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Algorithmus soll helfen Flüchtlingsintegration per Rechenformel

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Syrischer Flüchtling in einem Metallbetrieb - wie kann die Integration gelingen?

(Foto: picture alliance / Carsten Rehde)

Je nach Bildung, Sprachkenntnissen und anderen Voraussetzungen haben Flüchtlinge ganz unterschiedliche Jobaussichten in verschiedenen Regionen eines Landes. Ein Rechenmodell soll es erleichtern, den richtigen Ort - und vor allem eine Arbeit - zu finden.

Viele Länder der Welt stehen vor der Aufgabe, wachsende Zahlen von Flüchtlingen zu integrieren. Nicht überall gelingt das gleich gut. Forscher vom Immigration Policy Lab (IPL) der Stanford University und der ETH Zürich haben einen Algorithmus entwickelt, mit dem dieser Prozess einfacher werden soll - und vor allem erfolgreicher. Die Schlüsselfrage dabei lautet: Wo ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass der jeweilige Flüchtling einen Job findet?

Dazu durchforsteten Jens Hainmueller und Kirk Bansak zunächst die Daten von mehr als 30.000 Flüchtlingen, die zwischen 2011 und 2016 in die USA kamen: Neben Alter, Geschlecht, Sprache und Ausbildung waren das auch die Ankunftszeit, der zugewiesene Aufenthaltsort und der anschließende berufliche Werdegang. Gleiches taten sie für die Neuankömmlinge, die zwischen 1999 und 2013 in die Schweiz kamen und dort eine befristete Aufenthaltsgenehmigung erhielten. Dabei fanden sich gewisse Erfolgsmuster: Bestimmte Gruppen von Flüchtlingen wurden an bestimmten Orten besonders gut integriert und fanden am häufigsten Arbeit.

Lernfähiger Algorithmus

So kommen etwa französischsprachige Menschen am besten im französischsprachigen Teil der Schweiz klar. "Oder ein Flüchtling aus Afghanistan hat vielleicht bessere Erfolgschancen in Ort X, weil es dort ein besseres lokales Netzwerk von Organisationen gibt, das Afghanen hilft, Jobs zu finden", erläutert Hainmueller. "Es gibt zahlreiche dieser Synergien und der Algorithmus lernt diese aus den historischen Daten."

Diesen Algorithmus wendeten die Einwanderungsforscher dann auf jüngere Flüchtlingszahlen in beiden Ländern an - und verglichen die prognostizierten Werte mit den tatsächlichen Jobquoten. Insgesamt, so stellten die Forscher fest, könnten die Jobchancen für die Neuankömmlinge um 41 Prozent (USA) oder sogar um 73 Prozent (Schweiz) höher liegen, wenn der Algorithmus angewandt werde.

Höhere Erfolgschancen für alle

"Natürlich unterscheiden sich die Erfolgschancen stark zwischen den Flüchtlingen", räumt Hainmueller ein. Trotzdem würden sich die Erfolgschancen insgesamt für alle erhöhen - sowohl für die Flüchtlinge, die leicht Arbeit finden, als auch für solche, die schwerer zu vermitteln seien. Der Algorithmus verursache - zusätzlich zu wichtigen, aber in ihrer Wirksamkeit schwer messbaren Maßnahmen wie Sprachkursen oder Jobtrainings - kaum Kosten und könne einfach in bestehende Abläufe eingebaut werden.

Derzeit plant das IPL erste Pilotprojekte mit Organisationen in den USA und der Schweiz zum breiten Testeinsatz des Algorithmus. "Diese Partnerschaft würden wir gerne auf Deutschland ausweiten", sagt Hainmueller.

In Deutschland haben 2017 nach Angaben des Bundesinnenministeriums gut 186 000 neu angekommene Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt. 2016 waren es 280 000 Menschen und 2015 rund 890.000, die in Deutschland als Asylsuchende registriert wurden. Bis dem Asylantrag stattgegeben ist, manchmal auch länger, werden den Antragstellern Wohnorte von den Landesbehörden zugewiesen.

Quelle: n-tv.de, Andrea Barthélémy, dpa

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