Warnung von AugenärztenFake-Sonnenbrillen schaden den Augen mehr als keine
Von Hedviga Nyarsik
Dunkle Gläser schützen die Augen nicht automatisch. Experten warnen, dass gefälschte Sonnenbrillen oft keinen ausreichenden UV-Filter haben - und damit mehr Schaden anrichten können als der Verzicht auf eine Brille. Gerade im Frühling und Sommer kann das riskant werden.
Der Frühling ist da und mit den ersten sonnigen Tagen greifen viele wieder zur Sonnenbrille. Doch Augenärzte warnen: Gerade gefälschte Designerbrillen können gefährlicher sein, als ganz auf Sonnenbrillen zu verzichten. Der Grund ist simpel - und tückisch zugleich: Dunkle Gläser sorgen dafür, dass sich die Pupille weitet. Fehlt dann ein wirksamer UV-Filter, gelangt besonders viel schädliche Strahlung ins Auge.
"Wenn man gefälschte Sonnenbrillen kauft, spielt man mit seinem Augenlicht", sagt der britische Augenarzt Alex Day vom Moorfields Eye Hospital dem "Guardian". Solche Brillen seien "einzigartig gefährlich", weil sie häufig dunkel getönte Gläser mit "absolut keinem UV-Schutz" hätten. Aus medizinischer Sicht sei das "sogar deutlich schlimmer, als gar keine Sonnenbrille zu tragen".
Doch warum ist das so? Ohne Brille schützen sich die Augen selbst: Die Pupillen werden kleiner, man kneift die Augen zusammen, die Brauen schirmen einen Teil des Lichts ab. Mit dunklen Gläsern fällt dieser natürliche Schutz weitgehend weg. James Wolffsohn, Professor für Optometrie an der Aston University, erklärt: "Wir haben viele natürliche Schutzmechanismen gegen UV-Licht." Mit einer Sonnenbrille spüre man diese Reize aber nicht.
Worauf sollten Käufer also achten?
Wie gefährlich UV-Strahlung für die Augen ist, betonen auch deutsche Fachgesellschaften. Der Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands (BVA) warnt, dass zu viel UV-Strahlung langfristig zu einer schnelleren Entstehung des Grauen Stars beitragen kann - also einer Eintrübung der Augenlinse, die das Sehen verschlechtert. Außerdem könne sie Veränderungen der Bindehaut wie ein Pterygium fördern. Das ist eine gutartige, aber störende Gewebewucherung, die von der Bindehaut auf die Hornhaut wächst; auch Hautkrebs an Augenoberfläche und Lidhaut sei möglich. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) weist zudem darauf hin, dass gut sitzende Brillen "Verbrennungen am Auge, auf der Hornhaut oder Netzhaut" verhindern können.
Worauf sollten Käufer also achten? Fachleute raten zu Kennzeichnungen wie CE, UV400 oder UKCA und warnen davor, polarisierte Gläser mit UV-Schutz zu verwechseln: Polarisation mindert Blendung, ersetzt aber keinen UV-Filter. In Deutschland empfiehlt der BVA ebenfalls UV400-Schutz; für den Alltag reichten meist Brillen der Kategorien 2 oder 3. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung weist allerdings darauf hin, dass die bloße Aufschrift "UV400" nicht kontrolliert werde und deshalb kein absoluter Garant sei. Verlässlicher seien normgerechte Kennzeichnungen wie CE oder DIN EN ISO 12312-1.
Gesundheit geht über Mode
Auch zwei verbreitete Irrtümer räumen Fachleute aus dem Weg. Erstens: Je dunkler die Tönung, desto besser der Schutz - das stimmt nicht. "Es geht nicht um die Stärke der Tönung, sondern darum, ob die Brille diese Kennzeichnung trägt", sagt Paramdeep Bilkhu vom College of Optometrists im "Guardian". Zweitens: Eine Sonnenbrille brauche man nur im Hochsommer. Laut BVA und DOG ist ab einem UV-Index von 3 Schutz sinnvoll - auch bei Bewölkung oder im Winter, wenn Schnee und Eis UV-Strahlung reflektieren.
Sonnenbrillen sollte man deshalb besser im Fachhandel oder bei seriösen Händlern kaufen als beim Strandverkäufer oder auf dubiosen Online-Marktplätzen, raten Fachleute. Warnsignale für Fälschungen können etwa eine billige Verarbeitung, wackelige Scharniere, fehlerhafte Logos oder auffallend niedrige Preise sein. Der BVA bringt es auf den Punkt: "Wer sich beim Kauf seiner Sonnenbrille nur auf deren modisches Aussehen verlässt, tut seinen Augen keinen Gefallen."