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Von Sibirien nach Amerika Forscher entdecken älteste Gen-Verbindung

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Ausgrabungsstätte Ust'-Kyakhta-3 am rechten Ufer des Selenga in der Nähe des Dorfes Ust-Kyakhta in der Republik Burjatien (Bild von 1976).

(Foto: A. P. Okladnikov/dpa)

Der gängigsten Annahme zufolge wurde der amerikanische Kontinent von Sibirien aus besiedelt, gegen Ende der letzten Eiszeit. Das lässt sich auch aus dem Erbgut damals lebender Menschen ablesen - Forscher finden eine Verbindung zwischen der Bevölkerung Sibiriens und amerikanischen Ureinwohnern.

Eine internationale Forschergruppe hat die bisher älteste genetische Verbindung zwischen der Bevölkerung Sibiriens und den amerikanischen Ureinwohnern gefunden. Im Erbgut eines vor etwa 14.000 Jahren in Südsibirien verstorbenen Menschen fanden die Wissenschaftler eine genetische Mischung, die auch bei den Vorfahren der Indianer Nord- und Südamerikas nachgewiesen wurde. Das Team um Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena veröffentlichte seine Erkenntnisse aus der Analyse von 19 Genomen von Menschen aus der Stein- und Bronzezeit im Fachjournal "Cell".

Der gängigsten Hypothese zufolge wurde der amerikanische Kontinent gegen Ende der letzten Eiszeit von Sibirien aus bevölkert. Über die Beringia-Landbrücke gelangten die Vorfahren der amerikanischen Ureinwohner nach Alaska und breiteten sich dann über den Kontinent aus.

Genome von Menschen, die vor 3500 bis 7300 Jahren lebten

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Das Zahnfragment, ausgegraben an der archäologischen Stätte Ust-Kyakhta-3, ist etwa 14.000 Jahre alt.

(Foto: G.Pavlenok/dpa)

Die Wissenschaftler um Krause untersuchten nun die genetischen Merkmale von Bewohnern des Baikalsees am Übergang von der Stein- zur Bronzezeit, um mehr über die Bevölkerungsgeschichte, die Mobilität der damaligen Menschen sowie die genetische Verbindung zu den amerikanischen Ureinwohnern zu erfahren. Sie untersuchten die Genome von 18 Menschen, die vor 3500 bis 7300 Jahren in der Gegend um den Baikalsee im Süden Russlands lebten. Die meisten Individuen wiesen eine Mischung aus alten nordeurasischen (ANE) und nordostasiatischen (NEA) genetischen Merkmalen auf.

Ein weiteres Genom gewannen die Forscher aus den Überresten eines Zahns, der bereits 1962 südlich des Baikalsees gefunden worden war. In dem 14.000 Jahre alten Erbgut fanden sie eine Mischung aus ANE- und NEA-typischen Genen, wie sie kürzlich auch in einem knapp 10.000 Jahre alten Genom gefunden worden war. Es stammte von einem Menschen, dessen Überreste 3000 Kilometer weiter nordöstlich in Sibirien am Fluss Kolyma ausgegraben worden waren. Beide Genome stehen wiederum den ursprünglichen Genomen der amerikanischen indigenen Völker nahe. Das zeige, dass die Abstammungslinie, aus der später die amerikanischen Ureinwohner hervorgingen, viel stärker verbreitet war als bisher angenommen.

"Studie offenbart älteste bislang bekannte Verbindung"

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"Diese Studie offenbart die älteste bislang bekannte Verbindung zwischen steinzeitlichen Bewohnern Sibiriens und den ersten Einwohnern Amerikas", wird Erstautor He Yu vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in einer Mitteilung seines Instituts zitiert. Sein Kollege Cosimo Posth ergänzt, dass das steinzeitliche Genom vom Baikalsee einen Referenzpunkt für die zukünftige Erforschung der genetischen Geschichte Asiens und Amerikas darstelle. Weitere genetische Untersuchungen seien allerdings notwendig, um herauszufinden, wann und wo der Genpool der Ureinwohner Amerikas zusammenkam, betonen die Forscher.

Unter den insgesamt 19 analysierten Genomen fanden die Wissenschaftler auch zwei, in denen der Pesterreger Yersinia pestis Spuren hinterlassen hat. Das Besondere dabei ist, dass das Erbgut der beiden Menschen mehr Ähnlichkeit mit nordostasiatischen Genomen hat, also von Bevölkerungsgruppen im heutigen Südosten Russland und Nordosten Chinas. Der Pesterreger hingegen ähnelt Stämmen, die im Baltikum gefunden wurden. "Das Auftreten der alten Yersinia-pestis-Stämme derart weit im Osten, deutet vermutlich auf eine weiträumige Mobilität während der Bronzezeit hin", sagt Maria Spyrou, Koautorin der Studie, ebenfalls vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa