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Unabsehbare Folgen für Babys Gen-Zwillinge haben offenbar verbesserte Gehirne

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Die Genschere bei der Arbeit: Ein Cas9-Eiweiß wird in der Petrischale in ein Embryo injiziert.

(Foto: AP)

Die Geburt der ersten genmanipulierten Menschen löst weltweites Entsetzen aus. US-Forscher sind sich sicher, dass die Folgen der in China durchgeführten Manipulation viel weiter reichen als zunächst bekannt. Auch die Gehirne der Babys dürften betroffen sein.

Die weltweit ersten bekannten Babys mit einem manipulierten Genom könnten einem Bericht zufolge zusätzlich zur beabsichtigten Immunität gegen den Aids-Erreger HIV auch Veränderungen im Gehirn aufweisen. Die als Lulu und Nana bekannt gewordenen Zwillinge waren im vergangenen November in China geboren worden. Der Wissenschaftler He Jiankui hatte ihr Erbgut mit dem als "Genschere" bezeichneten Crispr/Cas9-Verfahren verändert. Dafür war er weltweit heftig kritisiert worden, unter anderem wegen möglicher nicht abzusehender Nebenwirkungen der Genveränderung.

He hatte bei den Babys CCR5-Gene gelöscht. Wie Wissenschaftler nun im US-Fachmagazin "Cell" berichten, dürfte die von He durchgeführte Manipulation die Gehirne von Lulu und Nana verändert haben. Demzufolge zeigt eine klinische Studie mit Schlaganfallpatienten, dass sich die Gehirne von Menschen, denen das Gen von Natur aus fehlt oder bei denen seine Funktion mit Medikamenten unterdrückt wird, schneller erholen können. Schüler ohne CCR5 seien zudem statistisch gesehen erfolgreicher als andere.

Laut dem Magazin "MIT Technology Review" zeigen sich auch in Versuchen mit Mäusen Auswirkungen auf die Intelligenz, wenn das Gen fehlt. Es sei sehr wahrscheinlich, dass auch die Gehirne von Lulu und Nana durch die Genmanipulation in ähnlicher Weise betroffen seien, zitiert die Fachzeitschrift den Neurowissenschaftler Alcino Silva von der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Die genauen Auswirkungen der Genveränderung auf die Kinder seien allerdings "unmöglich vorherzusehen und das ist genau der Grund, warum es nicht gemacht werden sollte".

Laut "MIT Technology Review" werfen die Untersuchungen neue Fragen nach Hes Motivation für sein weltweit einhellig verurteiltes Vorgehen auf. Die Unterdrückung von CCR5 mittels Medikamenten ist eine gängige Behandlung zur Vermeidung des Ausbruchs von Aids bei HIV-Patienten. Eigenen Angaben ging es He darum, Nana und Lulu, deren Vater offenbar HIV-positiv ist, immun gegen den Aids-Erreger zu machen. Silva und andere renommierte Wissenschaftler auf dem Gebiet vermuten jedoch, dass He erste Forschungsergebnisse über positive Auswirkungen der Genveränderung auf das Gehirn zumindest bekannt gewesen seien.

Bis heute konnten Hes Angaben über sein Vorgehen und die Auswirkungen bei Nana und Lulu nicht unabhängig von anderen Wissenschaftlern überprüft werden. Angeblich ist eine weitere Frau mit einem genveränderten Baby derzeit schwanger.

Quelle: n-tv.de, mbo

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