Fakten & Mythen

Fragen zum Corona-Vakzin Geimpft! Und Jahre später Nebenwirkungen?

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Comirnaty im Impfpass - das Covid-19-Vakzin von Biontech/Pfizer.

(Foto: imago images/Martin Wagner)

Eine historische Impfkampagne nimmt in Deutschland Fahrt auf. Doch neben der Hoffnung auf ein Ende der Pandemie kommen auch Fragen auf. Mit ntv.de spricht der Arzt Dr. Specht über Fakten und Mythen rund ums Impfen. Diesmal: Kann eine Impfung nach Jahren Nebenwirkungen auslösen?

Die Impfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gilt als Ausweg aus der Pandemie. Doch noch immer gibt es Vorbehalte gegen den Pikser - auch in Deutschland. Bei den zugelassenen Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna wurden bisher jedoch lediglich leichte Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit sowie Kopf- und Muskelschmerzen festgestellt, in seltenen Fällen auch Fieber und Schüttelfrost. Bei den bereits laufenden Impfkampagnen kam es in sehr seltenen Fällen zu starken allergischen Reaktionen. Aber könnten schwere Nebenwirkungen auch noch Jahre später plötzlich auftauchen?

"Wenn wir Langzeitfolgen oder Langzeitschäden sagen, dann glauben ja viele Menschen, das seien Folgen, die erst nach einigen Jahren nach der Impfung auftreten", sagt der Arzt und Tropenmediziner Dr. Christoph Specht ntv.de. Das sei jedoch ein Irrtum: Wenn es Komplikationen gebe, würden diese sich "entweder sofort oder nach wenigen Tagen, ganz selten mal wenige Monate später" zeigen. Anders sei es bei Medikamenten, die über einen längeren Zeitraum eingenommen würden. "Der Grund dafür ist eine Akkumulation, also eine Anhäufung des Medikaments oder seiner Metaboliten im Körper", so Specht. Eine Spätwirkung sei dann durchaus denkbar.

Allerdings können auch Impfstoffe schwere Nebenwirkungen haben. Um dies vor ihrem Einsatz weitestgehend auszuschließen, müssen sie klinische Studien durchlaufen. Nach der letzten Spritze wurde bei den Corona-Impfstoffen zudem noch zwei Monate abgewartet, ob sich unerwünschte Effekte zeigen. "Nebenwirkungen bei Impfstoffen können etwa durch sogenannte Adjuvantien ausgelöst werden", so Specht. Dies seien Substanzen, die bei manchen Impfungen als Wirkverstärker zugesetzt werden, damit eine ausreichende Immunantwort hervorgerufen wird. Bei mRNA-Impfstoffen wie denen von Biontech/Pfizer und Moderna würden diese allerdings nicht benötigt.

Probleme bei Grippe-Impfstoff

Neben Adjuvantien könnten auch die bei der Impfung gebildeten Antikörper schädliche Begleiterscheinungen im Körper auslösen, erklärt Specht. Dies sei vermutlich auch der Grund für die Probleme beim Grippe-Impfstoff Pandemrix der Firma GKS gewesen. Das Vakzin war 2009 auch in Europa gegen die damalige Schweinegrippe-Pandemie eingesetzt worden. Während die Schweinegrippe sich als vergleichsweise harmlos entpuppte, erkrankten in Ländern wie Schweden, Norwegen, Finnland und Irland geimpfte Kinder und Jugendliche plötzlich gehäuft an Narkolepsie,umgangssprachlich als "Schlafkrankheit" bezeichnet.

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Allerdings fiel diese Nebenwirkung erst Monate nach dem Einsatz auf. "Der Zusammenhang mit der Impfung ist nicht gleich erkannt worden", so Specht. Erst durch die Häufung der Fälle wurde eine Verbindung zu Pandemrix gezogen. Zudem war die Nebenwirkung immer noch vergleichsweise selten: Weltweit sind etwas mehr als 1000 Fälle von Narkolepsie in Zusammenhang mit einer Pandemrix-Impfung bekannt, geimpft wurden jedoch mehrere zig Millionen Menschen. "Um so etwas in klinischen Studien vorher sicher festzustellen, müssten man noch viel mehr Probanden testen, was eigentlich nicht möglich ist", sagt Specht.

Fazit: Eine hundertprozentige Sicherheit, dass es zu keinen schwereren Nebenwirkungen kommt, gibt es bei keiner Impfung. Aber auch im schlechtesten Fall würden unerwartete Nebenwirkungen aller Voraussicht nach in den Wochen und Monaten unmittelbar nach der Impfung auftreten. "Dass Komplikationen erst Jahre nach der Impfung auftreten, ist unrealistisch", sagt Specht. Manchmal vergehe aber Zeit, bis tatsächlich ein Zusammenhang mit der Impfung erkannt wird. Darum sei die Erfassung und sorgfältige Analyse von Verdachtsmeldungen wichtig und fest im Regelwerk der Impfstoffzulassung verankert.

Quelle: ntv.de