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"So schwach wie nie zuvor" Forscher in Sorge wegen Atlantik-Strömungen

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Laut der Studie ist das Strömungssystem derzeit so schwach "wie nie zuvor in den vergangenen 1000 Jahren".

(Foto: imago images/Westend61)

Im Atlantischen Ozean sorgen Meeresströmungen für den Transport warmer und kalter Wassermassen. Doch einer neuen Studie zufolge verliert das System erheblich an Stabilität. Die Folgen für das Wetter könnten verheerend sein, warnen die Forscher.

Meeresströmungen im Atlantik haben aktuellen Forschungen zufolge möglicherweise so stark an Stabilität verloren, dass es zu einem Zusammenbruch dieses Systems kommen könnte. Das geht aus einer Studie im Fachjournal "Nature Climate Change" hervor, über die das daran beteiligte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) informierte. Gewarnt wird vor Konsequenzen für Wettersysteme weltweit.

In der Studie geht es um die Atlantische Umwälzströmung (Atlantic Meridional Overturning Circulation, kurz AMOC), zu der auch der Golfstrom gehört. "AMOC transportiert warme Wassermassen aus den Tropen an der Meeresoberfläche nach Norden und kaltes Wasser am Meeresboden nach Süden, was für die relativ milden Temperaturen in Europa von großer Bedeutung ist", erklärte dazu das PIK.

"Die AMOC ist eines der wichtigsten Zirkulationssysteme unseres Planeten", erläuterte der Autor der Studie, Niklas Boers vom PIK, der Freien Universität Berlin und der Universität Exeter. Er verwies darauf, dass AMOC in der Erdgeschichte bereits neben dem aktuellen starken Zustand auch einen alternativen, wesentlich schwächeren Zustand eingenommen habe. Zwischen diesen beiden Zuständen seien "grundsätzlich auch abrupte Übergänge" möglich.

Derzeit ist das Strömungssystem der Studie zufolge so schwach "wie nie zuvor in den vergangenen 1000 Jahren". Unklar war laut Boers bisher, ob damit lediglich eine Änderung des mittleren Zirkulationszustands einhergehe oder ein tatsächlicher Verlust an dynamischer Stabilität. "Der Unterschied ist entscheidend", betonte Boers, denn eine Verringerung der dynamischen Stabilität würde bedeuten, dass ein "in der Praxis wahrscheinlich unumkehrbarer Übergang zum schwachen Zirkulationsmodus stattfinden könnte".

Mehrere Indizien deuten laut Boers darauf hin, dass die Abschwächung "wahrscheinlich das Herannahen einer kritischen Schwelle bedeutet, jenseits derer das Zirkulationssystem zusammenbrechen könnte".

Modelle müssen angepasst werden

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Verwiesen wird in der Studie auf zusätzliche Faktoren, die zu den direkten Auswirkungen der Erwärmung des Atlantiks auf seine Zirkulation hinzukommen würden. Dazu gehöre der Süßwasserzufluss durch das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds, durch das schmelzende Meereis, durch zunehmende Niederschläge und durch Wasser aus Flüssen. Süßwasser verringere die Tendenz des Wassers im Nordatlantik, von der Oberfläche in größere Tiefen abzusinken, was einer der Antreiber der Umwälzung sei.

"Ich hätte nicht erwartet, dass die zusätzlichen Mengen an Süßwasser, die im Laufe des letzten Jahrhunderts in den Ozean flossen, bereits eine solche Reaktion der AMOC hervorrufen würden", erklärte Boers. Daher müssten vorhandene Modelle "dringend mit den vorliegenden Beobachtungen in Einklang" gebracht werden, "um zu beurteilen, wie weit die AMOC tatsächlich noch vom kritischen Schwellwert entfernt ist". Auch wenn die jeweilige Bedeutung der verschiedenen Faktoren noch weiter untersucht werden müsse, stünden sie jedenfalls "mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel in Verbindung".

Quelle: ntv.de, jpe/AFP

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