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Von Trump bejubelte Therapie Falsche Plasma-Hoffnung gegen Covid-19?

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Blutplasma von Covid-19-Genesenen: Wie viel kann die Therapie damit bewirken?

(Foto: imago images/Ukrinform)

Die Suche nach wirksamen Mitteln gegen Covid-19 hält an. In den USA verbreitet Präsident Trump die Hoffnung, Blutplasma Genesener könne "unzählige Leben retten". Auch in Deutschland laufen bereits Studien zu der Methode. Doch hilft es wirklich?

Es klingt eigentlich sehr plausibel: Warum bei der Behandlung von Covid-19 nicht einfach die Antikörper aus dem Blutplasma von Menschen nutzen, welche die Erkrankung überstanden haben? Auf diesem Ansatz der Blutplasma-Therapie ruhen seit Beginn der Pandemie gewisse Hoffnungen - bis heute. Denn bisher gibt es lediglich zwei Medikamente gegen Covid-19, deren Wirksamkeit allerdings begrenzt ist: Remdesivir und das Steroid Dexamethason. Doch eine entscheidende Frage bei der Therapie mit Blutplasma ist bisher offen: Wirkt sie überhaupt?

So soll es funktionieren: Menschen, die bereits eine Corona-Infektion hinter sich haben, spenden Blutplasma. Das ist der flüssige, zellfreie Teil des Blutes. Dieses sogenannte Rekonvaleszenten-Plasma enthält jene kostbaren Antikörper gegen Sars-CoV-2, die an die Oberfläche des Virus binden und ausschalten. Das gespendete Blutplasma wird Patienten dann per Transfusion verabreicht. Eine weitere Möglichkeit ist, aus diesem Plasma ein sogenanntes Hyperimmunserum zu gewinnen, das eine hohe Konzentration von Antikörpern enthält. Dieses soll vor allem akut Erkrankten helfen, wieder gesund zu werden. Die Idee, die dahinter steckt, ist gar nicht so neu - bereits Ende des 19. Jahrhunderts verzeichnete der deutsche Forscher Emil von Behring damit Erfolge im Kampf gegen Diphtherie.

Schürte Trump zu früh Plasma-Hoffnung?

Ende August hatte US-Präsident Donald Trump die Blutplasma-Methode in den Himmel gelobt und als einen möglichen Durchbruch im Kampf gegen Sars-CoV-2 bezeichnet. "Das ist es, wonach ich schon lange gesucht habe", sagte Trump, nachdem die US-Arzneimittelbehörde FDA Ende August dem Einsatz der Blutplasma-Therapie gegen Covid-19 in den USA eine Notfall-Zulassung erteilt hatte. Trump schwärmte davon, dass das Verfahren "unzählige Leben retten wird".

Laut dem in Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Institut gibt es tatsächlich "erste ermutigende Hinweise auf einen Nutzen der Anwendung von Covid-19-Rekonvaleszenten-Plasma". In den USA äußerte die FDA die Überzeugung, dass Blutplasma die Mortalität senken und die Gesundheit von Patienten verbessern könne. Laut FDA haben Covid-19-Patienten unter 80 Jahren, die Plasma mit hoch dosierten Antikörpern erhielten, eine um 35 Prozent höhere Chance, länger zu leben - verglichen mit jenen, welche nur eine geringere Dosis bekommen hatten.

Eine von der US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) einberufene Expertengruppe widersprach jedoch dieser Einschätzung: "Derzeit gibt es keine Daten aus gut kontrollierten, angemessen betriebenen randomisierten klinischen Studien, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Rekonvaleszenten-Plasma für die Behandlung von Covid-19 belegen", heißt es in einem Statement. Nach der Analyse diverser Studien kamen die Experten zu dem Schluss, dass die Belege "ungenügend" seien und Blutplasma daher nicht als "Standardtherapie für die Behandlung von Covid-19-Patienten genutzt werden sollte". Gleichzeitig forderten sie weitere Studien, um die Wirksamkeit und Sicherheit der Blutplasma-Therapie bestimmen zu können.

Blutplasma-Studien auch in Deutschland

Auch in Deutschland will man der Wirkung des Blutplasmas auf die Spur kommen - eine landesweite Untersuchung dazu, die sogenannte Capsid-Studie, wurde bereits im Frühjahr dieses Jahres auf den Weg gebracht. Die Ergebnisse stehen aber noch aus. Im Mai 2020 hatte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zudem eine weitere Therapiestudie mit Rekonvaleszentem-Plasma genehmigt. Auch hier sind noch keine Ergebnisse veröffentlicht worden.

Parallel dazu wird in Deutschland das Plasma von Genesenen laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (Vfa) an einigen Kliniken bereits in sogenannten Heilversuchen eingesetzt. Dabei spricht man von einer ärztlichen Behandlung mit Methoden, deren Wirkung und Nebenwirkungen noch nicht ausreichend erforscht ist. Heilversuche dürfen aber nur eingesetzt werden, wenn es für den Patienten lebensbedrohlich wird. Bereits im April hatte das Uni-Klinikum Erlangen die ersten vier Patienten mit Blutplasma behandelt.

Neben der Wirksamkeit gibt es weitere Bedenken, was die Plasmatherapie angeht. Eine Sorge von Forschern ist etwa, dass das Blutplasma andere Bestandteile enthalten könnte, die nach einer Transfusion eine negative Reaktion im Körper des behandelten Patienten auslösen könnten. Ebenfalls kritisch gesehen wird die Tatsache, dass das Plasma je nach Spender sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein kann, was Art und Konzentration der Antikörper angeht.

Welche Rolle kann Blutplasma also im Kampf gegen Corona spielen? "Das Plasma könnte die Zeit überbrücken, bis andere wirksame Medikamente entwickelt wurden", sagte der Dresdner Transfusionsmediziner Torsten Tonn gegenüber dem MDR. Mittel- bis langfristig werde die Therapie aber keine Bedeutung haben, glaubt er.

Quelle: ntv.de