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Die Sahara besteht nur zu einem Fünftel aus Sand. Der größte Teil sind Felsen oder Stein. Doch alle 100.000 Jahre wird die Wüste grün.
Die Sahara besteht nur zu einem Fünftel aus Sand. Der größte Teil sind Felsen oder Stein. Doch alle 100.000 Jahre wird die Wüste grün.(Foto: imago/allOver-MEV)
Mittwoch, 08. November 2017

Einst grün und regenreich: Kältere Arktis ließ Sahara austrocknen

Mit fast zehn Millionen Quadratkilometern ist die Sahara die größte Trockenwüste der Welt. Doch das war nicht immer so. Einst gab es dort Flüsse und Seen. Warum änderte sich das? Weit entfernte Klimaveränderungen spielten offenbar eine große Rolle.

Die Felszeichnungen verwirren: In einer Höhle in der ägyptischen Sahara, einem der trockensten Orte der Welt, sind schwimmende Menschen dargestellt. Wie kann das sein? Schätzungen zufolge sind die steinzeitlichen Kunstwerke bis zu 10.000 Jahre alt. Und das beantwortet die Frage schon, denn damals war die Sahara grün. Die Höhlenkunstwerke entstanden in der niederschlagsreichen Zeit, die dort vor 11.500 bis 5500 Jahren herrschte.

Bis heute rätseln Klimaforscher, wie es dann zur Wüstenbildung kam und warum die Austrocknung so rasch erfolgte. Nun hat ein Wissenschaftlerteam von verschiedenen europäischen Einrichtungen herausgefunden, dass offenbar eine Abkühlung des Klimas in hohen nördlichen Breiten dazu führte, dass die niederschlagsreiche Phase in der heutigen Sahara so schnell zu Ende ging. Sie berichten davon im Fachmagazin "Nature Communications".

Pflanzenstoffe verraten Niederschlägsstärke

Der Studie zufolge führte ein Temperatursturz in der Arktis und den mittleren Breiten der Nordhemisphäre dazu, dass tropische Höhenwinde über Afrika geschwächt wurden. In der Folge gingen die Niederschläge über Afrika zurück. "Im Zusammenspiel mit weiteren komplexen Rückkopplungen im Klimasystem kippte die feuchte Phase hin zu einer trockenen Periode, die zur Wüstenbildung führte", erläutert der Hauptautor der Studie, James Collins vom GFZ, dem Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam, und dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven.

So sieht es aus, wenn James Collins Proben aus einem Sedimentkern entnimmt.
So sieht es aus, wenn James Collins Proben aus einem Sedimentkern entnimmt.(Foto: Marum (Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen))

Die Forscher kamen zu diesem Ergebnis, indem sie Wachs analysierten, das Pflanzen zum Schutz ihrer Blätter produzieren. Von diesen Blattwachsen, die in Sedimenten im Golf von Guinea gefunden wurden, konnten sie auf die Niederschlagsstärke zu Lebzeiten der Pflanzen schließen. Mithilfe von Klimamodellen rekonstruierten die Wissenschaftler dann die Regenmenge im heutigen Kamerun und dem zentralen Teil der Sahara-Sahel-Zone über die letzten Jahrtausende. Dabei zeigte sich, dass es vor rund 5500 Jahren einen raschen Wechsel hin zu sehr trockenem Klima gab.

Klimawandel lässt Sahara schrumpfen

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Obwohl die Abkühlung in den nördlichen Breiten wohl nicht der einzige Treiber des Klimawechsels in Afrika war, scheint sie doch das entscheidende fehlende Puzzlestück zu sein, um den abrupten Wandel zu erklären. Auch die aktuelle Eisschmelze in der Arktis dürfte sich auf das Klima in Afrika auswirken: Es erscheine möglich, "dass die gegenwärtige Erwärmung der Arktis und der Rückgang des Meereises einen starken Einfluss auf die Niederschlagsverhältnisse in den Tropen haben", sagt Collins. Dass kleine Veränderungen in einer Region offenbar große Auswirkungen in entfernten Gebieten haben können, betont auch Projektleiter Enno Schefuß vom Marum, dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. "Dies sollte bei Bewertungen von Klimaprojektionen künftig berücksichtigt werden."

Der Geograf Stefan Kröpelin konnte bereits beobachten, dass der Klimawandel die Sahara offenbar sehr viel früher wieder ergrünen lässt, als es allein nach dem natürlichen Zyklus der Fall wäre. Kröpelin ist Wissenschaftler an der Forschungsstelle Afrika des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln und kennt die Sahara so gut wie kaum ein anderer. "Ich fahre jedes Jahr in die gleichen Gebiete. Sie liegen abseits von Siedlungen und werden nicht mal mehr von Nomaden genutzt. Und da ist seit Ende der 1980er-Jahre ein vorsichtiger Trend zum Wiederergrünen der Sahara auszumachen", sagt Kröpelin im Gespräch mit n-tv.de. "Die Niederschläge nehmen völlig zweifelsfrei zu", konkretisiert er. "Der Grasbewuchs kommt wieder. Später kommen die Mäuse und Vögel, dann gibt es mehr Weiden, und schließlich kehren die Gazellen zurück."

Eigentlich wäre eine grüne Sahara erst in 60.000 bis 80.000 Jahren wieder zu erwarten. Sie bildet sich nämlich etwa alle 100.000 Jahre aus. "Seit wahrscheinlich zwei bis zweieinhalb Millionen Jahren erlebt die Sahara etwa alle 100.000 Jahre eine Feuchtphase. Und die hält jeweils ein paar tausend Jahre an", sagt Kröpelin. Die globale Erwärmung scheint diese Entwicklung deutlich zu beschleunigen - allerdings nur in weit von Menschen entfernten Gebieten. Denn es gibt etwas, das einem Wiederergrünen der Wüstengebiete im Wege stehen könnte: die extreme Bevölkerungszunahme am Rand der Sahara. "Ziegen, Überweidung und Holzentnahme können die positive Entwicklung stoppen und sogar mehr als umkehren", erläutert Kröpelin. Die klimabedingte Ausbreitung der Sahara ist nach Meinung Kröpelins zum Stillstand gekommen. Die menschgemachte Ausdehnung der Wüste aber, die Desertifikation, ist eine akute Bedrohung.

Quelle: n-tv.de

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