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Besseres Immunsystem Gen-Trick lässt Mäuse gesünder altern

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Bei Untersuchungen an Mäusen stellten Forscher fest, dass das Ausschalten eines einzigen Gens ausreicht, um eine bessere Immunabwehr zu erreichen.

(Foto: imago stock&people)

Altern an sich ist eine gute Sache, solange man gesund und mobil ist. Doch nicht alle Menschen kommen auf so komfortable Weise in die Jahre. Wie das Immunsystem im Alter gestärkt werden könnte, zeigen Forscher an Mäusen.

Das Altern ist ein komplexer Prozess. Ein Teil davon ist der Funktionsverlust von Stammzellen im blutbildenden System, was zu einer immer schlechteren Immunabwehr führt. Aus diesem Grund leiden Senioren wie keine andere Altersgruppe an den Folgen von Infektionen: Sie bekommen diese mit zunehmendem Alter immer häufiger und sie verlaufen immer schwerer. Forscher des Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena haben sich die Frage gestellt, ob man genetisch eingreifen kann, um dieses Altern zu beeinflussen.

Bei ihren Untersuchungen an Mäusen stellten die Forscher um Professor Karl Lenhard Rudolph fest, dass das Ausschalten eines einzigen Gens ausreicht, um eine bessere Immunabwehr zu erreichen. Wenn das Gen "Per2" ausgeschaltet wird, dann werden die Stammzellen im blutbildenden System resistenter gegenüber DNA-Schäden und ihre Funktionstüchtigkeit bleibt im Alter länger erhalten. Die Mäuse waren mit ausgeschaltetem Per2-Gen weniger anfällig für Infektionen und lebten, ohne gesteigertes Krebsrisiko, im Schnitt 15 Prozent länger.

Andere Aufgaben

Eigentlich steuert Per2 zusammen mit anderen Erbanlagen die innere Uhr, also den Schlaf-Wach-Rhythmus im Organismus. Die Abschaltung in Mäusen führte zu einer ausgewogenen Produktion von Lymphozyten im Blut und damit zu einer Verbesserung der Immunabwehr. Zudem verbesserte sie den Erhalt von Stammzellen mit verkürzten Telomeren, den Schutzenden der Chromosomen. Die Verkürzung der Telomere mit jeder Zellteilung wird als Ursache für die Alterung des Menschen angesehen.

"Die Ergebnisse sind vielversprechend und gleichermaßen überraschend", fasst Rudolph zusammen. "Dass die Abschaltung eines einzelnen Gens so eindeutig zu einer Verbesserung der Immunabwehr führt, war nicht zu erwarten." Allerdings muss die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen erst noch untersucht werden muss.

Interessanterweise gibt es Mutationen im Per2-Gen bei Menschen, die an einer Schlafstörung leiden. Die Patienten werden frühzeitig am Abend sehr müde und können nicht lange aufbleiben. "Ob diese Mutationen eine gute Seite haben und etwa die Immunfunktion im Alter verbessern, ist nicht bekannt – wir haben starkes Interesse, das näher zu untersuchen", so Rudolph.

Quelle: n-tv.de, jaz