Messungen am HandgelenkKann zu wenig Tageslicht zu einer Demenz führen?

Ausreichend Tageslicht ist für die Gesundheit des Menschen unerlässlich. Es reguliert lebenswichtige Hormone und wirkt stimmungsaufhellend. Tageslicht könnte außerdem Einfluss auf die Gehirngesundheit haben, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.
Wer sich länger dem Tageslicht aussetzt, könnte ein geringeres Demenzrisiko haben als diejenigen, die nur wenig Zeit draußen verbringen. Das hat ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Guangzhou in China herausgefunden. "Die Lichtexposition am Tag könnte als neuer Indikator für das Demenzrisiko dienen", wird Hongliang Feng, der an der Studie beteiligt war, in einer Mitteilung zitiert.
Für die Untersuchung wurden insgesamt 87.577 Erwachsene aus Großbritannien ohne Anzeichen von Demenz ausgewählt. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmenden lag bei knapp über 62 Jahren. Die Freiwilligen wurden mit einem speziellen Gerät zur Messung von Tageslicht ausgestattet. Dieses Gerät trugen sie sieben Tage lang am Handgelenk. Die Probanden und Probandinnen wurden rund acht Jahre beobachtet. Insgesamt wurde am Ende des Untersuchungszeitraums bei 741 Personen Demenz, das entspricht rund 0,85 Prozent diagnostiziert.
Mehr Licht, geringeres Demenzrisiko
Die Lichtexposition der Personen im Alltag wurde mit Lux, der Maßeinheit für Beleuchtungsstärke, ermittelt. Sie gibt an, wie viel Licht (Lumen) auf eine definierte Fläche (Quadratmeter) trifft. 1000 Lux entspricht einer mäßig hellen Beleuchtungsstärke an einem stark bewölkten Tag im Freien oder an einem Wintertag. 5000 Lux hingegen ist wie ein heller, bedeckter Tag. Bei direktem Sonnenlicht gehen die Werte auf 100.000 bis 130.000 Lux hoch. Zum Vergleich: Eine normale Zimmerbeleuchtung bringt zwischen 100 und 200 Lux, in einem Büro sind es ungefähr 500.
Beim Abgleich mit den Daten zeigte sich: Eine durchschnittliche Lichtexposition tagsüber von mehr als 1000 Lux war mit einem um 16 Prozent geringerem Demenzrisiko verbunden. Eine längere Exposition von mehr als 0,7 Stunden bei Tageslicht mit mindestens 5000 Lux ging sogar mit einer weiteren Risikoreduktion von 33 Prozent einher.
Das Resümee der Forschenden: Weniger als 0,7 Stunden, also 42 Minuten, helles Tageslicht pro Tag zeigt sich als eine stärkere Einflussgröße für Demenz als sechs bereits etablierte Risikofaktoren für Demenz. Bei Nachtlicht hingegen gab es in der Untersuchung keinen Zusammenhang mit dem Demenzrisiko. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachjournal "General Psychiatry" veröffentlicht.