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Ansteckung vermutlich zu Hause Kita-Kinder sind selten Sars-CoV-2-infiziert

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Bisher wird immer wieder darum gestritten, ob Kitas und Schulen wieder geöffnet werden können.

(Foto: imago images/Overstreet)

Über die Rolle von Kindern in Kitas und Schulen in der Pandemie herrscht noch immer Unklarheit. Aktuelle Studienergebnisse aus Frankreich bringen ein wenig mehr Licht ins Dunkel - etwa, was die Ansteckungsgefahr für Kinder in Kitas angeht.

Forschende haben anhand von Blutuntersuchungen herausgefunden, dass sich Kinder, die während des ersten Lockdowns in Frankreich in 22 Kitas betreut wurden, nur selten mit Sars-CoV-2 infizierten. Vermutet wird zudem, dass die Ansteckung der Kinder innerhalb der Familien und nicht in den Einrichtungen geschah. Der Grund: Bei den Eltern handelte es sich um Personen, die wegen ihrer systemrelevanten Berufe vor allem in Kliniken einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt waren.

Kinder im Alter von fünf Monaten bis zu vier Jahren wurden während der Zeit vom 15. März bis zum 9. Mai 2020 hauptsächlich in Kindertagesstätten von Kliniken betreut. Dort wurde auf diverse Schutzmaßnahmen geachtet: Die betreuenden Personen hatten kleine Gruppen von sechs bis acht Kindern zu beaufsichtigen und trugen dabei Gesichtsmasken. Nach Möglichkeit wurden die Gruppen immer von denselben Personen beaufsichtigt. Abstands- und Hygieneregeln wurden eingehalten. Zudem gab es regelmäßige Kontrollen der Körpertemperatur. Kinder, die krank oder fiebrig waren, mussten zu Hause bleiben.

Antikörper als Parameter

Das Forscherteam um Camille Aupiais vom Hôpital Jean-Verdier in Paris nahm vom 4. Juni und dem 3. Juli 2020 Blutproben von insgesamt 327 Kindern, die betreut worden waren sowie 197 Betreuern und untersuchte es auf Sars-CoV-2-Antikörper. Die Ergebnisse wurden mit den Daten von 164 Erwachsenen einer Kontrollgruppe verglichen, die ebenfalls während des Lockdowns gearbeitet, aber keine Kinder zur Betreuung in den Kindertagesstätten hatten.

Die Forschenden sahen Antikörper im Blut von 14 Kindern und 14 Betreuern. Die sogenannte Seroprävalenz, also die prozentuale Anzahl der positiv getesteten Parameter zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Population, wird mit 3,7 Prozent für die betreuten Kindern und mit 6,8 für deren Betreuer angegeben. Zum Vergleich: In der Kontrollgruppe hatten sich neun Personen mit Sars-CoV-2 infiziert, was eine Seroprävalenz von 5,0 Prozent ergibt.

Keine Hinweise auf häufigere Ansteckungen in Kitas

Die Kinder und die Betreuer hatten sich demnach nicht signifikant häufiger als die Vergleichsgruppe infiziert. Dies spricht laut Aupiais gegen die Annahme, dass Kindestagesstätten zum Ausgangspunkt von Ausbrüchen wer­den. Die Seroprävalenz war zudem niedriger als in der Umgebung. Im Großraum Paris haben sich anderen Studien zufolge während der ersten Welle etwa 10 Prozent der Bevölkerung infiziert.

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Zudem war es bei 6 der 14 seropositiven Kinder, also bei 43 Prozent, zu weiteren Infektionen in der Familie gekommen. Dem gegenüber stehen 19 innerfamiliäre Infektionen bei 307 seronegativen Kindern, was einen Anteil von sechs Prozent ergibt. Aupiais schließt daraus, das sich die meisten Kinder vermutlich in der Familie und nicht in der Tagesstätte angesteckt haben.

Die Ergebnisse aus Frankreich, die im Fachjournal "The Lancet" veröffentlicht wurden, decken sich mit den Daten aus weiteren Studien, die in Spanien, Brasilien, den USA und dem Iran durchgeführt wurden.

Quelle: ntv.de, jaz

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