst

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