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50 Jahre nach Apollo 11 Indien bereitet Mondrakete vor

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Die Kosten für den Flug zum Mond beziffert Indien auf rund 124 Millionen Euro.

(Foto: © ISRO / Government of India)

Der Countdown läuft: Bis zum Start der nächsten indischen Mondmission bleiben nur noch wenige Stunden. Mit einem vergleichsweise kleinen Budget wollen die Inder ein eigenes Mondfahrzeug auf den Erdbegleiter schießen.

Indien startet seine erste Reise zur Mondoberfläche. Eine Trägerrakete soll den Orbiter "Chandrayaan-2" den Angaben der indischen Weltraumbehörde Indian Space Research Organisation (ISRO) zufolge am Sonntagabend gegen 23.21 Uhr (MESZ, Montagmorgen Ortszeit) von einer Insel vor der Küste des indischen Bundesstaats Andhra Pradesh aus ins All befördern.

Der Start der Trägerrakete vom Typ GSLV Mark III wurde mehrfach verschoben. Ursprünglich sollte die indische Mondsonde bereits 2011 abheben. Nach dem Ausscheiden Russlands als Partner musste Indien jedoch wichtige Komponenten selbst entwickeln, was mehrere Jahre in Anspruch nahm. Die Vorgängermission "Chandrayaan-1" sandte im Herbst 2008 eine Sonde zum Mond, die den Himmelskörper allerdings nur umkreisen sollte.

Als Startort für die rund 640 Tonnen schwere und gut 43 Meter hohe indische Mondrakete ist der indische Weltraumbahnhof "Satish Dhawan Space Centre" am Golf von Bengalen vorgesehen. Die Schubkraft der Haupttriebwerke und der beiden Feststoffbooster ist darauf ausgelegt, den indischen Orbiter bis in eine sichere Mondumlaufbahn zu bringen. Der Orbiter hat das Landemodul "Vikram" an Bord, das Anfang September am Südpol des Mondes aufsetzen soll.

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Indien auf dem Weg zum Mond: Der Rover "Pragyan" ist rund 25 Kilo schwer und soll nach der Landung über eine Rampe auf die Mondoberfläche rollen.

(Foto: © ISRO / Government of India)

Wichtigster Bestandteil des Vikram-Moduls ist der ferngesteuerte Mond-Rover "Pragyan", der auf der Oberfläche des Erdtrabanten unter anderem nach Spuren von Wasser suchen soll. Gelingt der Nachweis wäre das nicht nur ein wissenschaftlicher Erfolg für das aufstrebende Schwellenland, sondern zugleich auch ein mögliches Startsignal für ambitioniertere Vorhaben der nahen Zukunft.

Wasser auf dem Mond?

Sollte sich tatsächlich Wasser - in gefrorenem Zustand und in brauchbaren Mengen - auf dem Mond befinden, wäre damit theoretisch auch die Tür für dauerhaft bewohnte Mondbasen weit offen: Die sichere Versorgung der Mond-Astronauten mit dem lebenswichtigen Element vor Ort gilt bislang noch als weitgehend ungelöstes Problem.

In den Kalkulationen zum Betrieb künftiger Mondmissionen spielt Wasser eine gewichtige Rolle: Als Massenverbrauchsgut ist Wasser schlicht zu schwer, um es mit aufwändigen und kostspieligen Versorgungsflügen von der Erde auf den Mond zu bringen.

Für die indische Weltraumbehörde geht es zunächst jedoch vor allem um ein sehr viel konkreteres Ziel: Sollte der Flug zum Mond gelingen und der indische Mond-Rover sicher landen, wären die Inder die vierte Raumfahrtnation nach den USA, Russland und China, die imstande ist, die technisch-logistische Meisterleistung einer Mondlandung zu meistern.

Günstiger als die Nasa

Dann wäre für das indische Raumfahrtprogramm wohl bald auch ein bemannter Mondflug in Reichweite. Der Start der indischen Mondmission erfolgt nur wenige Tage vor dem 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung durch die US-Astronauten von Apollo 11.

Indien entwickelte nahezu alle Komponenten selbst, die Kosten dafür waren mit umgerechnet rund 124 Millionen Euro im Vergleich zu anderen Mondprogrammen ausgesprochen niedrig. Zum Vergleich: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hatte die Kosten für eine Wiederaufnahme der Mondflüge erst kürzlich mit einer Summe von 20 bis 30 Milliarden Dollar veranschlagt.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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