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Antikörper-Studie macht Hoffnung Immunität in Ischgl hält über Monate an

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Fast 90 Prozent der im April 2020 infizierten Bewohner in Ischgl war einer Studie zufolge auch acht Monate später noch immun.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Ischgl in Tirol wird vor knapp einem Jahr zum Superspreader-Hotspot. Hunderte Bewohner des Skiortes infizieren sich mit dem Coronavirus. Doch wie lange hält ihre Immunität an? Forscher der Universität Innsbruck sind der Frage nachgegangen und präsentieren nun erstaunliche Ergebnisse.

Ischgl in den Tiroler Alpen gilt als Brutstätte der Coronavirus-Pandemie in Europa. Aus dem österreichischen Skigebiet heraus breitete sich im Frühjahr 2020 das Virus über weite Teile des Kontinents aus. Doch auch im Ort infizieren sich damals Hunderte Menschen mit Sars-CoV-2. Im April vergangenes Jahr hatten Wissenschaftler in Ischgl daher eine Antikörper-Studie begonnen. Getestet wurde ein großer Anteil der Bevölkerung (rund 1300 Erwachsene und 210 Kinder). Bei 51,4 von ihnen konnten damals Antikörper im Blut nachgewiesen werden.

Eine weitere Testreihe des Instituts für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck im November sollte dann bei rund 800 Personen zeigen, wie hoch dieser Anteil nach sechs Monaten noch ist. Damit wollten die Forscher der Frage nachgehen, wie lange die Immunität nach einer durchgemachten Coronavirus-Infektion anhalte. Antikörper im Blut sind ein Beleg für eine überstandene Infektion und einen anschließenden Immunschutz.

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Das Ergebnis: Bei den 801 Teilnehmern der Folgestudie wiesen immer noch rund 45 Prozent Antikörper auf. "Bei knapp 90 Prozent von den im April 2020 seropositiv Getesteten konnten auch im November Antikörper detektiert werden", sagt die Virologin und Institutsleiterin Dorothee von Laer. Trotz leichtem Rückgang der Antikörperkonzentration im Vergleich zur ersten Studie könne damit von einer relativ stabilen Immunität gesprochen werden.

Die Konzentration der Antikörper sei zwar innerhalb dieses Zeitraums von acht Monaten etwas gesunken, so von Laer. Die Antikörper seien aber immer noch gut dazu in der Lage gewesen, das Virus im Labor zu neutralisieren.

"Ischgl ist ein Fall, der Hoffnung macht"

Wichtig für einen Immunschutz gegen das Coronavirus ist nicht nur die Bildung von Antikörpern - sondern auch die Bildung sogenannter T-Zellen. Einige von ihnen können mit dem Virus infizierte Körperzellen erkennen und zerstören. Man spricht hierbei auch von der zellulären Immunität, die schwerer nachzuweisen ist als das Vorhandensein von Antikörpern. Die Innsbrucker Forscher hatten 93 der Probanden auch auf eine solche zelluläre Immunität untersucht. Dabei stellten sie fest, dass selbst bei solchen Versuchsteilnehmern T-Zellen gebildet wurden, bei denen keine oder kaum noch Antikörper nachweisbar waren. Das könne bedeuten, dass diese trotzdem immun seien, so von Laer.

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Um zu prüfen, wie gut die Bewohner von Ischgl tatsächlich noch vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt waren, hatten die Forscher zudem die Infektionszahlen des Orts während der zweiten Welle im November mit den Infektionszahlen aus anderen Regionen Österreichs verglichen. Während dort die Zahl der Neuinfektionen Mitte November einen Höchststand erreicht hatte, blieb in Ischgl eine Welle von Neuinfektionen weitgehend aus.

Offenbar habe die Immunität bei 40 bis 45 Prozent der Bevölkerung ausgereicht, um - mit einigen, weniger strengen Schutzmaßnahmen - eine Ausbreitung des Virus in Ischgl zu stoppen, sagte Virologin von Laer. Das bedeute, dass auch eine Impfung von 40 bis 45 Prozent ausreichen könne, um das Virus zu bremsen und Maßnahmen lockern zu können. "Ischgl ist ein Fall, der Hoffnung macht auf eine frühere Rückkehr zur Normalität", so die Expertin.

Wie wirken sich Mutationen auf die Immunität aus?

Allerdings mit Einschränkungen: Im Hinblick auf die Virus-Mutationen beginne der Schutzwall, der sich in Ischgl aufgebaut hat, laut von Laer allerdings zu bröseln. Sie räumte ein, dass ein Immunschutz von einigen neuen Varianten des Virus durchbrochen werden könne. So hatten sich in Tirol zuletzt mehrere Menschen mit der neuen südafrikanischen Variante infiziert, obwohl sie bereits zuvor eine Infektion mit dem Coronavirus durchgemacht hatten. Auch bei den verfügbaren Impfungen wird von einer zumindest herabgesetzten Wirkung gegen die südafrikanische Variante ausgegangen.

Es gelte daher, die Verbreitung der südafrikanischen Variante möglichst so lange einzudämmen, bis Impfungen entsprechen angepasst werden könnten, sagte von Laer. Dass sich Viren verändern, sei allerdings nichts Neues: "Das haben wir bei der Grippe auch, daher wird jedes Jahr der Impfstoff angepasst. Ich denke, genauso wird es mit Corona laufen."

Quelle: ntv.de, hny