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Obduktionen in Hamburg Fast alle Corona-Toten waren vorerkrankt

Sterben Patienten an oder mit Corona? Obduktionen an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf zeigen: Die meisten der untersuchten Toten sind Covid-Sterbefälle. Zugleich zeigt die Untersuchung, dass 99 Prozent von ihnen unter teils mehreren Vorerkrankungen litten.

Das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat bei Hunderten Obduktionen von Corona-Toten regelmäßig Vorerkrankungen festgestellt. "Wir haben nur in einem Prozent der Sterbefälle nachweisen können, dass wir im Autopsie-Ergebnis keine relevante Vorerkrankung finden konnten und trotzdem die Todesursache ein Covid-19-Sterbefall gewesen ist", sagte Institutsdirektor Benjamin Ondruschka.

Regelmäßig gab es mehrere Vorerkrankungen, vor allem Bluthochdruck, chronische Niereninsuffizienz, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), bösartige Tumorerkrankungen oder Diabetes. 20 Prozent der Verstorbenen wiesen ein krankhaftes Übergewicht auf. "Die Datenlage weist daraufhin, dass der letale Verlauf einer Covid-19 Erkrankung auch vom Vorerkrankungsspektrum der mit Sars-CoV-2 infizierten Person beeinflusst wird", sagte Ondruschka ntv.de.

Die Hälfte der Verstorbenen war älter als 83 Jahre, 75 Prozent waren älter als 76. Zudem waren die verstorbenen Männer statistisch etwas jünger als die Frauen, und es starben mehr Männer als Frauen. Sieben Personen, die infolge der Infektion starben, hatten das 50. Lebensjahr noch nicht erreicht. "Der jüngste Verstorbene in Hamburg war 29 Jahre alt, der älteste 100", sagte der Institutsleiter.

Insgesamt wurden am UKE im vergangenen Jahr 735 Obduktionen von Todesfällen durchgeführt, die in einem Zusammenhang mit einer Corona-Infektion standen. Seit März 2020 werden am UKE Verstorbene auf eine Sars-CoV-2-Infektion untersucht. Daher wurden auch Corona-Fälle entdeckt, die zu Lebzeiten nicht bekannt waren.

Von den 735 Todesfällen hätten 618 "sicher als Covid-Sterbefall" eingeordnet werden können (84 Prozent), so Ondruschka. In sieben Prozent der Fälle waren die Verstorbenen zwar mit dem Sars-CoV-2-Erreger infiziert, die Infektion war aber nicht todesursächlich. "Das waren Herzinfarkte, Lebererkrankungen oder Entzündungskonstellationen - vollkommen unabhängig vom Virus", so der Institutsleiter. Zwei Drittel der Todesfälle ereigneten sich während der zweiten Pandemie-Welle ab Oktober, die meisten im Dezember.

Forscher empfehlen Blutverdünner

In der UKE-Studie ging es vor allem um die Frage, wie Covid-19-Patienten auf Blutverdünnungsmittel reagieren. Bereits im Mai 2020 hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Klinikums festgestellt, dass Covid-19 ungewöhnlich häufig zu Thrombosen sowie Lungenembolien führt. Dies wurde von den Obduktionen bestätigt: Die meisten Infizierten starben an einer Pneumonie oder an den Folgen einer Thrombose, die auf die Corona-Infektion zurückzuführen war.

Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse bestätigen die positive Wirkung von Blutverdünnungsmitteln. "Zwar haben unsere Obduktionen der Verstorbenen gezeigt, dass die Covid-19-Erkrankten trotz der Gabe von Blutverdünnungsmitteln noch Blutgerinnsel in den Lungenschlagadern aufweisen konnten", sagte Ondruschka. "In der statistischen Auswertung zeigten sich aber längere Überlebenszeiten seit der erfolgten Therapieumstellung."

Quelle: ntv.de, hvo

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