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Wohin mit dem Toiletteninhalt? ISS-Versorgung ist "ein kritischer Punkt"

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Die Raumfahrer Oleg Kononenko, Kjell N. Lindgren und Kimiya Yui vor ihrem Start in Baikonur.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Durch viele Pannen mussten Flüge zur ISS in den letzten Monaten mehrmals verschoben werden. Nun gab es Probleme mit dem Sonnenkollektor. Ein ehemaliger Astronaut erklärt, warum Reparaturen im All so gefährlich sind und was mit den Toilettenabfällen passiert.

Mit fast zwei Monaten Verspätung sind drei Raumfahrer auf der Internationalen Raumstation ISS eingetroffen. Grund für die Verzögerung war eine Pannenserie. So war ein Frachter vom Typ Progress Ende April abgestürzt, Ende Juni dann ein US-Raumfrachter vom Typ Dragon mit Nachschub für die ISS. Auch diesmal gab es ein Problem: Der linke Sonnenkollektor der Raumkapsel öffnete sich nicht wie geplant während des Fluges.

Ulrich Walter, ehemaliger Astronaut und heutiger Leiter des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der TU München, sagte dazu bei n-tv: "Sonnenkollektoren gehen manchmal nicht auf, weil eine Mechanik dahintersteckt. So was kann manchmal nicht funktionieren." Mechanik sei immer unzuverlässig, so sei das auch bei Sonnenkollektoren. Aber bei der ISS sei das kein Problem gewesen. Der fragliche Sonnenkollektor hatte sich schließlich beim Andockmanöver geöffnet.

Astronauten gehen ungern ins All

Ulrich Walter war im April 1993 mit der Raumfähre "Columbia" zusammen mit einem deutschen und fünf US-Raumfahrern zehn Tage im All. Währenddessen betreuten die beiden Deutschen etwa 90 Experimente im europäischen Raumlabor Spacelab. Wenn es technische Probleme gibt, berichtete Walter bei n-tv, verlassen die Astronauten ungern ihr Raumfahrzeug, denn "es ist manchmal sehr gefährlich". Es gebe Mikro-Meteoriten, von denen selbst ein nur stecknadelgroßes Stück den Anzug durchschlagen könne. Am besten wäre es, wenn man von innen einen Roboterarm steuern könnte, vielleicht sogar von der Erde aus. So etwas werde derzeit getestet und könnte, wenn es funktioniert, vermehrt eingesetzt werden.

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Ulrich Walter war im April 1993 mit dem Orbiter "Columbia" im All.

(Foto: imago stock&people)

Aber was passiert, wenn wegen des Absturzes von Raumfrachtern neue Lieferungen für die ISS ausbleiben? Die Versorgung mit Vorräten ist "ein kritischer Punkt", so Walter. "Eigentlich halten die Vorräte, wenn sechs Astronauten dort oben wären, nur bis Anfang September." Darum hätten die US-Amerikaner und die Russen erst abgewartet, ob die nächsten Versorgungsflüge funktionieren, bevor sie die nächsten drei Raumfahrer zur ISS schicken.

"Die Toilettenabfälle müssen auch wieder zurück"

Da die Proton-Rakete funktioniert hat - sie war Anfang Juli losgeflogen -, konnten die drei Raumfahrer nun nachfolgen. Die Anzahl der Besatzungsmitglieder an Bord ist entscheidend für das Durchführen von Experimenten, denn laut Walter funktioniert das erst mit sechs Astronauten wirklich gut. Schon drei Astronauten bräuchte man dafür, "um die Station am Laufen zu halten".

Dadurch, dass dieser Flug heute nun erfolgreich war, reichten jetzt auch die Vorräte, so Walter weiter. Das bezöge sich auch auf die Toilette. Denn "die Toilettenabfälle müssen ja auch wieder zurück, dazu braucht man die leere Versorgungskapsel. Die fliegt dann zurück und verglüht in der Atmosphäre. Weil das jetzt gesichert ist, kann man auch die Toilettenabfälle über längere Zeit bis Ende Oktober dann nach unten bringen."

Quelle: n-tv.de, abe

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