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Nach der ersten Dosis Impfschutz verstärkt sich bei Genesenen

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Der Impfstoff von Biontech/Pfizer soll in zwei Dosen mit einem Abstand von sechs Wochen verimpft werden.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Die Impfkampagnen laufen. Doch es gibt immer wieder Impfstoff-Engpässe. In vielen Ländern wird deshalb so vielen Menschen wie möglich eine erste Dosis gegeben. Doch reicht die auch, um gegen die Mutationen wirksam zu sein? Genesene könnten im Vorteil sein.

Um die Frage zu klären, wie gut der Impfschutz mit mRNA-Vakzinen nach der ersten Dosis bei den Mutationen wirkt, haben Forscherinnen und Forscher um Rosemary Boyton vom Imperial College London das Blut von Einmal-Geimpften untersucht. Dabei hat das Forscherteam festgestellt, dass Menschen, die zuvor eine leichte oder asymptomatische Sars-CoV-2-Infektion hatten, im Vorteil waren.

Genesene hatten einer Veröffentlichung zufolge bereits nach einer Einzeldosis des Impfstoffes von Biontech und Pfizer einen wesentlich besseren Schutz als Personen, die sich vor der ersten Impfdosis nicht mit Sars-CoV-2 infiziert hatten. Bei diesen war die Immunantwort weniger stark ausgeprägt. Das könnte auch für die Sars-CoV-2-Varianten B.1.1.7, die auch als britische Mutation und gegen B.1.351, die als Südafrika-Variante bezeichnet wird, gelten, schreiben die Forscher in ihrem Bericht, der im Fachmagazin "Science" veröffentlicht wurde.

Erste Dosis ist kein ausreichender Schutz

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Menschen, die ihre erste Impfstoffdosis erhalten haben und zuvor nicht mit Sars-CoV-2 infiziert waren, nicht vollständig gegen die zirkulierenden Varianten geschützt sind, erklärt Boyton, die als Professorin für Immunologie und Atemwegsmedizin am Imperial College London arbeitet. Die Wissenschaftlerin betonte laut Mitteilung, dass angesichts der Ergebnisse der Untersuchung die Gabe der zweiten Dosis zum Schutz der Bevölkerung wichtig sei.

Bei den Untersuchungen wurden die Blutproben auf Zeichen der Immunität gegen den ursprünglichen Stamm von Sars-CoV-2 sowie gegen die Varianten B.1.1.7 und B.1.351 untersucht. Neben Antikörpern konzentrierten sich die Forscher auch auf zwei Arten weißer Blutkörperchen: den B- und den T-Zellen. Die Y-förmigen Antikörper sind Proteine, die am Virus haften und dabei helfen, dieses zu blockieren beziehungsweise zu neutralisieren. Die B-Zellen helfen dabei, dass sich der Körper an das Virus "erinnert". Die T-Zellen unterstützen das B-Zell-Gedächtnis und helfen, mit Coronavirus infizierte Zellen zu erkennen und zu zerstören.

Genesene zeigen bessere Immunabwehr

Die Forscher sahen, dass eine Erstimpfung bei Genesenen eine deutliche stärkere Wirkung vor allem bei der T-Zell-Reaktion erzielt. Sie war bei 22 der Genesenen, also insgesamt 90 Prozent nachweisbar. Bei denen, die vor der ersten Impfdosis keine Infektion mit Sars-CoV-2 hatten, war sie dagegen nur bei 16 von 23 Personen, also 70 Prozent, im Labor sichtbar. Außerdem war die T-Zell-Antwort im Blut der Genesenen siebenfach stärker als bei den vorher Nichtinfizierten.

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Das Forscherteam hält es für möglich, dass ihre Erkenntnisse auch auf die anderen bereits bekannten Varianten wie beispielsweise P.1 (Brasilien) sowie B.1.617 und B.1.618 (Indien) zutreffen könnten. Dennoch bleibt unklar, wie viel Schutz tatsächlich die Immunität durch T-Zellen bringt.

"Unsere Daten zeigen, dass eine Infektion allein möglicherweise keine ausreichende Immunität gegen die Varianten bietet. Eine Steigerung mit einer einzigen Impfstoffdosis bei Menschen mit vorheriger Infektion ist wahrscheinlich der Fall. Da immer wieder neue Varianten auftauchen, ist es wichtig, die weltweite Einführung von Impfstoffen zu beschleunigen, um die Übertragung des Virus zu verringern und die Möglichkeit zu beseitigen, dass neue Varianten entstehen", resümiert Boyton.

Quelle: ntv.de, jaz

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