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Weniger Ausdruck und Charisma Frauenstimme unterliegt in Onlinekonferenz

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Bei der Übertragung von Frauenstimmen in Onlinekonferenzen gehen wichtige Dinge einfach verloren.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

In der Pandemie werden Videokonferenzen für viele zur Normalität. Forschende untersuchen deshalb, wie Stimmen von Frauen und Männer ankommen - und decken dabei geschlechtsspezifische Lücken bei der Übertragungstechnik auf.

Frauen sind wegen der Stimmverarbeitung bei Videokonferenzen benachteiligt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Ingenieuren der Universität Magdeburg, wie die Hochschule mitteilte. Demnach werden Frauenstimmen bei Online-Gesprächen als weniger ausdrucksstark, kompetent und charismatisch wahrgenommen, weil Programme wie Zoom, Skype oder Teams nicht alle Anteile der Sprache übertragen.

Zudem würden wegen des hohen Datenvolumens Frequenzen ausgedünnt, hieß es. "Bisher wird in der Audioverarbeitung mit vorher festgelegten Frequenzbereichen gearbeitet, die den stimmlichen Unterschieden der Geschlechter - vor allem der höheren Stimme von Frauen - nicht immer Rechnung tragen", sagte Studienleiter Ingo Siegert laut Mitteilung.

Bei der Untersuchung in Zusammenarbeit mit der dänischen Universität Sønderborg bewerteten Testhörerinnen und Testhörer zunächst Audiobeispiele trainierter Sprecherinnen und Sprecher. Frauenstimmen, die bei Online-Meetings aufgenommen worden waren, schnitten den Angaben zufolge deutlich schlechter ab. Anschließend seien die gleichen Beispiele hinsichtlich Stimmhöhe, Stimmumfang und Klangtiefe untersucht worden.

Emotionale Komponenten gehen verloren

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Den Frauenstimmen fehlten im Vergleich zu den Stimmen der männlichen Kollegen wesentliche emotionale Komponenten, jene Eigenschaften der Stimme, die für den charismatischen Ausdruck relevant sind, fassten die Forschenden ihre Ergebnisse zusammen.

"Wir haben mit dem neuen Wissen nun die Chance, nachzusteuern, da wir jetzt konkret den Effekt zeigen und messen konnten", so Siegert weiter. Die Forschenden weisen darauf hin, dass bei der zukünftigen Entwicklung der Codes für digitale Meeting-Tools nicht nur auf die reine Sprachqualität, auf Verständlichkeit und Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen geachtet werden soll, sondern auch verstärkt auf die Übertragung von Merkmalen wie Ausdrucksstärke oder Emotionalität in der Stimme. Dazu hätten die aktuellen Arbeiten einen Grundstein gelegt, weil sie aufzeigten, welche Charisma-Marker genau durch die Kompression beeinflusst würden.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa

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