Wissen
Dieser Roboter von Kaist wurde im Januar 2016 beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt und trug keine Waffen.
Dieser Roboter von Kaist wurde im Januar 2016 beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt und trug keine Waffen.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 05. April 2018

Boykott gegen südkoreanische Uni: Forscher fürchten Killer-Roboter

Es klingt wie ein schlimmer Albtraum: Roboter handeln eigenmächtig und töten Menschen. Doch diese Nutzung künstlicher Intelligenz ist längst keine Science-Fiction mehr - in Südkorea scheinen Forscher genau daran zu arbeiten.

"I'll be back" - ob die Roboter an der südkoreanischen Universität Kaist diesen berühmten Satz des Terminators Arnold Schwarzenegger sagen können, ist nicht überliefert. Aber sie sollen ähnlich schlagkräftige Fähigkeiten wie der Filmheld besitzen. Das treibt momentan Wissenschaftler im Bereich der künstlichen Intelligenz aus rund 30 Ländern um, die zu einem Boykott des Korea Advanced Institute of Science and Technology (Kaist) aufrufen.

Dieser Roboter steht in einem japanischen Museum und kann bewaffnet werden. Er wird aber von einem Piloten gesteuert.
Dieser Roboter steht in einem japanischen Museum und kann bewaffnet werden. Er wird aber von einem Piloten gesteuert.(Foto: REUTERS)

Der Grund: Kaist kooperiert aktuell mit Hanwha Systems. Das Unternehmen gehört zu den führenden südkoreanischen Produzenten von Verteidigungs- und Waffensystemen. Bereits im Februar berichtete die "Korea Times" über die Kooperation von Kaist und Hanwha und brachte die Vision auf, dass auf diese Weise autonome Waffen geschaffen werden.

Medienberichten zufolge fürchten nun mehr als 50 Forscher weltweit die Entwicklung autonomer Waffensysteme durch Kaist und lehnen eine Zusammenarbeit mit dem Institut ab. Es gebe etliche andere großartige Entwicklungen, mit denen künstliche Intelligenz sogar Leben retten kann, auch im militärischen Kontext, wird der Organisator des Boykotts und Professor der australischen Universität New South Wales, Toby Walsh, von "The Guardian" zitiert.

Aber das öffentlich geäußerte Ansehen der Verantwortlichen, dass die Entwicklung autonomer Waffen das Ziel sei, sorge laut Walsh für große Bedenken. Sollte sich das Institut nicht zur Entwicklung derartiger Waffen ohne "bedeutende menschliche Kontrolle" durchringen, bleibe der Boykott bestehen. Inwiefern dieser Auswirkungen auf die Arbeit von Kaist hat oder nur symbolische Wirkung entfalten kann, ist noch nicht abzusehen.

Anfang nächster Woche treffen sich in Genf die Vereinten Nationen, um über die Zukunft autonomer Waffen zu debattieren. Mehr als 20 Länder haben bereits zum Verbot von Killer-Robotern aufgerufen. Dabei geht es vor allem um Bedenken, dass die intelligenten Maschinen nicht zwischen Feind und Freund unterscheiden oder genau genug zielen können.

Der Präsident von Kaist, Shin Sung-chul, äußerte sein Bedauern über den Boykott und beteuerte, dass keine Absicht bestehe, tödliche autonome Waffen und sogenannte Killer-Roboter herzustellen. Als akademische Einrichtung schätze man menschliche Werte und ethische Standards. Deshalb seien keine autonomen Waffen ohne bedeutende menschliche Kontrolle geplant.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de